Die Beckenendlage – Kopf hoch!

Während die meisten Kinder mit dem Köpfchen zuerst geboren werden, entscheiden sich einige für die umgekehrte Richtung, die sogenannte Beckenendlage. Das bedeutet der Po ist unten und der Kopf oben.

 

Formen der Beckenendlage

Die Haltung der Beine definiert die Art der Beckenendlage.

  • reine Steißlage: der Po führt und beide Beine sind hochgeschlagen. Diese Variante kommt mit 60-70% am häufigsten vor.
  • vollkommene Steiß-Fußlage: das Baby hockt gewissermaßen, die Füßchen sind ungefähr auf Höhe mit dem Po. Mit einem Vorkommen von 4% ist diese Variante selten.
  • vollkommene Fußlage: beide Beine sind nach unten gestreckt
  • unvollkommene Fußlage: ein Bein ist nach unten ausgestreckt, das andere nach oben geklappt oder angewinkelt
  • unvollkommene Knielage: ein Bein kniet, das andere ist nach oben geklappt
  • Knielage: das Baby kniet. Häufigkeit: 1%

 

Die Beckenendlage im Verlauf der Schwangerschaft

Wenn das Köpfchen mit zunehmender Schwangerschaftsdauer schwerer wird, folgt es meistens der Schwerkraft nach unten. Das ist die Zeit um die 30. Schwangerschaftswoche. Das Baby nimmt dann die Schädellage ein – es liegt also mit dem Köpfchen nach unten.

  • Vor der 26. SSW nehmen Babys jede mögliche Position ein und ändern diese häufig.
  • Zwischen der 26. und 29. SSW drehen sich viele Babys bereits mit dem Kopf nach unten. Manche Babys liegen in Beckenendlage.
  • Bis zur 32. SSW liegen die meisten Babys mit dem Kopf nach unten in Schädellage. Es kann weiter  abgewartet werden, wenn sich das Baby noch in Beckenendlage befindet.
  • Bis zur 34. SSW befinden sich noch ca. 10% aller Babys in Beckenendlage. Aufgrund des enger werdenden Platzangebotes wird geraten, das Baby ab dieser Zeit zu unterstützen, die Schädellage einzunehmen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.
  • Zwischen der 36. und 38. SSW wird auf Wunsch ein äußerer Wendungsversuch vorgenommen.
  • Zwischen 3 und 4% aller Babys um den Geburtstermin (also zwischen 37 und 42 SSW), befinden sich in Beckenendlage.

 

Warum verbleiben manche Kinder in Beckenendlage?

Eine Ursache, warum manche Kinder in Beckenendlage verbleiben, lässt sich nur ein einzelnen Fällen finden. Das kann zum Beispiel eine besondere Gebärmutterform oder -Fehlbildung sein. Oder die Plazenta ist so lokalisiert, dass sie dem Kind beim Drehen im Weg ist. Allgemein ist davon auszugehen, dass das Baby die Platzverhältnisse in der Gebärmutter optimal ausnutzt, um die bestmögliche Position einzunehmen. Auch Dysbalancen im Beckenbereich (insbesondere der Muskeln und Bänder) beeinflussen die Position des Babys und können ein Grund dafür sein, dass das Baby in Beckenendlage verharrt.

Manchmal können auch emotionale Hintergründe für den „Sitzstreik“ des Kindes aufgespürt werden. Vielleicht hat die Frau bestimmte oder unklare Ängste oder wünscht sich mehr Unterstützung durch den Partner.

 

Möglichkeiten, dein Baby beim Drehen aus Beckenendlage zu unterstützen

 

  • Die Knie-Ellenbogen-Lage

    Die Knie-Ellenbogen-Lage hilft deinem Baby aus dem Becken zu rutschen und sein Kinn zur Brust zu nehmen. Dadurch kann es sich anschließend leichter drehen.
    Für die Knie-Ellenbogen-Lage kniest du dich mit hüftbreit geöffneten Beinen in den Vierfüßlerstand und stützt deinen Oberkörper auf den Ellenbogen ab.
    Für eine weitere Verstärkung dieser Position kannst du dich auch auf den Rand eines Sofas oder Bettes knien (wiederum hüftbreit), deine Hände auf dem Boden vor dir abstützen und von dieser Position aus die erweitere Knie-Ellenbogen-Lage einnehmen.

    Diese Position wird dreimal täglich für ca. 15 Minuten empfohlen (Knie-Ellenbogen-Lage), bzw. dreimal täglich für einige tiefe Atemzüge (erweitere Knie-Ellenbogen-Lage).

Knie-Ellenbogen-Lage

 

erweitere Knie-Ellenbogen-Lage

 

 

  • Die indische Brücke
    Auch bei der indischen Brücke liegt das Becken erhöht, um dasselbe Ziel wie bei der Knie-Ellenbogen-Lage zu erreichen: Das Baby rutscht aus dem Becken, kann sein Kinn Richtung Brust nehmen und wird dadurch ermutigt, sich zu drehen. Zusätzlich wird das Gewicht deines schwangeren Bauches vom unteren Bereich der Gebärmutter genommen, sodass sich die Bänder leicht dehnen und dadurch mehr Entspannung und Platz für eine bessere Position entstehen kann.
    Für diese Position begebe dich in Rückenlage, stelle deine Beine angewinkelt und hüftbreit auf und hebe dein Becken nach oben an – nun kannst du dir ein festes Kissen unter dein Gesäß schieben lassen. Auch diese Haltung wird 3 mal täglich für bis zu 15 Minuten durchgeführt. Sollte es dir in dieser Position schwindelig oder unwohl werden, wird die Übung natürlich sofort abgebrochen.
indische Brücke mit Unterstützung von Kissen

 

Variante der indischen Brücke mit nach oben ausgestreckten Beinen

 

  • Moxibustion Beim Moxen werden Akupressurpunkte am kleinen Zeh durch eine glühende Zigarre – meistens aus Beifuß – erhitzt. Beste Ergebnisse zeigen sich, wenn dieses Verfahren mehrmals am Tag zwischen der 34. und 35. SSW durchgeführt wird, um ein Baby aus Beckenendlage in Schädellage zu bewegen.
  • Klang und Licht

    Durch Geräusche oder Licht kannst du versuchen, dein Baby aus der Beckenendlage nach unten „zu locken“. Durch ein Glöckchen, das am Hosenbund befestigt wird und unter dem Bauch leise klingt, soll das Interesse deines Babys geweckt werden, diesem Geräusch zu folgen. Oder du versuchst deinem Baby den Weg zu leuchten, indem du mit einer Taschenlampe langsam von oben seitlich hinunter über deinen Bauch fährst. Vielleicht findet dein Baby das Licht so spannend, dass es ihm versucht nachzukommen.

     

  • Hypnose
  • Craniosakrale Behandlung
  • Osteopathie
  • Akupunktur
  • Rebozo – Massage
  • „Gespräch“ mit dem Baby

 

  • Die äußere Wendung
     Das Kind durch Handgriffe von außen in die richtige Position zu bringen, das will die äußere Wendung erreichen. Da diese Prozedur nicht ohne Risiken ist, wird sie nur durch erfahrene Ärzte in der Klinik und unter Überwachung des Babys durch Ultraschall und CTG durchgeführt. Nachdem die genaue Lage des Babys und der Plazenta festgestellt wurden, wird der Arzt von außen mit der einen Hand den Po des Kindes nach oben schieben und mit der anderen Hand das Köpfchen nach unten führen.
    Diese Methode wird mit einer Erfolgsrate von 50% angegeben.
    Es ist möglich, dass sich das Baby nach erfolgreicher Wendung wieder zurück dreht.

 

Vaginale Geburt oder Kaiserschnitt bei Beckenendlage?

Der Anzahl an Kaiserschnitten überwiegt derzeit bei weitem die Rate an normalen Geburt, wenn sich das Baby in Beckenendlage befindet. Der Termin zum geplanten Kaiserschnitt ist oft schon für die 38. Schwangerschaftswoche festgelegt. Liegen dir Ursachen dafür in der Einstellung des Kindes oder eher an der mangelnden Erfahrung der Geburtshelfer?

Der Erfahrungsschatz, normale Geburten in ihrer Vielfalt zu begleiten und zu unterstützen, wird immer geringer. Die wenigsten Geburten verlaufen in unseren Krankenhäusern noch ohne Eingriffe. Besondere Geburten wie Zwillinge oder Beckenendlage als Spontangeburt anzustreben, erscheint erst recht unvorstellbar oder leichtsinnig.

Beckenendlage – Fehleinstellung oder Variation des Normalen?

Eine Geburt wird als normal definiert, wenn sie ohne Assistenz und ohne Eingriffe stattfinden kann. Liegt die Gebärende zur Geburt mit Beckenendlage in Rückenlage, ist so gut wie immer eine Hilfestellung durch bestimmte Handgriffe notwendig, um dem Baby bei der Geburt zu helfen.

Befindet sich die Gebärende jedoch in einer aufrechten Position, wie zum Beispiel dem Vierfüßlerstand, wird in den meisten Fällen kein Eingreifen seitens der Geburtshelfer erforderlich sein. Die aufrechte Geburtsposition begünstigt die normale Geburt.

Das bedeutet, dass die Geburt aus Beckenendlage in einer aufrechten Gebärposition eine Variation des Normalen darstellt. 

 

Wann ein Kaiserschnitt die bessere Option ist:

  • Schwangerschaftsalter: Ein Frühgeborenes (vor der 37. SSW) hat einen verhältnismäßig großen Kopf im Vergleich zum restlichen Körper, weswegen hier eher ein Kaiserschnitt vorzuziehen wäre.
    Auch wenn die Schwangerschaft weiter als 42. SSW fortgeschritten ist, sollten andere Faktoren genau berücksichtigt und ein Kaiserschnitt in Erwägung gezogen werden.
  • Kopf-zu-Rumpf-Proportion des Kindes: Wie verhält sich die Größe des Köpfchens im Verhältnis zum restlichen Körper, bzw. dem Rumpf?
  • Lage des Kindes: Die reine Steißlage und die Steißfußlage sind günstige Positionen für eine Spontangeburt. Im Falle einer Fußlage wird ein Kaiserschnitt durchgeführt. Das liegt daran, dass Unterschenkel, Oberschenkel und Oberkörper bei einer Steiß- oder Steißfußlage eine gute Vordehnung für das Köpfchen leisten. Bei einer Fußlage jedoch nicht.
  • Schätzgewicht: Bei einem Schätzgewicht über 4.000 g wird von einer Spontangeburt beim ersten Kind abgeraten.
  • Bei ausbleibendem Geburtsfortschritt.
  • Wenn sich die Geburtshelfer nicht in der Begleitung von Beckenendlagen Geburten auskennen.
  • Wenn du dich bei einer Spontangeburt mit Beckenendlage nicht sicher fühlst.

 

Ein Kaiserschnitt wegen Beckenendlage kann für dein Baby besser gestaltet werden, indem…

…der spontane Wehenbeginn vor dem Kaiserschnitt abgewartet wird.

…das Auspulsieren der Nabelschnur abgewartet wird.

…ein direktes Bonding von Mama und Baby ermöglicht wird.

 

 

Kommentare

  1. Anne

    Hallo,
    ich habe meine Tochter, erstes Kind, auch spontan aus BEL geboren. Habe mir sehr lange den Kopf über mögliche Optionen zerbrochen, aber Kaiserschnitt kam für mich absolut nicht in Frage. Bin dann in ein Krankenhaus was auf BEL-Geburten spezialisiert ist, dort machte man uns Mut und vermittelte eine große Selbstsicherheit. Zitat des Arztes: “ Ich kann ja nicht verantworten dass Ihnen der Bauch aufgeschnitten wird nur weil sie manche Kollegen nicht weiterbilden“… das machte ihn sehr sympatisch. Die Geburt verlief dann sehr schnell, vom Blasensprung der vorher von starken Wehen begleitet war bis zur Geburt keine 3 Stunden. Sie steckte mit dem Steiß fest und mehrere Mal war während der Geburt von OP die Rede. Ich bekam dann ein Wehenmittel und die beste Unterstützung durch Hebamme und Ärzte . Leider musste der Arzt eingreifen und sie etwas herausziehen, da die Herztöne schwächer wurden. Sie verkraftete aber alles sehr gut und ich würde es jederzeit wieder tun!!
    Ganz wichtig ist, dass man an ein Team gerät, was sich damit gut auskennt und Sicherheit vermittelt. Trotz der brenzligen Situation haben sie dies stets getan und mir so die Kraft gegeben, aktiv die Geburt voran zu treiben.
    Am Ende waren alle ganz stolz, vor allem ich selbst, dass ich mir und meinem Körper vertraut habe und das Wunder der natürlichen Geburt erleben durfte. Zudem erholte ich mich super schnell davon, trotz Dammschnitt.
    Meine Schwester „musste“ einen Kaiserschnitt wegen BEL machen, da bei ihr in der Nähe keine Klinik ist die BEL entbindet und leidet bis heute unter den Folgen, vor allem hat sie das Gefühl „versagt“ zu haben bzw. was verpasst zu haben, obwohl ihr Kleiner sich prächtig entwickelt hat.
    Also, nur Mut liebe Frauen 🙂
    LG, Anne

  2. Jessica

    Hallo, ich habe meine Tochte, 2. Geburt, aus BEL spontan entbunden, äußere Wendung und Kaiserschnitt kamen nicht in Frage, nur wenn es wirklich nötig gewesen wäre. Die Geburt dauerte gerade mal 4,5 Stunden und ist, mit einer super Hebamme an meiner Seite, super verlaufen. Würde mich jeder Zeit wieder so entscheiden und finde es sehr schade das oftmals gleich zum Kaiserschnitt geraden wird oder man verunsichert wird.
    Liebe Grüsse Jessica

  3. Eva

    Ich habe meine ersten beiden Kinder (18, 20) beide in BEL spontan entbunden. Beide sehr groß (55, 3800 und 56, 4020) und trotzdem rasch (4 bzw. 3 h) und ohne Komplikationen! Mein drittes Kind (3) kam mit dem Kopf voran … Gott sei Dank! Denn heutzutage ist eine Spontangeburt bei BEL kaum mehr möglich … leider!
    LG Eva

    1. Olivia

      Liebe Eva,
      super toll – zwei so rasche und unkomplizierte Geburten aus BEL ❤️

  4. Monika Babilas

    Hallo Olivia,
    Danke für diese gute Information ! Ich habe selber vor 30 Jahren meinen zweiten Sohn normal, spontan und ambulant aus BEL geboren. Heute stärke ich in HypnoBirthing-Geburtsvorbereitungskursen den werdenden Eltern den Rücken, sich nicht unnötig verunsichern zu lassen.
    LG Monika

    1. Olivia

      Liebe Monika,
      ganz große Klasse mit deiner Geburt aus BEL – und auch, dass du heute werdende Eltern stärkst für eine selbstbestimmte Geburt!
      Alles Gute und LG
      Olivia

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