Nabelschnur spätes Durchtrennen

Wie dein Baby vom späten Durchtrennen der Nabelschnur profitiert

Die Nabelschnur – ein Wunderwerk der Natur

Die Nabelschnur ist nicht nur ein wahres Wunder während der Schwangerschaft. In dieser Zeit versorgt sie über die Plazenta das heranwachsende Baby im Bauch neun Monate zuverlässig mit Nahrung und Sauerstoff.

Auch nach der Geburt kommt der Nabelschnur eine essenzielle Aufgabe zu: Kommt das Baby zur Welt, bleibt diese exklusive Verbindung zum Mutterkuchen noch eine Weile erhalten, um dem Neuankömmling noch eine extra Portion an Sauerstoff, Nährstoffen und Mineralien übers Blut zuzuführen. Das ist zu erkennen am Pulsieren der Nabelschnur. Direkt nach der Geburt befindet sich noch ungefähr ein Drittel Blut vom Baby in der Plazenta. Dieses wird in den folgenden Minuten zum Baby transportiert. Das erweitert die Lungen und macht sie bereit, Luft zu atmen. Das Baby nimmt seine Atmung also auf, während es gleichzeitig von der Versorgung durch die Nabelschnur unterstützt wird, solange es dies benötigt. Ein sanfter Start ins Leben!

Ist das Kind in seiner eigenen Atmung und im Kreislauf stabil, hat die Nabelschnur ihre Funktion erfüllt: Sie verklebt und verschließt sich von innen. Die Nabelschnur ist jetzt komplett weiß und pulsiert nicht mehr, das Baby hat sein Blut bekommen. Das dauert üblicherweise zwischen 3 bis 30 Minuten. Das Baby kann nun der Plazenta das Signal geben: „Ich bin raus, mir geht es gut, du kannst dich jetzt lösen“, erklärt Dr. Sven Hildebrand.

 

Auf diesen Bildern ist zu sehen, wie die Nabelschnur sich nach der Geburt verändert. Ist sie in Abbildung 1 noch prall und voller Blut, so sieht man sie in Abbildung 6 komplett weiß und blutleer. Nun ist ein sicherer Zeitpunkt zum Abnabeln.

 

Nabelschnur auspulsieren lassen

Foto: nurturingheartsbirthservices.com

10 Gründe für ein „spätes“ Durchtrennen der Nabelschnur

In der Medizin wird von einem späten Abnabeln bereits bei 30-120 Sekunden nach der Geburt gesprochen. Statt von einem späten Abnabeln, ist es passender, von einem normalen Abnabeln zu sprechen. Wird also gewartet, bis die Nabelschnur auspulsiert ist bevor sie abgeklemmt und durchtrennt wird, gibt es folgende Vorteile (die ja eigentlich der von Natur aus vorgesehene Normalfall sind):

  1. 30% mehr Blut und bis zu 60% mehr rote Blutzellen kommen dahin, wo sie hingehören: ins Baby.
  2. Mehr Eisen: ein erhöhter Eisenvorrat, eine um durchschnittlich 45 % höhere Ferritinkonzentration und seltener Eisenmangel. Das bezieht sich nicht nur auf die Geburt, sondern hält in den ersten 6 Lebensmonaten an.
  3. Vermindertes Risiko einer Anämie.
  4. Höheres Geburtsgewicht: Erhält ein Baby sein volles Blutvolumen, so hat es auch ein höheres Geburtsgewicht im Gegensatz zum Gewicht beim frühen Abnabeln. Das ist als gut und gesund anzusehen und insbesondere wertvoll bei Frühgeborenen oder kleinen Babys.
  5. Erhöhte Eisenvorräte können die neurologische Entwicklung des Kindes verbessern.
  6. Mehr Sauerstoff.
  7. Mehr Stammzellen.
  8. Vermindertes Risiko (insbesondere bei Frühgeborenen) einer Ventrikelblutung, einer späten Neugeboreneninfektion (late onset Sepsis) sowie einer nekrotisierenden Enterokolitis.
  9. Weniger Bluttransfusionen.
  10. Weniger Lösungsprobleme bei der Plazenta.

 

Das frühe Durchtrennen der Nabelschnur

Wird die Nabelschnur durchtrennt, noch bevor sie aufgehört hat zu pulsieren, wird das Baby vollständig von seiner zusätzlichen Sauerstoffquelle getrennt und es beginnt sein Leben mit viel weniger Blut im Kreislauf, als es normal wäre. Auf ungefähr 100 ml Blut muss das Baby dabei verzichten, nur 300 ml hat es im Körper. Das erhöht sein Risiko für Anämie, Hypothermie und andere Probleme. Mit dem Blut fehlt aber nicht nur die Flüssigkeit, sondern auch äußerst wichtige Stammzellen und Immunfaktoren.

Obwohl diese Zusammenhänge ausreichend erforscht und belegt sind, ist in der Praxis leider häufig an anderes Bild anzutreffen:

Kaum erblickt das Baby das Licht der Welt, folgt in den meisten Kliniken innerhalb der nächsten Sekunden beinahe reflexartig der Griff zu Klemme und Schere, um die Nabelschnur zu durchtrennen. Das ist unglaublich, angesichts der oben beschriebenen Vorgänge, die damit abrupt unterbrochen werden.

Erasmus Darwin schrieb bereits im Jahre 1801: „Eine weitere sehr schädliche Praxis ist das zu frühe Abbinden und Durchtrennen der Nabelschnur; diese sollte immer intakt bleiben, nicht nur bis das Kind  gleichmäßig atmet, sondern auch bis jede Pulsation der Nabelschnur aufhört. Ansonsten ist das Kind viel schwächer als es sein sollte, ein Anteil Blut verbleibt in der Plazenta, die eigentlich im Kind sein sollte.“

 

Wozu also diese Eile?

Es stellt sich also die Frage, warum die Nabelschnur mit einem solchen Eifer möglichst schnell durchtrennt wird. Es ist schließlich davon auszugehen, dass die Fachleute, in deren Hände wir uns begeben, der Gesundheit von Kind und Mutter den höchsten Stellenwert beimessen. Es müsste also einen dringlichen medizinisch notwendigen Grund geben, das Kind vom Mutterkuchen so schnell zu trennen.

  • Annahme 1: Das direkte Abnabeln verhindert verstärkte Nachblutungen.
    Falsch! Es gibt keine überzeugenden Argumente, die diese Annahme stützen: In mehreren großen Studien, unter anderem eine 2009 durchgeführte Cochrane-Studie, an der mehr als 2.200 Frauen teilgenommen haben, wurde kein signifikanter Unterschied in der Stärke der Nachblutung zwischen frühem und späterem Abnabeln gefunden.
  • Annahme 2: Wird nicht direkt abgenabelt, führt dies zu einer verstärkten Gelbsucht beim Baby.
    Falsch! Ein Neugeborenenikterus trat beim späteren Abklemmen der Nabelschnur nicht häufiger auf. Es mag auf den ersten Blick logisch erscheinen, dass mehr Blut zu mehr Bilirubin (dem Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs) führt. Dennoch konnte kein signifikanter Unterschied im Bezug einer Gelbsucht zwischen direktem und späteren Abnabeln festgestellt werden. Das mag damit zusammenhängen, dass die Leber durch den verbesserten Blutfluss das Bilirubin effektiver abbauen kann.
  •  Annahme 3: Wird nicht direkt abgenabelt, verliert das Baby Blut, weil es zurück zur Plazenta fließt.
    Falsch!
    Das Blut fließt direkt nach der Geburt nur noch in eine Richtung: von der Plazenta zum Baby. Die Nabelschnur-Arterien schließen sich zuerst, sodass nahezu jeglicher Blutfluss vom Baby zur Plazenta ausgeschlossen ist. Die Nabelschnur-Vene verschließt sich erst später und ermöglicht dem Baby so, die noch notwendige Portion Blut zu erhalten. Fakt ist, dass Babys die später abgenabelt werden ungefähr 30% mehr Blutvolumen haben, als wenn die Nabelschnur direkt durchtrennt wird.
  • Annahme 4: Falls das Baby eine Reanimation benötigt, ist es am besten es schnell abzunabeln, um es versorgen zu können.
    Falsch!
    Eines der ersten Dinge, die ein versorgungspflichtiges Baby erhält, sind Flüssigkeitsgaben. Diese kann es jedoch am besten über die Plazenta erhalten. Wird das Baby unter Plazentaniveau gehalten, bekommt es diese „Bluttransfusion“ noch schneller, und um diesen Vorgang zusätzlich zu beschleunigen, kann sogar die Nabelschnur zum Kind hin ausgestrichen werden, sodass max. 30 Sekunden von Nöten sein werden, um die vollen Vorteile zu nutzen. Besonders Frühgeborene zeigen durch dieses Vorgehen einen stabileren Kreislauf, können besser atmen und haben seltener eine der gefürchteten Hirnblutungen. Zudem brauchen sie während der ersten Lebensmonate weniger Blutersatz. Frühgeborene, so zeigen Untersuchungen, liegen weniger lang auf der Intensivabteilung und können früher nach Hause.

 

Dieser einfache Vorgang, das spätere Durchschneiden der Nabelschnur, hat also einen enormen Nutzen für Babys. Die hauptsächliche Ursache, warum die Nabelschnur trotzdem meistens viel zu früh durchtrennt wird, liegt nach Angaben dieser Umfrage zufolge an…nennen wir es… „Schwierigkeiten das Vorgehen in die Praxis umzusetzen“. Eine Routine umzustellen, ist bekanntermaßen nicht immer einfach. Es könnten auch wertvolle Minuten verloren gehen, während man auf das Auspulsieren der Nabelschnur wartet, in denen das Baby schon längst gewogen und fertig gemacht werden könnte.

 

durchtrennen der nabelschnur 2 durchtrennen der nabelschnur
Diese Nabelschnur links ist noch in voller Funktion, während die Mama mit ihrem Baby kuschelt.
Rechts dasselbe Baby, das jetzt mit seinem Vater kuschelt…während es mit der Plazenta in der Schüssel noch verbunden ist. Beachte, dass die Nabelschnur nun dünn und weiß geworden ist.
Bildquelle mit Dank von: http://www.nurturingheartsbirthservices.com/blog/?p=1958

 

 

Welche Möglichkeiten gibt es, die Nabelschnur zu durchtrennen?

  • sofort (sollte nur in unbedingt zwingenden Gründen stattfinden)
  • nach Auspulsieren und noch vor der Geburt der Plazenta (5-30 min nach der Geburt)
  • irgendwann nach Geburt der Plazenta
  • nach Eintrocknen der Nabelschnur (dauert 1-2 Tage)
  • gar nicht: warten, bis der Nabel abheilt und die Nabelschnur von allein abfällt (sogenannte Lotusgeburt, das kann bis zu 10 Tagen dauern)

 

 

 

Was kannst du tun, um deinem Baby den Start ins Leben zu erleichtern?

Generell lässt sich sagen: Die Art und Weise wie ein Kind nach der Geburt im Leben ankommt, kann durch die Art und Weise des Abnabelns oder Abwartens stark beeinflusst werden. Du kannst dich dafür einsetzen, dass dein Kind einen möglichst sanften Übergang vom Leben im Bauch in das neue Leben hat.

Das frühe Abklemmen und Durchtrennen der Nabelschnur stellt einen Eingriff in den normalen, von Natur aus vorgesehenen Ablauf der Geburt dar, der ohne adäquate Studien eingeführt wurde. Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass das frühe Abnabeln nachteilig sowohl für Frühgeborene, als auch für zeitgerecht geborene Kinder ist. (UK Royal College of Obstetricians and Gynaecologists, 2009)

Du solltest wissen, dass in den meisten Kliniken das frühe Abnabeln üblich ist. Dies ist Bestandteil der „aktiven Leitung der Nachgeburtsperiode“ zu der dir auch eine Hormonspritze gegeben wird, um die Geburt der Plazenta zu beschleunigen.

Das letzte, woran du nach der Geburt denkst, ist die Nabelschnur. Bespreche also im Voraus deine Wünsche mit dem Krankenhauspersonal und lasse sie in deine Akte aufschreiben, sodass sie für alle klar und ersichtlich sind.

 

 

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Quellen:

Bildquelle: AppleBlossomFamilies 

1) Mercer JS, Erickson-Owens DA. Rethinking placental transfusion and cord clamping issues. Journal of Perinatal & Neonatal Nursing. July/September 2012 26:3; 202–217 doi: 10.1097/JPN.0b013e31825d2d9a
2) Andersson O, Hellstrom-Westas L, Andersson D, et al. Effects of delayed compared with early umbilical cord clamping on maternal postpartum hemorrhage and cord blood gas sampling: a randomized trial. Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica. Article first published online: 17 Oct, 2012. DOI: 10.1111/j.1600-0412.2012.01530.x
3) Chaparro, CM. Timing of umbilical cord clamping: effect on iron endowment of the newborn and later iron status. Nutrition Reviews. Volume 69, Issue Supplement s1, pages S30–S36, November 2011.
4) Ceriani Cernadas JM, Carroli G, Pellegrini L, et.al. The Effect of Timing of Cord Clamping on Neonatal Venous Hematocrit Values and Clinical Outcome at Term: A Randomized, Controlled Trial. Pediatrics. Vol. 117 No. 4 April 1, 2006 pp. e779 -e786 (2,3 8,9(doi: 10.1542/peds.2005-1156). Published online March 27, 2006.
5) WHO. Department of Making Pregnancy Safer. WHO recommendations for the prevention of postpartum haemorrhage. Geneva: World Health Organization, 2007.
6) McDonald SJ, Middleton P. Effect of timing of umbilical cord clamping of term infants on maternal and neonatal outcomes. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 2. Art. No.: CD004074. DOI:10.1002/14651858.CD004074.pub2.
7) Andersson O, Hellstrom-Westas L, Andersson D, Domellof M. Effect of delayed versus early umbilical cord clamping on neonatal outcomes and iron status at 4 months: a randomised controlled trial. British Medical Journal. 2011; 343: d7157. Published online 2011 November 15. doi:  10.1136/bmj.d7157
8) Ceriani Cernadas JM, Carroli G, Pellegrini L, et.al. The effect of early and delayed umbilical cord clamping on ferritin levels in term infants at six months of life: a randomized, control trial. Arch Argent Pediatr. 2010; 108:201-208.
9) Hutton EK, Hassan ES. Late vs early clamping of the umbilical cord in full-term neonates: systematic review and meta-analysis of controlled trials. JAMA. 2007 Mar 21;297(11):1241-52.
10) McDonald SJ, Middleton P. Effect of timing of umbilical cord clamping of term infants on maternal and neonatal outcomes. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 2. Art. No.: CD004074. DOI:10.1002/14651858.CD004074.pub2.
1
1) Carter RC, Jacobson JL, Burden MJ, et al. Iron deficiency anemia and cognitive function in infancy. Pediatrics. 2010; 126:2 pp e427-e434 (doi: 10.1542/peds.2009-2097).
12) Mercer JS, Skovgaard R. Neonatal Transitional Physiology: A New Paradigm. J Perinat Neonat Nursing 2002; 15(4) 56-75
13) Yao AC, Lind J. Effect of gravity on placental transfusion. Lancet. 1969; 2:505-508.
14) Mercer JS, Vohr BR, Erickson-Owens DA, et al. Seven-month developmental outcomes of very low-birth-weight infants enrolled in a randomized controlled trial of delayed versus immediate cord clamping. J Perinatol. 2010; 30:11-16.
15) Kinmond S, Aitchison TC, Holland BM, et al. Umbilical cord clamping and preterm infants: a randomized trial. British Medical Journal. 1993; 306:172-175.
16) Rabe H, Wacker, A, Hulskamp G, et al. A randomized controlled trial of delayed cord-clamping in very low-birth-weight preterm infants.  Eur J Pediatr. 2000; 159:775-777.

Hutchon, D.J.R. “Immediate or early cord clamping vs delayed cord clamping“  Journal of Obstetrics & Gynaecology November 2012; 32: 724- 729

Mercer and Erickson-Owens

Ventilation before umbilical cord clamping improves the physological transistion at birth; Sasmira Bhatt et al.

Andersson O, Hellström-Westas L, Andersson D, Domellöf M: Effect of delayed versus early umbilical cord clamping on neonatal outcomes and iron status at 4 months: a randomized controlled trial. BMJ 2011; 343: doi: 10.1136/bmj.d7157

 

Kommentare

  1. Antonia

    Danke, für die schöne Zusammenfassung! Mir wurde von einer Klinikhebamme vor nichtmal 4 Wochen (Dez 2017) bei der Anmeldung auch gesagt, dass das Baby Blut verlieren würde, wenn es direkt auf Mamas Bauch / Brust gelegt wird ohne dass die Nabelschnur abgeklemmt ist. Das schien mir rein physikalisch einzuleuchten. Jetzt bin ich wieder verwirrt, da hier biologische Gründe (Annahme 3) genannt sind, warum das nicht der Fall sein kann …

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  4. Kristin

    Hallo Olivia,

    wie ist das mit dem Auspulsieren lassen bei Frauen mit Diabetes oder/ und wenn das Baby wahrscheinlich einen zu hohem Hämotokritwert aufweisen wird? Wie geht es dem Baby nach der Geburt, welche Risiken bestehen und wie steht es um das Baby langfristig?

    Viele Grüße, Kristin

    1. Olivia

      Hallo Kristin,
      Kinder von Müttern mit Diabetes haben ein signifikant höheres Risiko einer Polyzythämie mit den daraus resultierenden Folgen (z.B. Hyperviskositätssydrom, Hyperbilirubinämie).
      Es wird vermutet, dass das Auspulsieren lassen der Nabelschnur dieses Risiko erhöht, aber es müssten noch mehr Versuche und Studien für ein endgültiges Ergebnis durchgeführt werden:
      https://www.degruyter.com/view/j/jpem.2013.26.issue-7-8/jpem-2012-0205/jpem-2012-0205.xml

      Ich hoffe, das hilft dir etwas weiter.
      LG Olivia

  5. Pingback: Auch beim dritten Kind - Fragen an meine Hebamme

  6. Hallo liebe Olivia,

    Meine Freundin hat die Blutgruppe A, Rhesus Factor negativ, AK negativ. Ich habe Blutgruppe AB, Rhesus Factor positiv, AK negativ.

    Uns wurde nun im Geburtsvorbereitungskurs gesagt, dass wir das Kind frühzeitig abnabeln MÜSSEN, da sich unsere Blutgruppen nicht vertragen. Rhesus Factor negativ und positiv passen nicht zueinander.

    Die Hebamme sagte, wenn sich das Blut aus der Plazenta mit dem Neugeborenen vermischt, kann es zu schweren Komplikationen führen und beim Neugeborenen Gelbsucht und andere Sachen auslösen.

    Diesen Rhesus Factor negativ haben scheinbar nur 9% der Frauen. Darum muss hierbei extrem aufgepasst werden, da es bei dem Kind eine extreme Abwehrreaktion auslösen kann.

    Stimmt das bzw. was sollen wir tun?

    Grüße aus München
    Manuel

  7. Fabienne

    Liebe Olivia, danke für den tollen Artikel!

    Im Vorfeld der Geburt meines Sohnes im Dezember 2015 bin ich beim Recherchieren auf die sogenannte Lotusgeburt gestossen. Leider habe ich mich dann nicht mehr näher damit auseinandergesetzt, da mein Partner die Vorstellung davon ohnehin eher „eklig“ fand. Bei der Geburt (im Krankenhaus) haben wir dann – wie du geschrieben hast – natürlich beide überhaupt nicht mehr an die Nabelschnur gedacht. Vor kurzem bin ich dann beim Lesen wieder auf dieses Thema gestossen, welches mich nun erneut sehr beschäftigt.

    Da wir uns beide nicht mehr genau erinnern konnten, habe ich bei meiner KH-Hebamme nachgefragt, wie es bei meiner Geburt genau abgelaufen ist. Sie konnte sich nicht mehr konkret an meine Geburt erinnern, meinte aber, es sei üblich, dass nach ca. einer Minute abgenabelt würde, also bevor die Nabelschnur auspulsiert hat und noch vor Geburt der Plazenta. Ich gehe deshalb davon aus, dass dies bei der Geburt meines Sohnes ebenfalls der Fall war.

    Beim Chefarzt habe ich zudem nachgefragt, ob denn eine Lotusgeburt nicht der von der Natur vorgesehene Normalfall wäre, worauf seine Antwort lautete, dass Tiere die Nabelschnur durchbeissen würden und es bei einer Lotusgeburt sehr schnell zu Infektionen des toten Gewebes kommen könne.

    Nun stelle ich mir einige Fragen diesbezüglich:
    – Hat das zu frühe Abnabeln „nur“ negative Konsequenzen unmittelbar nach der Geburt oder kann das Kind dadurch auch später noch gesundheitliche Nachteile haben? (abgesehen von dem niedrigeren Eisengehalt im Blut, den du bereits erwähnt hast)
    – Wie haben das die Menschen früher gehandhabt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die Nabelschnur ihres Säuglings durchgebissen haben, wie manche Tiere das zu tun scheinen. War daher die sogenannte Lotusgeburt früher nicht der Normalfall?
    – Ist die Gefahr, dass es bei einer Lotusgeburt zu Infektionen kommt, wirklich so hoch?

    Es würde mich sehr freuen, wenn du dir die Zeit nehmen würdest, meine Fragen zu beantworten.

    Vielen lieben Dank 🙂

  8. Jens

    Hallo,

    als werdender Vater bin ich etwas verunsichert durch den Artikel. Was jedoch nicht am Artikel selbst liegt, sondern an den vielen ominösen Schwurbelpraktiken und Theorien, die man heutzutage vielerorts Lesen muss (Impfgegner die sich und andere gefährden, etc). Ich will hier nichts vermischen und unfair sein, weil ich den Artikel für gut geschrieben und wohl durchdacht halte. Ebenso, weil so viele Quellen angegeben worden sind.

    Gibt es neben den vielen englischen Quellenangaben noch weitere deutschsprachige Quellen?

    LG
    Jens

  9. Pingback: Die Nabelschnur auspulsieren lassen - Liebe zum Baby Blog

  10. Flo

    Kein Wunder, daß die einem Baby im Krankenhaus immer sofort Vitamin K zur Blutgerrinung rendrücken. Das wäre mit natürlicher Abnabelung nicht nötig.

  11. Ronja

    Hallo,
    ich finde es sehr interessant und bin begeistert von der Vorstellung es bei der nächsten Geburt auch zu wünschen das spät abgenabelt wird.
    Wie siht das eigentlich bei einem Kaiserschnitt aus? Gibt es da auch die Möglichkeit das es länger an der Plazenta bleibt um das Blut zu erhalten?
    Vielen Dank

    1. Olivia

      Hallo, die Möglichkeit besteht schon: Kind unter Plazentaniveau halten und Nabelschnur zum Kind hin ausstreichen, dann ist das sogar im OP-Plan keine nennenswerte zeitliche Verzögerung und das Baby bekommt das Blut, das ihm zusteht.

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  15. Jessica

    Ein schöner Artikel. Aber inwiefern ist dann der Umstand des Rhesusfaktors zu berücksichtigen? Deswegen wurde bei mir/un damals sofort getrennt, wegen unterschiedlicher Rhesusfaktoren im Blut, was sich wohl nachteilig auswirken würde. Gibt es dazu auch Meinungen, ob das noch unbedingt notwendig ist? Danke dir!

    1. Olivia

      Hallo Jessica,
      danke für deine interessante Frage.
      Wird die Nabelschnur bei einer Rh negativen Frau mit einem Rh positiven Baby abgeklemmt solange sie noch pulsiert, verbleibt kindliches Blut in der Plazenta, da es ja nicht zum Baby fließen kann. Wenn sich die Plazenta nun zusammenzieht um sich zu lösen, reißen kleine Blutgefäße und das Risiko, dass das zurückgebliebene Rh positive Blut sich dann mit dem mütterlichen Blutkreislauf vermischt, ist stark erhöht.

      Das sagt die WHO dazu:
      „Early cord clamping should be avoided in rhesus negative women as it increases the risk of feto-maternal transfusion. However, allowing free bleeding from the placental end of the cord reduces this risk“
      (References: 38. Moncrieff D et al. Placental drainage and feto-maternal transfusion. Lancet, 1986, 2:453.
      39. Ladipo OA. Management of the third stage of labour, with particular reference to reduction of feto-maternal transfusion. British Medical Journal, 1972, 1:721-723.
      40. Johansen JK et al. Feto-maternal transfusion and free bleeding from the umbilical cord. Acta Obstet Gynecol Scand, 1971, 50:193-195)

      Ich hoffe, ich konnte damit deine Frage beantworten. Es wäre also nicht notwendig gewesen.
      Liebe Grüße,
      Olivia

  16. Hannah

    Hallo!

    Ich mache mir genau um diese Thema seit Tagen Gedanken! Lieben Dank also für die toll zusammengetragenen Infos. Uns wurde in der Klinik erzählt, dass dann eine Nabelschnurblutspende nicht mehr möglich ist. Mein Mann hat es auf dem Nachhauseweg relativ platt formuliert „wir könnten ein weiteres krankes Kind evtl retten mit der Spende. Da zieht doch kein anderes Argument…“ ich würde mit ein spätes abnabeln schon wünschen, um Ruhe in die Situation nach der Geburt zu bringen. Komme mir jetzt aber total egoistisch vor! Hmmmmm schwierig!
    Liebe Grüße!

    1. Olivia

      Hallo Hannah,
      Es gibt keinen ganz einheitlichen Konsens zur Nabelschnurblutspende und späterem Durchtrennen der Nabelschnur. Manche sagen, es muss sofort durchtrennt werden und andere meinen, es würde noch reichen nach einer Minute abzunabeln, sodass noch etwas Blut verbleibt, aber das Baby trotzdem einen Anteil mitnehmen konnte.
      Es ist zu überlegen, ob Prävention nicht besser ist als Heilen und das Baby seine eigenen Stammzellen durch das Auspulsieren der Nabelschnur bekommt, die ihm eigentlich zustehen. Das ist nicht egoistisch, sondern dient der Gesundheit eures Kindes.

      Liebe Grüße,
      Olivia

      1. Nadia

        Hallo,
        In den Studien der unten genannten Quellen wird immer von 3 Minuten beim spätem Abnabeln gesprochen Gibt es vielleicht Studien, wo die Vorteile des Auspulsierens analysiert wurden?Mein Arzt behauptet er würde spät abtrennen, meint jedoch damit die 3 Minuten, die mir persönlich nicht reichen.

        Vielen Dank

        1. Olivia

          Hallo Nadia,
          ich konnte keine Studien finden, die sich mit dem späten Abnabeln speziell nach über 3 Minuten beschäftigen. Nach den ersten 3 Minuten ist die Nabelschnur in den allermeisten Fällen auspulsiert.
          Aber natürlich ist auch ein längeres Abwarten möglich und ich wünsche mir für dich, dass es dementsprechend dann auch so gehandhabt wird bei deiner Geburt!

    2. Anika

      Finde ich gar nicht schwierig. Es hat einen Grund, warum Blutspender
      a) mindestens 18 Jahre alt
      b) mindestens 50 kg schwer
      sein müssen. Zudem spendet ein Erwachsener nur 500 ml von mindestens 4 l Blut, das ist prozentual weit weniger als das, worauf das Neugeborene verzichten muss.
      Anderen helfen schön und gut, aber damit müssen doch nicht unbedingt die Schwächsten anfangen, wenn sie selbst auch noch gravierende Nachteile dafür in Kauf nehmen müssen…

      1. Carla

        … und sich noch nicht einmal bewusst dafür oder dagegen entscheiden können…

  17. Ein toller Artikel, vielen Dank! Bei meiner ersten Tochter hieß es im Vorfeld, es sei Praxis im Krankenhaus, ein paar Minuten „auspulsieren“ zu lassen – de facto war es dann aber auch keine ganze Minute! Gefragt hat natürlich keiner mehr, und wie du schriebst hatten wir Eltern anderes im Sinn als darauf zu achten, leider. Bei meiner zweiten Geburt möchte ich ins Geburtshaus (was hoffentlich klappt) da wird dann bestimmt alles anders…

    Liebe Grüße, Frida

    1. Olivia

      Liebe Frida,
      Danke für deinen Kommentar und deine Erfahrungen.
      Ja, leider gibt es manchmal sogar Differenzen zwischen dem was das Haus angibt und der tatsächlichen Praxis. Das ist natürlich enttäuschend, weil man damit dann nicht rechnet. Deswegen Wünsche lieber schriftlich festhalten lassen, dann ist es verbindlicher.
      Drücke dir die Daumen für´s Geburtshaus und eine schöne Geburt mit in Ruhe auspulsierender Nabelschnur!
      Viele Grüße, Olivia

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