Aromatherapie in der Schwangerschaft

Die Aromatherapie ist ein großes, spannendes Kapitel unter den Naturheilverfahren. Sie bietet sich für die Schwangerschaft bei vielen kleineren Problemen und Beschwerden als sanfte, aber sehr wirksame Hilfe an. Viele Schwangeren nehmen die duftenden Helfer zur Steigerung ihres Wohlbefindens und um Beschwerden schon von Anfang an entgegen zu wirken, sehr gerne an.

Dabei werden hochkonzentrierte Substanzen aus Pflanzen verwendet, so genannte ätherische Öle. Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Extrakte aus Pflanzen, die mittels Wasserdampfdestillation, Schalenpressung oder Extraktion gewonnen werden. 70 bis 400 Einzelwirkstoffe im ätherischen Öl einer Pflanze sind keine Seltenheit und erklären die spektakulären Heilerfolge in der Aromatherapie. Da diese Öle sehr stark wirken,  sollte man sie immer nur tropfenweise verwenden.

  • Immer der Nase nach! Schwangere haben einen sehr feinen Geruchsinn und wissen meist am besten, was Ihnen gut tut.

 

Die ätherischen Öle wirken unmittelbar auf den Körper ein. Die Duftmoleküle gelangen über die Nase auf die Riechschleimhaut, die zum zentralen Nervensystem gehört. Der Riechsinn sitzt im ältesten Teil des Gehirns (limbisches System) und ist der ursprünglichste aller Sinne. Duftreize können dort die Ausschüttung von Neurotransmittern (Botenstoffen) bewirken, z.B. Enzephaline, die schmerzlindernd wirken und Wohlbehagen erzeugen oder Endorphine, die sehr stark schmerzstillend wirken, aber auch Glücksgefühle auslösen.

 

Achtung: Ätherische Öle zur Massage sollten nicht in den ersten 14 Schwangerschaftswochen angewendet werden. Für diesen Zeitraum ist die Inhalation über ein Taschentuch oder die Duftlampe empfehlenswert. Nicht alle ätherischen Öle sind in der Schwangerschaft bedenkenlos zu verwenden, da einige z.B. Wehen auslösen oder andere unerwünschte Wirkungen haben können. Die hier vorgestellten Öle sind jedoch sicher in der Anwendung.

Bei Bedenken ob ein bestimmtes ätherisches Öl vertragen wird, speziell bei empfindlicher Haut, nehme einen Allergietest vor: 1-2 Tropfen in der Armbeuge 24 Stunden einwirken lassen.

 

 

Qualität/ Einkauf

  • Die Bezeichnung „ätherisches Öl“ ist nicht geschützt. Es gibt große Qualitätsunterschiede. Verwende nur gute, naturbelassene Öle.
  • Manche Öle sind sehr schwer zu gewinnen (z.B. Rose) und dadurch naturgemäß teurer als leicht zu gewinnende (z.B. Zitrone)
  • achte wegen des Lichtschutzes auf dunkle Flaschen
  • achte auf die genaue Angabe des Pflanzenteiles, aus dem das Öl gewonnen wurde (Blätter, Wurzel, Blüte…)
  • achte auf eine Volldeklaration beim Etikett: botanischer Name, Herkunftsland, Gewinnungsart und Anbauweise sollten darauf stehen.

 

 

Anwendungen von ätherischen Ölen in der Schwangerschaft

 

Die Öle können folgendermaßen angewendet werden:

  • Massage: 2 Tropfen auf 10 ml (bzw. 10 Tropfen auf 50 ml) neutralem Öl wie Sonnenblumen-, Mandel-, oder Weizenkeimöl. Das Öl gelangt so über die Haut in den Blutkreislauf.
  • Einatmen: 2-3 Tropfen auf ein Taschentuch oder 5 Tropfen in einer Duftlampe. Das Öl gelangt so über die Lunge ins Blut. Eine therapeutische Wirkung ist über die Duftlampe nur begrenzt zu erwarten.
  • Badezusatz: 5 Tropfen mit einem Emulgator wie etwas Sahne für ein Vollbad

 

 

Ängste

  • Mandarine, Bergamotte, Neroli, Sandelholz, Rose, Lavendel
  • als Riechfläschchen zum Schnüffeln
  • ein 1-prozentiges Körperöl herstellen (1 Tropfen auf 10 ml Öl, z.B. Mandelöl) und Hände und Brust damit einreiben
  • 3 Tropfen eines der äth. Öle oder einer Mischung daraus pur auf ein Taschentuch träufeln und gelegentlich daran riechen
  • 5 Tropfen in die Duftlampe geben

 

Bluthochdruck

Eine Behandlung mit ätherischen Ölen erfolgt begleitend zur Therapie und Überwachung.

  • Antihypertensive und entspannende Öle: Ylang-Ylang, Narde, Lavendel, Litsea, Petitgrain. Narde und Ylang-Ylang pur werden meistens als zu süßlich und schwer empfunden und sollten daher mit frischeren Düften wie Litsea oder Petitgrain gemischt werden.
  • insgesamt 6 Tropfen ätherische Öle in 30 ml Mandelöl geben und Bauch, Hals und Puls mehrmals täglich damit einreiben

 

Blutdruck, niedriger

  • Zitrone, Limette oder Rosmarin als Riechfläschchen unter die Nase halten und tief einatmen.
  • Äth. Rosmarinöl in der Schwangerschaft nicht innerlich einnehmen.
  • Körperöl 1-prozentig aus Zitrone und/ oder Limette herstellen und morgens damit einreiben

 

Dammmassageöl

Um den Damm weich und dehnungsfähig zu machen und so Dammrissen vorzubeugen werden für ein Dammmassageöl Lavendel, Rose, Rosengeranie, Muskatellersalbei in fettem Öl (z.B. Johanniskraut-, Weizenkeim-, Nachtkerzenöl) 1-3 prozentig verdünnt.

 

Depressive Verstimmung

  • Bergamotte, Lavendel, Neroli, Grapefruit, Mandarine, Rose, Jasmin, Zeder.
  • Schnüffeln am Fläschchen, Raumbeduftung, Massagen und Bäder sind sehr hilfreich

 

Erkältungen/ Infekte

Duftlampe bei

  • fieberhaften Infekten: Cajeput und Lavendel
  • Husten: Manuka und Lavendel
  • Schnupfen: Thymian weiß und Lavendel

Vorbeugend wirken in Erkältungszeiten alle Zitrusöle. Sie fördern ein gutes Raumklima und verringern die Keimbelastung in der Luft.

Zur Abwehrstärkung bietet sich folgende Mischung in der Duftlampe an: Bergamotte, Zitrone, Lavendel.

 

Hämorrhoiden

  • schnelle Hilfe bieten Sitzbäder aus Zypresse und Lavendel. Bei akuten Hämorrhoiden mindestens zweimal täglich.
  • 3 Tr. Lavendel, 3 Tr. Zypresse, 3 Tr. Niaouli, 2 Tr. Kamille blau in 50 ml Johanniskrautöl geben und den After damit mehrmals täglich einreiben.

 

Kopfschmerzen

  • Lavendel, Spearmint
  • auf die Schläfen oder Stirnbeinhöcker auftragen

 

Krampfadern (Varizen)

  • Zitrone, Zypresse, Wacholder, Immortelle. Insgesamt 10 Tropfen auf 50 ml Öl, z.B. Jojobaöl.
  • Auf die Beine auftragen und in Richtung Herz sanft einmassieren.

 

Ödeme

  • Lavendel, Lemongras, Myrte, Schafgarbe, Wacholderbeere, Zypresse z.B. in Mandelöl verdünnen und auf die Beine auftragen oder als kühle Kompresse auflegen.

 

Rückenschmerzen

  • Lavendel, Majoran, Grapefruit in Mandel- Sesam – oder Johanniskrautöl mischen und mehrmals täglich auf die betroffenen Stellen auftragen und eventuell ein warmes Kirschkernkissen auflegen.
  • insgesamt 10 Tropfen auf 50 ml Öl

 

Schlaflosigkeit

  • Lavendel, Rose, Orange, Sandelholz, Rosenholz, Kamille römisch
  • 1 Tropfen Lavendel in den Händen verreiben, die Hände zum Einschlafen in die Nähe des Gesichts legen oder 1 Tropfen Lavendelöl auf die Nasenöffnung auftragen.
  • 8- 10 Tropfen ätherisches Öl in Mandelöl geben und Fußsohlen, Bauch oder Brust damit einreiben, ruhig atmen.

 

Schwangerschaftsstreifen (auch vorbeugend)

  • Lavendel, Weihrauch, Neroli, Mandarine
  • als Körperöl mischen und den Bauch täglich damit einreiben

 

Übelkeit und Erbrechen

  • Grapefruit, Zitrone, Orange, Ingwer, Spearmint
  • An einem Fläschchen mit Grapefruit, Zitrone, Orange oder Pfefferminze riechen. Als Massage für die ersten Monate in der Schwangerschaft in der Leistengegend und auf dem Bauch:
    Mandarine, Lavendel, Kamille römisch, Neroli, Rosenholz (verdünnt in Mandelöl oder Jojobaöl)
  • neben der trockenen Inhalation hat sich das Einreiben des Solarplexus (etwa auf Höhe des Magens) oder Akupressur auf Punkte wie Pe 6, die gegen Übelkeit wirken, als günstig erwiesen.

 

Vaginalinfekte

  • bei milden Beschwerden eignen sich Sitzbäder mit 1 – 3 Tropfen ätherischem Öl aus Rose, Neroli oder Lavendel auf etwas Salz gelöst.
  • bei Pilzinfektion 1 Tropfen Lavendel pur oder zusätzlich 1 Tropfen Manuka (bei Verträglichkeit auch Teebaumöl) auf die Slipeinlage oder Unterhose geben
  • bei anhaltenden oder stärkeren Beschwerden Abstrich und Aromatogramm mit Herstellung von individuell passenden Vaginalzäpfchen

 

Verstopfung

  • Orange, Fenchel, Koriander, Palmarosa
  • insg. 6 Tropfen auf 30 ml Mandelöl. Den Bauch mehrmals täglich damit einreiben.

 

Vorzeitige Wehen

Vorzeitige Wehen können sehr vielfältige Ursachen haben. Die begleitende Behandlung erfolgt mit Bädern, sanften Einreibungen oder als Duftanwendung mit folgenden Ölen:

  • entspannende Öle: Neroli, römische Kamille, Narde, Bergamotte, Rose
  • wehenhemmende Öle: Majoran und Linaloeholz
  • Es ist empfehlenswert den Bauch bei Bedarf mindestens dreimal täglich mit einer tokolytischen Ölmischung „einzustreicheln“.  (Achtung: kräftige Reibungen über den Bauch können wehenverstärkend wirken). Sehr gute Erfahrungen gibt es mit einer Mischung aus Sandelholz, Majoran, Neroli, Lavendel und Bergamotte gelöst in Mandelöl oder Jojobaöl.
  • In der Duftlampe wirkt die entspannende Mischung aus Lavendel, Rose und Bergamotte sehr gut.
  • Ein nicht zu warmes Bad mit Lavendel und Rose wirkt entspannend und ist auch hilfreich bei Schlafproblemen.
  • Wunderbare, schnelle Hilfe bieten lauwarme Bauchkompressen mit Lavendel und Neroli. Diese Mischung beruhigt und entspannt fast sofort.

 

aromatherapie in der schwangerschaft rosearomatherapie in der schwangerschaft orangearomatherapie in der schwangerschaft 2

 

Quellen:

Dietrich Wabner: Aromatherapie Grundlagen, Wirkprinzipien, Praxis

Adamaszek u.a.: Naturheilverfahren in der Hebammenarbeit

Kommentare

  1. Pingback: VEGAN BABY SPECIAL | Über Body Image, Dehnungsstreifen & vegane Mamacremes - ONCE UPON A CREAM | Vegan Beauty Blog

  2. Pingback: Angst vor der Geburt - erkennen und auflösen

  3. Alice

    Liebe Olivia!
    Mit welchen ätherischen Ölen arbeitest du denn?

    Hier gibt es ja enorme Qualitätsunterschiede…

    Alles Liebe

    Alice

    1. Olivia

      Hallo liebe Alice,

      ich nehme am meisten Primavera oder Taoasis. Wie sind deine Erfahrungen?

      Herzliche Grüße
      Olivia

  4. Ekaterina

    Hallo Olivia,
    noch eine Frage zur Anwendung von ÄÖ.
    Ich habe Ischias seit paar Tagen in der rechten Hüfte. Kann ich die Mischung gegen Rückenschmerzen aus dem Beitrag oben anwenden? Wenn die Öle im Rezept entspannend wirken, vielleicht helfen sie mir auch gegen Schmerzen? Ich bin grade in der 27. Woche.

    Danke!

    1. Olivia

      Liebe Ekaterina,
      Ja, die Mischung kannst du verwenden. Ich könnte dir sonst auch noch die Kombi Lavendel und Weihrauch empfehlen.
      Gute Besserung!

  5. Anna-Lena

    Noch mal zu meinem vorherigen Kommentar: ganz genau ist enthalten in dem Ei:
    Sheabutter*, Kakaobutter*, Candelillawachs, Carnaubawachs, Sanddorn Fruchtfleischöl*, Mischung ätherischer Öle, Kurkuminfarbstoff, Vitamin E (GMO-frei) (*Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau) Bestandteile ätherischer Öle: Citral, Limonene, Linalool

    1. Olivia

      Hallo Anna-Lena,
      du kannst die Körperpflege ruhig verwenden. Zwar ist jetzt nicht gelistet, um welche ätherischen Öle es sich handelt (nur die Bestandteile), jedoch ist nicht zu erwarten, dass es sich um Öle wie z.B. Kampfer oder Rosmarin handelt, welche man in der Schwangerschaft meiden sollte – das würde nicht so zum Sanddorn passen.
      Viel Freude mit deinem Pflege-Ei und alles Gute für die weitere Schwangerschaft 🙂

  6. Anna-Lena

    Hallo,
    Ich habe noch eine andere frage zur Anwendung ätherischer öle in der Schwangerschaft. Ich habe ich Pflege-Ei v.a. aus sanddorn geschenkt bekommen. Darin sind auch die Öle Citral, Limonene, Linalool
    enthalten. Darf ich das Ei zur Pflege meines Bauches (25. Ssw) verwenden?

  7. Ekaterina

    Hallo! Vielen Dank für Ihren Beitrag!

    Ich hätte aber eine Frage: ich habe bei bekannten Aromapraktikerinnen gelesen, dass solche Öle wie Wacholder, Thymian und Majoran nicht zu empfehlen sind, weil sie die Gebärmutter stimulieren können. Sie aber erwähnen diese Öle in Ihren Rezepten.

    Danke!

    1. Olivia

      Hallo Ekaterina,
      Das ist allgemein schon richtig, jedoch ist z.b. Thymian als Anwendung in der Duftlampe -wie bei Schnupfen erwähnt- unbedenklich.
      Auch zum Beispiel eine Mischung mit Wacholder wie bei Ödemen oder Krampfadern wird keine Wehen anregen. Es geht natürlich auch immer um die Dosierung und die Art der Anwendung (wird mit dem Öl der Bauch massiert oder es gar innerlich angewandt, ist die Wirkung eine andere).
      Ich hoffe, deine Frage damit beantwortet zu haben.
      LG

Kommentar hinzufügen