Die geheimnisvolle Welt der Hormone

Emotionen stehen in einer engen Verbindung mit Hormonen. Man kann geradezu sagen Hormone produzieren Emotionen. Mit den Schwangerschaftshormonen ändert sich auch das psychische Erleben: Wir werden aufnahmefähiger, sensibler, aber auch verletzlicher. Der Hauptsitz der Hormonproduktion ist der Hypothalamus- von hier aus werden auch unsere Instinkte und Emotionen gesteuert. Von diesen tieferen Teilen des Gehirns (Primärhirn) oder auch instinktives Gehirns, wird auch die Sexualität und die Geburt geregelt.

Der analytisch denkende Teil unseres Gehirns, der Neocortex, ist der Gegenspieler zum Primärhirn. Ist die eine Seite aktiv, wird die andere gehemmt. Ist der Neocortex aktiv, wird das Primärhirn und damit der Hormonfluss gehemmt. Daher wird auch der Geburtsprozess gehemmt.

Welche Faktoren stimulieren den Neocortex?

  • starkes Licht
  • laute Stimmen und Geräusche
  • Kälte
  • Konflikte
  • rationale Sprache
  • erhöhte Aufmerksamkeit
  • Sorgen

 

Welche Faktoren stimulieren das Primärhirn?

  • Gedämpftes Licht, Dunkelheit
  • leise Töne
  • Wärme
  • Zuneigung
  • Entspannung, Loslassen
  • Vertrauen

 

Wie sich Hormone auf Körper und Verhalten auswirken

Hormone wirken auf unseren Körper und damit auch auf das Verhalten. Umgekehrt können aber auch unsere Gefühle und unser Verhalten die Produktion der entsprechenden Hormone anregen. Wir haben es hier also mit einem Feedback nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit zwischen eintretenden und austretenden Reizen zu tun.

 

Östrogene – öffnen das Herz

Östrogene stehen für Weichheit und Öffnung: Sie machen die Strukturen des Körpers weicher, erhöhen den Wasseranteil im Körper und lassen und auch psychisch weicher, also sensibler emotionaler werden. Die Östrogene öffnen die Mutter für das Kind und die Beziehung mit ihm.
Umgekehrt kann auch die emotionale Öffnung der Frau die Produktion von Östrogenen fördern. (1)

 

Progesteron – entspannt und verlangsamt

Progesteron vermindert die Spannung der glatten Muskulatur, senkt den diastolischen Blutdruck und  lässt auch die Schwangere in ihrem Rhythmus insgesamt langsamer werden. Progesteron hilft die Schwangerschaft und damit das Kind im Körper zu halten und mit ihm zu kommunizieren.
Der Progesteronspiegel kann ansteigen, wenn die Schwangere ihr Verhalten verlangsamt.

 

Endorphine – bereiten auf die erfüllende Bindung zum Kind vor

Endorphine regen das Immunsystem an, fördern das Lernen und einen veränderten Bewusstseinszustand, der das „Weiter-Werden“ ermöglicht. Sie schaffen dadurch die Voraussetzungen für den inneren Kontakt zwischen Mutter und Kind. Endorphine aktivieren in starkem Maß das Primärhirn.
Das bedeutet, dass eine Mutter, die es sich gut gehen lässt und Dinge tut, die ihr Spaß machen, die Endorphinausschüttung und damit das Wohlbefinden ihres Kindes fördert. (1)

 

Oxytocin – für mehr Liebe

Oxytocin ist allgemein bekannt als das Liebeshormon. Es zieht die glatte Muskulatur rhythmisch zusammen. Oxytocin stimuliert die Produktion von Prolaktin und Endorphinen und stärkt das Immunsystem.
Oxytocin löst den Nestbauinstinkt aus und fördert die Fürsorge und Liebe zum Kind.

 

Prolaktin – aktiviert den Schutz- und Versorgungsinstinkt

Prolaktin ist wohl als „Stillhormon“ am bekanntesten, denn es stimuliert die Milchproduktion. Ebenso hemmt es den Eisprung und reguliert die Stressreaktionen. Es regt die Instinkthaftigkeit an und beschützendes Verhalten aus.

 

 

Fazit

Durch die Gestaltung der Umwelt und die Änderung von Verhaltensweisen ist es möglich, die Hormonproduktion zu beeinflussen. Insbesondere die tiefe Entspannung und die Reduzierung von unnötigem und anhaltendem Stress in der Schwangerschaft spielt eine wichtige Rolle.
Während der Geburt soll jede Anregung des Neocortex vermieden werden, um den Hormonfluss nicht zu hemmen.
Nötig ist hingegen das Vertrauen in die normalen Vorgänge von Schwangerschaft und Geburt und mehr Hinwendung zu menschlichen Beziehungen.

 

 

(1): Verena Schmid: Schwangerschaft, Geburt und Mutterwerden – ein salutogenetisches Betreuungsmodell

 

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