Geburtsbericht: Geburt im Vierfüßlerstand

In diesem Geburtsbericht erzählt Paula von der wunderbaren Geburt ihres zweiten Sohnes im Krankenhaus. Eine kraftvolle Geburt im Vierfüßlerstand.

 

Fiete ist mein zweiter Sohn. Während der Schwangerschaft durfte ich die Betreuung einer ganz wunderbaren Hebamme erfahren. Sie hat mich geerdet, wieder und wieder und ist mir mit Ruhe und Gelassenheit begegnet. Die Geburtserfahrung mit meinem ersten Sohn war durchweg positiv, weswegen ich mir auch hinsichtlich der zweiten Geburt keine Sorgen gemacht habe.

Je näher allerdings der errechnete Termin rückte, desto stärker wuchs die Ungeduld. Wir hatten fest mit einer zeitigen Ankunft Fietes in unserer Familie gerechnet, doch er ließ sich Zeit. Sein Geburtstag fiel letztlich auf den Tag vor dem Termin, was natürlich im Grunde überhaupt noch nicht spät ist.

Doch das Warten zum Ende einer Schwangerschaft zieht und zerrt arg an Nerven und (auch körperlichen) Reserven.

 

Es ist Donnerstag Morgen, gegen sechs Uhr spüre ich die erste Wehe, die es möglicherweise ernst meinen könnte.

In den Tagen zuvor hatte ich immer mal wieder ein ähnliches Ziehen und traue deshalb der ganzen Sache noch nicht so recht. Mein Mann und mein großes Kind schlafen noch, allerdings nicht mehr lange, denn Schule und Arbeit warten auf sie.
Beim Wecken erzähle ich meinem Mann von den nun wiederkehrenden Wehen und meinem Gefühl, dass sich der Kleine auf den Weg machen möchte.
Er bringt also den Großen zur Schule und kommt dann wieder zurück nach Hause. Insgesamt ist er höchstens eine halbe Stunde weg, doch in der Zeit wir mir doch ein wenig mulmig und ich bin wirklich froh, als ich das Türschloss seine Rückkehr ankündigen höre. Unterdessen haben die Wehen nicht nachgelassen, sich aber auch noch nicht wesentlich verändert.
Wir frühstücken und ich hole die Tasche für die Klinik aus dem Schrank. Danach fallen wir aufs Sofa, schauen Serien und der Kater kuschelt sich zu mir. Er weiß genau, wie es mir geht. Er wusste es immer.

 

Dass die Abstände der Wehen sich zunehmend verkürzen, nehmen wir staunend und aufgeregt wahr, wir sind voller Vorfreude und gleichzeitig noch immer etwas ungläubig. Sollte es tatsächlich heute losgehen?

Gegen 11:30 Uhr war die Intensität der Wehen deutlich verändert, außerdem sind die Abstände inzwischen bei etwa fünf Minuten. Weil unser Weg zum Krankenhaus etwa eine halbe Stunde Fahrtzeit in Anspruch nimmt und außerdem noch die Hälfte der Strecke durch Baustellen blockiert wird, drängt es mich, loszufahren.
Nach 35 Minuten und einigen schmerzhaften Wehen im Auto sind wir da, freuen uns über den Storchenparkplatz und klingeln beim Kreißsaal. Eine Hebammenschülerin öffnet, sie führt uns direkt in einen freien Kreißsaal und es wird zunächst ein CTG geschrieben.
Alles ist in Ordnung, die Wehen sind auf der Kurve deutlich zu sehen, die Abstände allerdings liegen bei etwa acht Minuten, was mich kurz etwas ernüchtert.
Noch immer kann ich nicht so recht glauben, dass die Geburt begonnen hat. Von diesem Gedanken lenkt mich die ärztliche Untersuchung rasch ab, ein letzter Ultraschall überprüft Lage, vermeintliches Gewicht und die eventuelle Größe meines Kindes. Irrsinnigerweise ist der Arzt ein Mann, der im selben Abiturjahrgang war wie ich, doch augenscheinlich erkennt er mich nicht wieder und das ist mir ganz recht so. Er schätzt Fiete recht groß und etwas über vier Kilogramm schwer.
Anschließend schickt man uns auf die Station, wir sollen das Zimmer beziehen und dann spazieren gehen, bis wir das Gefühl haben, im Kreißsaal besser aufgehoben zu sein. Unser Spaziergang über das Klinikgelände führt uns zur Cafeteria und unter Wehen esse ich Pommes zu Mittag.

Mittlerweile muss ich die Wehen veratmen, das ist mir so halb-öffentlich ein wenig unangenehm. Nach dem Essen spazieren wir weiter, der Frühling hat noch nicht ganz begonnen, doch die Sonne scheint und das tut gut. Trotzdem wird mir recht schnell kalt und die Wehen nehmen an Intensität immer mehr zu, weshalb wir uns gegen 16:00 Uhr auf den Rückweg zum Kreißsaal machen.

Dort bitte ich um ein Bad, eine Hebammenschülerin lässt mir Wasser in die Gebärwanne ein und ich freue mich, dass ich abtauchen darf. Das warme Wasser hat eine unheimlich entspannende Wirkung auf mich.

Über der Wanne hängt ein Tuch, daran kann ich mich festhalten, wenn eine Wehe kommt. Das gibt mir große Sicherheit und sehr viel Halt in der Wanne und ich veratme Wehe um Wehe in diesem Tuch. Eine Hebamme und eine Hebammenschülerin sind nahezu nahtlos bei mir, sie wechseln sich ab und ich bin froh über die intensive Betreuung, wenn ich auch nicht wirklich in der Lage bin, mich mit ihnen zu unterhalten. Sie umsorgen und untersuchen mich umsichtig und legen mir irgendwann ein CTG an, das ohne weiteres mit in die Wanne darf.
Und sie strahlen beide eine unglaubliche und ruhige Präsenz aus, was mir ungeheuer gut tut. Schmerzmittel bieten sie mir vorsichtig an, diese lehne ich allerdings ab.

In der Wanne bleibe ich insgesamt etwa zweieinhalb Stunden, dann wird es vom einen auf den anderen Moment unangenehm und ich begebe mich auf dem breiten Bett in den Vierfüßlerstand.

Das Kopfteil bietet meinem Oberkörper guten Halt, das ist auch nötig, denn die Wehen haben an Land eine ganz andere Wucht. Abwechselnd töne ich ins Kissen und in den Bauch meines Mannes, der die ganze Zeit an meiner Seite ist.

 

Der Muttermund ist bei acht Zentimetern und mehr und mehr lasse ich meinen Körper einfach machen. Es sind Kräfte am Werk, über die ich keine Kontrolle mehr habe und ich weiß, sie bringen mir mein Baby.

Mit einem Platschen platzt nun auch meine Fruchtblase und der Druck nach unten ist schlagartig stärker und drängender zu spüren.

Als die Presswehen einsetzen, habe ich kurz Angst, doch dann folge ich meinem Gefühl. Fiete hat Haare! Nichts könnte mich in diesem Moment mehr motivieren. Ich werde sehr laut und wundere mich im selben Moment über meine ganz stark veränderte Stimme. Sie klingt rauh und sehr tief und ist wirklich unheimlich laut.

Es brennt und ich zögere kurz, doch dann drücke ich mit und der Kopf ist da!

Mit der nächsten Wehe habe ich mein zweites Kind geboren. Ich bin noch immer im Vierfüßlerstand und höre Fietes Stimme, ganz anders als meine noch vor einigen Augenblicken und das schönste Geräusch in diesem Moment. Durch meine Beine hindurch gibt mir die Hebamme meinen Sohn, es ist 20:11 Uhr.

„Hallo Baby!“, in einer kleinen Endlosschleife ist alles, was ich sagen kann. Ich bin so glücklich, so unendlich stolz.

Und ziemlich heiser. Kurz darauf kommt die Plazenta, deren Geburt ich wie eine Art Balsam empfinde. Es ist überhaupt nicht schmerzhaft, sondern sehr weich und angenehm.
Irgendwie gelingt es mir, mich mit helfenden Händen umzudrehen und ich lege den Kleinen an.

Wir stillen und können einander jetzt endlich ausgiebig und ganz in Ruhe bewundern. Ich habe keinerlei Geburtsverletzungen, Fiete ist 53 cm groß und 3840 g schwer.

Ich bedanke mich wirklich von Herzen für die ganz wunderbare Begleitung der Hebamme und der Hebammenschülerin, die mich bei Fietes Geburt unterstützt haben. Sie waren beide unheimlich bestärkend und respektvoll im Umgang mit meinem Sohn, meinem Mann und mir und mir ist nur zu bewusst, dass das leider nicht mehr der Standard für Klinikgeburten ist.
Umso glücklicher und dankbarer bin ich für eine so wunderbare Geburt mit der ganz großartigen Unterstützung dieser beiden Frauen.

 

 

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