Stress in der Schwangerschaft

Darum ist Stress während Schwangerschaft und Geburt so schädlich

Stress kann in unserem Leben durchaus zeitweise positiv sein: er hilft uns, uns vorübergehend aufzuputschen und die körperliche und mentale Aktivität zu steigern. So können wir bestimmte Herausforderungen besser meistern. Dauerstress ist jedoch eine ernste Gefahr für unsere Gesundheit – die ständige seelische oder körperliche Überforderung kann langfristig die Entstehung unterschiedlicher Krankheiten begünstigen, wie Depressionen, Migräne, Magenprobleme oder einen Herzinfarkt.

Gerade auch während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit ist chronischer, also anhaltender Stress, der Hauptfeind der Gesundheit von Mutter und Baby.

 

Auswirkungen von Stress in der Schwangerschaft

Das Stresshormon Cortisol kann durch die Plazenta vom mütterlichen in den kindlichen Blutkreislauf übertreten. Die Plazenta ist aber so wunderbar eingerichtet, dass sie durch spezielle Enzyme dieses Stresshormon inaktivieren kann, um das Baby vor unnötigem Stress zu schützen.
Bei anhaltendem Dauerstress ist die Plazenta jedoch überfordert und dieser integrierte Schutzmechanismus funktioniert dann leider nicht mehr.

  • Die konstant erhöhten Stresshormone hemmen die Produktion von wichtigen Hormone für die Schwangerschaft, die Geburt und das Stillen.
  • Chronischer Stress am Anfang der Schwangerschaft kann die Einnistung und das Wachstum der Plazenta erschweren. Die Spiralartieren, welche die Plazenta ernähren, bilden sich schlechter aus.
  • Durch eine Verengung der Gefäße reduziert sich weiterhin die Durchblutung der Plazenta und dementsprechend auch das Wachstum des Babys (Wachstumsretardierung).
  • Chronischer Stress reduziert die REM-Schlafphasen beim ungeborenen Baby, welche für die Entwicklung des Gehirns eine bedeutende Rolle spielen.
  • Neben der Produktion von Schwangerschaftshormonen reduziert sich auch die Produktion von Endorphinen (Glückshormonen) und Antikörpern. Das Immunsystem ist gehemmt.
  • Die Erregbarkeit der Gebärmutter wird erhöht, was zu vorzeitigen Wehen führt.
  • Der konstant hohe Cortisolspiegel kann sogar der Auslöser für Diabetes und Gestose sein.

 

Während der Geburt

  • Übermäßige Spannung der Gebärmutter mit starken Schmerzen (Hyperaktivität und/oder Hypertonus).
  • Spastischer, unproduktiver Schmerz. Anhaltende Schmerzen in den Wehenpausen ohne Entspannungsphase.
  • Spannungen im Beckenbereich, den Muskeln und Bändern. Dadurch resultierend Fehleinstellungen des Kindes und ein verzögerter Geburtsfortschritt bis hin zum Geburtsstillstand. Ebenfalls wird der für das Kind verfügbare Platz durch die erhöhte Spannung in Beckenmitte und Beckenausgang verkleinert.
  • Straffer Gebärmutterhals.
  • Die hohe Cortisolspiegel hemmt die Ausschüttung von Endorphinen (schmerzlindernd), Oxytocin („Liebeshormon“) und Prolaktion (wichtiges Hormon für die Muttermilchproduktion).
  • Andauerndes Erbrechen. Angst und Panik. Unbeweglichkeit und eine starre Körperhaltung.
  • Verminderte Blutzufuhr zur Gebärmutter durch eine Verengung der Gefäße. Dadurch eine verminderte Sauerstoffversorgung für das Baby.
  • Anpassungsschwierigkeiten und Atmungsschwierigkeiten für das Baby nach der Geburt
  • Erhöhte Wahrscheinlichkeit für Geburtsverletzungen

 

Anhaltender Stress: Auswirkungen im Wochenbett

  • Stillschwierigkeiten oder zu wenig Muttermilch
  • Rissige Brustwarzen (Rhagaden): Eingerissene Brustwarzen werden vor allem durch eine falsche Anlegetechnik, ungünstige Stillposition und falsches Saugen verursacht. Aber auch Stress kann diese Beschwerden hervorrufen oder verstärken.
  • Bindungsschwierigkeiten mit dem Baby
  • Überforderung
  • Wochenbettdepression
  • Beim Kind kann sich anhaltender Stress während der Schwangerschaft nach der Geburt durch Anpassungsschwierigkeiten, Koliken und wiederkehrende Krankheiten äußern. (Dauerstress schädigt die Thymusdrüse – ein wichtiger Teil des Immunsystems).

 

Wie kannst du übermäßigen Stress in der Schwangerschaft vermeiden?

Allgemein gibt es zwei Formen von Stress:

Stress, der von innen kommt: dieser hängt mit der persönlichen und psychischen Situation eines Menschen zusammen und entspringt seinem persönlichen Erleben.

Stress, der von außen kommt: Die zweite Stressquelle ist vom äußeren Umfeld abhängig: von den sozialen und familiären Bedingungen sowie Umweltbedingungen, von mangelnder Unterstützung und ungelösten Konflikten.

Beide Formen von Stress haben dieselbe Wirkung auf den Körper: eine konstant erhöhte Produktion von Cortisol. Hält diese Situation längere Zeit an, hat sie gravierende Auswirkungen auf Schwangerschaft, Geburt und Stillen.

 

Unterstützende Maßnahmen:

  • Gehe schriftlich die Abläufe in deinem Alltag durch: Wo kannst du etwas vereinfachen? Welche Aufgaben/ Tätigkeiten kannst du an andere abgeben? Wer kann dich im Haushalt unterstützen oder bei der Betreuung der Kinder?

    Wann und wie könntest du Ruhepausen in deinen Alltag einbauen?

    Du kannst deinen Haushalts aufgrund von Schwangerschaftskomplikationen gar nicht weiterführen und es gibt auch keine andere im Haushalt lebende Person diese Aufgabe übernehmen kann (zum Beispiel weil der Partner berufstätig ist)?  Dann spreche mit deinem Arzt über eine Bescheinigung zur Notwendigkeit einer Haushaltshilfe nach § 24h SGB V, die zur Vermeidung eines stationären Aufenthalts von deiner Krankenkasse übernommen wird.

  • Ist dein Beruf ein großer Stressauslöser? Kannst du deine Arbeitsstunden verringern? Flexiblere Arbeitszeiten einrichten? Auch mal von zu Hause arbeiten?

    Ist deine Arbeit von so großer Belastung, dass dein Frauenarzt eventuell ein (vorübergehendes) Berufsverbot erteilen kann?

  • Plagen dich Zukunftsängste oder finanzielle Sorgen? Hilfe und Unterstützung kann hier eine kostenlose und fachmännische Schwangerschaftsberatungsstelle bieten.
  • Plagen dich unspezifische oder spezielle Ängste? Spreche mit Personen deines Vertrauens über deine Gefühle. Manchmal hilft es schon, sich mit Freunden über seine Sorgen auszutauschen und sich verstanden und aufgehoben zu fühlen. Auch ein Gespräch mit deiner Hebamme kann so manche Sorgen im Hinblick auf die Geburt oder das Leben mit Baby auflösen.

    Bei tieferliegenden oder anhaltenden Problemen empfiehlt sich eine therapeutische Unterstützung.

  • Körperarbeit: Erlerne eine Entspannungstechnik, z.B. Meditation oder Yoga um Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen und dich tiefgehend zu entspannen. Aber auch einfache, regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft helfen, Spannungen abzubauen.
  • Naturheilkundliche Hilfe in Form von Aromatherapie oder Phytotherapie kann unterstützend eingesetzt werden. Auch Akupunktur, Homöopathie oder andere ganzheitliche Verfahren sind geeignet.

 

 

 

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