CTG

Das CTG – wie sinnvoll ist es wirklich?

Ein CTG (Cardiotokograph / Herztonwehenschreiber) ist ein Gerät, welches die Herztöne des Kindes und die Wehen der Mutter aufzeichnet. Dazu wird der Schwangeren ein Gurt um den Bauch gelegt, der über zwei Elektroden die entsprechenden Signale über die Bauchwand ableitet.

Diese Untersuchung hat sich zur Routinemaßnahme in der Schwangerschaft entwickelt. Fast jede Schwangere in Deutschland wird, schon häufig ab der 28. SSW, bei der Vorsorgeuntersuchung ans CTG angeschlossen. Dabei ist diese routinemäßige CTG-Kontrolle ohne spezielle Indikation bei einer normalen Schwangerschaft laut Mutterschaftsrichtlinien gar nicht vorgesehen.

 

Das CTG – harmlose Maßnahme oder Eingriff mit Folgen?

Das CTG in der Schwangerschaft

Der Einsatz des CTGs erscheint selbstverständlich und harmlos. Es vermittelt auch ein Gefühl der Sicherheit, wenn das Baby überwacht wird um zu schauen, „ob es ihm gut geht“. Fällt das Ergebnis der Aufzeichnung aber nicht 100% aus wie erwartet, kann ein Automatismus in Gang gesetzt werden, der unnötigerweise zu mehr Angst und Unsicherheit. Wenn beispielsweise das CTG nicht richtig ableitet, das Kind während einer Schlafphase aufgezeichnet wird oder sich die Schwangere in einer ungünstigen Position wie zum Beispiel der Rückenlage befindet. Und obwohl es Kriterien zur Beurteilung des CTGs gibt, wird dieses oft falsch beurteilt. So besteht die Gefahr, dass das CTG falsch-positiv interpretiert wird.

Dies wird dann weitere Konsequenzen und  Eingriffe nach sich ziehen, die eigentlich gar nicht notwendig wären – wie zum Beispiel eine Klinikeinweisung, die Gabe von Medikamenten oder die Einleitung der Geburt.

Der routinemäßige Überwachung der Schwangeren mittels CTG ohne Indikation führt dadurch zu mehr Schäden als Nutzen (1).

 

In den Mutterschaftsrichtlinien ist nachzulesen:

Kardiotokographische Untersuchungen können in der Schwangerenvorsorge nicht routinemäßig durchgeführt werden. Sie sind nur nach Maßnahme des Indikationskataloges nach Anlage 2 der Richtlinien angezeigt.

 

Die deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) schreibt in ihrer S1-Leitlinie zur Anwendung des CTG während Schwangerschaft und Geburt:

Routinemäßig wird derzeit bei über 90% der Schwangeren ein CTG geschrieben, wobei die Anfertigung des CTG im Niedrigrisikokollektiv zu keiner Verbesserung der perinatalen Daten führt (37,61,84; EL IIa). Insbesondere liegen auch keine validierten Studien zum Einsatz im Nichtrisikokollektiv in frühen Schwangerschaftswochen (< 34) vor.

Die vier vorliegenden randomisierten Studien (11, 27, 48, 56) zeigen aber selbst in Risikokollektiven keine Verringerung der perinatalen Mortalität bzw. Morbidität (3,54,77; EL Ia).
Beim Einsatz des CTG in Hochrisikokollektiven ohne additive Zusatzdiagnostik lässt sich in einer Metaanalyse sogar eine signifikante Erhöhung der perinatalen Mortalität feststellen (EL Ia). Eine iatrogen induzierte erhöhte Rate an Frühgeburten mag die wesentlichen Ursache hierfür sein. Hierzu trägt die hohe Falschpositivrate des CTG bei gleichzeitig hoher Inter- und Intraobservervariabilität bei (9, 14, 55, 99; EL IIa).

 

CTG-Überwachung während der Geburt

In den Kliniken ist es üblich, dass zur Aufnahme in den Kreißsaal ein sogenanntes Aufnahme-CTG geschrieben wird. Anschließend folgen im Verlauf weitere CTG Kontrollen von mindestens 30 Minuten und mit fortschreitender Geburt ist meist eine Dauerüberwachung üblich. Je nach Gerät und Ableitung führt dies oft dazu, dass die Bewegungsfreiheit der Frau stark eingeschränkt ist.
(Zum Weiterlesen: So hilft Bewegung während der Geburt)

Das Aufnahme-CTG führt jedoch nicht zu verbesserten Ergebnissen des kindlichen Outcomes, dafür aber zu einer um 20% erhöhten Kaiserschnittrate. (2)

Auch während der Geburt führt der routinemäßige Einsatz der CTG-Überwachung nicht zu verbesserten Ergebnissen im Hinblick auf den Gesundheitszustand des Babys bei der Geburt. Die Hoffnung, dass das CTG das Auftreten von neurologischen Schäden bei Kindern verhindern könne, hat sich nicht erfüllt. Statt dessen gibt es einen signifikanten Anstieg an operativ beendeten Geburten (Saugglocke, Zange oder Kaiserschnitt) im Zusammenhang mit dem Routine-CTG zur Geburt  (3).
Dies ist der hohen Rate an Fehlinterpretationen bei der Auswertung des CTGs zuzuschreiben.

Sinnvoller ist stattdessen das intermittierende Abhören der Herztöne in regelmäßigen Abständen mittels klassischem Hörrohr (je nach Voraussetzungen) oder Doptone. Durch dieses mobile und kleine tongebende Ultraschallgerät kann die Herzfrequenz des Babys auch laut hörbar gemacht und angezeigt werden. Sollten dabei Auffälligkeiten beobachtet werden, würde das CTG sinnvollerweise zum Einsatz kommen.

 

Warum kommt das CTG während der Geburt trotzdem routinemäßig zum Einsatz?

Die routinemäßige CTG Überwachung ohne Indikation während der Geburt ist kein Vorteil für Mutter und Kind, sondern mehr eine juristische Absicherung (4) und dient allzu oft auch als Hebammenersatz. Das CTG zeichnet die Herztöne des Babys schwarz auf weiß auf und bietet damit ein Dokument im Falle von strafrechtlichen Konsequenzen. Im Klinikalltag betreuen Hebammen häufig 4 Geburten gleichzeitig und haben dadurch keine Zeit für die kontinuierliche Betreuung und die intermittierende Aufzeichnung der kindlichen Herztöne.
Hinzu kommt, dass der Technologie (CTG) mehr Vertrauen und Sicherheit zugeschrieben wird, als dem Abhören der Herztöne durch die Hebamme.

 

Die CTG-Überwachung im Vergleich: Deutschland und Großbritannien

Die britischen NICE Guidlines empfehlen:

  • kein CTG bei gesunden Schwangerschaften und normalen Geburten.
  • Abhören der Herztöne wenn die Frau es wünscht
  • kein Aufnahme CTG bei Ankunft im Kreißsaal
  • Abhören der Herztöne während der Geburt
  • CTG nur wenn das Abhören auffällig war/ bei Komplikationen

 

Die Empfehlung der DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe):

  • CTG Überwachung bei allen Geburten
  • 30 minütiges Aufnahme-CTG
  • intermittierende CTG-Überwachung alle 30 Minuten bis 2 Stunden in der frühen Eröffnungsphase
  • kontinuierliche CTG-Überwachung in der späten Eröffnungs- und der Geburtsphase und bei Vorliegen von Risikofaktoren

 

 

 

 

 

Christiane Schwarz: CTG – verstehen, bewerten, dokumentieren
(1): Hofmeyr et al 2008, Liston et al 2007, National Collaborating Center for Woman´s and Children´s Health 2008
(2): Devane D, Lalor JG, Daly S, McGuire W, Smith V. Cardiotocography versus intermittent
auscultation of fetal heart on admission to labour ward for assessment of fetal wellbeing.
Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 2.

(3): Alfirevic Z, Devane D, Gyte GML. Continuous cardiotocography (CTG) as a form of electronic
fetal monitoring (EFM) for fetal assessment during labour. Cochrane Database of Systematic
Reviews 2013, Issue 5.
(4): Hofmeyer et al 2008, national collaborating center for woman´s and children´s health 2008, Liston et al 2007, Alfirevic et al 2006

 

Kommentare

  1. Emily

    Bei mir wurden garkeine Wehen aufgezeichnet. Obwohl ich heftige Wehen im Unterbauch hatte. Mir wurde noch unterstellt das ich mich anstellen würde und es nur Kindsbewegungen wären. Komisch am Ende war der MM 10cm auf. Haha kann ich nur sagen. Dazu würde ich die komplette Geburt komplett alleine gelassen da ich mich ja nur anstelle. Ctg ist Mega unnötig.

  2. Julia Peter

    Hallo Olivia,
    Vielen Dank für die guten Infos! Ich würde gerne dieses Mal die routinemäßigen CTG-kontrollen ablehnen. In der ersten SS haben mich die ständigen CTG-termine, vor allem gegen Ende der Schwangerschaft, sehr gestresst. Nun habe ich allerdings einen Schwangerschaftsdiabetes – ist das schon ein Grund für öfters CTG-Kontrollen oder kann ich auch jetzt mit gutem Gewissen ablehnen?
    Viele Grüße, Julia

  3. Sarah

    Ich habe das ctg immer als sehr störend empfunden, unangenehm auf dem Bauch (v.a. unter der Geburt, wenn der Bauch immer wieder hart wird) , die Lautstärke zu hoch, kam mir eher überwacht als begleitet vor.

  4. lisa

    Ich wache jeden Morgen auf und bete zu meinem Gott, um Dr.james für seine guten Werke, die er auf der ganzen Welt macht, zu stärken. Ich habe meinen Liebhaber vor ein paar Monaten verloren, aber danke an Dr.james, dass er mir geholfen hat, ihn innerhalb von 48 Stunden zurück zu bekommen. Kontaktieren Sie Dr.james über (drjamesd3@gmail.com) oder über whatsap number unter +27737872215 danke Dr.james für die Hilfe, die Sie mir geben ..

  5. Ich

    Ich habe das ctg im Kreissaal abgelehnt und wurde damit heftigst verbal attackiert. Ich war schon in der aktiven Geburt und würde gezwungen mir ein ctg anlegen zu lassen. Ich empfand das ganze als störend und spürte nur Hass dem dummen Personal gegenüber. Gebracht hat das ganze nicht. Sie drohten mir während der Geburt mich in ein anderes KH zu verlegen. Richtig asozial das ganze. Zur Welt kam ein gesunder Junge der schon zwei Jahre alt ist.

  6. Christine

    Hat man eigentlich bei uns in Deutschland die Möglichkeit, das routinemäßige CTG abzulehnen (sowohl in der Schwangerschaft als auch während der Geburt) und auf ein Abhören der Herztöne durch die Hebamme während der Geburt zu bestehen?

    1. Olivia

      Hallo Christine, es tut mir leid dass ich erst jetzt auf deinen Kommentar antworten kann.
      Ja, du kannst das Routine CTG ablehnen.
      Bei der Geburt kann es aber, je nach Geburtsort, bei der Ablehnung zu Schwierigkeiten kommen. Weil im Krankenhaus schlichtweg keine Hebamme Zeit hat, die Herztöne regelmäßig abzuhören. Und dazu auch juristische Bedenken kommen.
      Falls du eine Hausgeburt oder Geburt im Geburtshaus planst, mit dementsprechender 1:1 Betreuung durch deine Hebamme, liegt es im Ermessen deiner Hebamme, ob sie die Herztöne ausschließlich abhört, oder ob sie zu ihrer eigenen Absicherung ein Papierdokument in Form eines CTGs in der Hand haben möchte.
      Alles Gute

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