Geburtsbericht: Geburt mit Glückshaube

Dieser Geburtsbericht kommt von Pamela: Sie hatte eine kraftvolle und intuitive Geburt im Geburtshaus. Ihr Baby-Söhnchen wurde mit einem vorliegenden Arm und einer Glückshaube geboren!

Viel Freude und Inspiration beim Lesen und Mitfiebern!

 

 

 

Die Vorwehen beginnen

Also „Stichtag“ war ja der 12.02. – nix los den Tag über. Lediglich die ersten Vorwehen haben begonnen. Okay, es tut sich also was.

Das Gleiche dann am 13.02. – Vorwehen waren da, aber gut aushaltbar. Aber hier tat sich final letztendlich nix.

14.02. – Gut drauf und fit habe ich rumgewuselt. Ich wollte mich eigentlich noch mit einer guten Bekannten treffen. Habe dies aber aus irgendeinem Bauchgefühl heraus abgesagt. Nachmittags sind mein Mann und ich dann noch spazieren gegangen (kann ja nicht schaden, woll). Die Vorwehen waren hier gut im Gange, aber auch hier: gut aushaltbar. Abstände von 10 – 20 Minuten. Nix wildes also. Mein Mann hatte dann abends gegen 18 Uhr noch lecker Essen bestellt. Kurz nach 19 Uhr waren wir dann auch fertig und ich merkte schon, dass die Wehen zunahmen.

Um 19:20 etwa stellte ich dann fest, dass die Wehen bereits im 5 Minuten-Takt kamen (ab da haben in meinen Augen die richtigen und wirksamen Geburtswehen begonnen, da stetig unter 5 Minuten). Aber auch hier war immer noch alles gut aushaltbar. Ich musste aber langsam anfangen zu veratmen. Das zog sich dann auch etwas hin und ich watschelte im Wohnzimmer auf und ab. An sitzen oder liegen war überhaupt nicht zu denken.
Ich wehte also vor mich hin und langsam aber sicher nahmen sie immer mehr an Intensität zu, so dass ich teils über dem Tisch, oder am Türrahmen hing und veratmete.
Mein Mann meinte dann, dass wir doch langsam mal die Hebamme kontaktieren sollten. Ich habe erstmal nein gesagt, weil es geht ja noch und sie soll ja auch die Nacht noch schlafen können (wat bin ich doch nett ^^). Ein paar Minuten später griff er doch zum Telefon (21:58 Uhr), weil ich nun schon teils bei 3-4 Minuten war. Er kündigte an, dass es halt in den nächsten Stunden soweit sein wird. Wir vereinbarten uns wieder zu melden, um dann eine Uhrzeit im Geburtshaus abzumachen. Gut, alles ok soweit.

Ich wehte weiter vor mich hin und langsam wurde es dann doch unangenehm und ich tönte immer lauter vor mich hin.  

Knapp eine halbe Stunde (22:25 Uhr) nach dem ersten Anruf bei der Hebamme, rief mein Mann wieder bei der Hebamme an und kündigte an, dass wir uns bald treffen sollten.

 

Wir einigten uns dann, dass wir um 23:30 Uhr im Geburtshaus erscheinen werden

(wenns nach mir gegangen wäre, hätten wir noch länger gewartet – zum Glück hat mein Mann sich da durchgesetzt, wie sich später dann herausstellen sollte ^^).

Gesagt, getan. Um 22:50 Uhr sind wir los gefahren…tja, und was war…die Wehen kamen bereits alle 2 Minunten (!) und ich saß im Auto und atmete und atmete und atmete (Ich habe das zuvor wirklich nicht realisiert, dass die Abstände schon so kurz waren). „Mist, der Kopf drückt glaub ich schon“, sagte ich dann. Mein Mann nickte stumm.

Im Geburtshaus angekommen, musste ich im Auto erstmal wieder veratmen, da unsere Hebamme noch nicht angekommen war. Als sie dann kurz darauf erschien, kam Erleichterung auf und wir gingen rein. Ich konnte kaum die Schuhe ausziehen, da bereits die nächste Wehe anrollte.
Dann sind wir ins Geburtszimmer und ich drehte dann richtig auf. Zuvor musste ich noch einmal schnell auf die Toilette. Dort angekommen, stellte ich fest, dass ich zeichnete.

 

Zurück im Zimmer erwies sich mein Mann als perfekte Stütze. Immer wenn eine Wehe kam, habe ich mich an seinen Hals gehängt und getönt was das Zeug hält.

Da klappte das veratmen noch prima. Zwischendrin hing ich auch am Seil, denn sitzen, liegen, oder andere Positionen waren nicht der Hit.
Ab und an kam mal meine Hebamme und fragte, ob sie eben die Herztöne abhören könne. Jupp…mach mal. Mit einem Dopton tat sie dies dann auch…immer dort wo ich mich gerade befand.
Dann habe ich mich in den Vierfüßlerstand an der Bettkante begeben. Die Wehen wurden dann echt unangenehm und vom tönen ging ich ins „schreien/wimmern“ über und hab alle naslang „scheiße“ geschrien (tolle Wortwahl. *schäm*) Mein Mann atmete immer fleißig mit.
Da ich schon ein leichtes Druckgefühl verspürte, fragte ich meine Hebamme inwieweit ich schon mitschieben dürfe. Daraufhin sagte sie, dass ich nach meinem Körperempfinden gerne schon etwas mitschieben darf, wenns erleichternd für mich ist (es sei gesagt, dass die Hebamme ansonsten nichts gemacht hat…sie war nur anwesend, hat Tipps gegeben, meine Fragen beantwortet und mir Mut zugesprochen, wenns nötig wurde). Auf Grund meiner Position hat die Hebamme in einer Wehenpause dann doch mal die Gunst genutzt und nach meinem Muttermund geschaut.

 

9 cm schon!!! Was?! Wahnsinn!!!

Ich wimmerte und „schrie“ was das Zeug hielt (die berühmte und verhasste Übergangsphase halt). Außerdem fand ich das Drücken/leicht Mitschieben so überhaupt nicht erleichternd!

3-4 Wehen später merkte ich, dass die Pressphase kommt. Im Vierfüßler ging das aber so gar nicht voran. Ich wimmerte und brüllte lediglich ins Kissen rein.
Also ermutigte meine Hebamme mich aufzustehen, da dies vorher auch so schön klappte. Ich mich wieder an meinen Mann gehängt. „Neeee, ist doof! Lass uns mal den Gebärhocker nehmen…wollten wir doch eh.“ Da habe ich keine 5 Sek. drauf verbracht und direkt genölt, dass das auch doof ist.
Die Hebamme schlug dann die Seitenlage vor (wohl gemerkt hatte ich schon Presswehen, aber keine Traute loszulegen, weil die Positionen unbequem waren. :)).
Ich nur: „Seitenlage??? Nein. Ich wollte doch unbedingt in aufrechter Position gebären.“ – Aber gut, wir probieren es mal. Die ersten 5 Sekunden fand ich schon wieder ziemlich bescheiden…aber das war ja der Kopf, der so drückte, wie ich dann feststellen musste…da will ja jemand raus. Mein Mann hat sich dann mir gegenüber hingelegt und mein rechtes Bein mit hochgehalten. Dann schob ich mit und brüllte nur, dass er rauskommen soll. Ich drückte aber nicht genug mit, da ich merkte, dass das noch mehr weh tat!!! (jetzt weiß ich was „in den Schmerz reinschieben“ bedeutet). Die Hebamme und mein Mann feuerten mich an:

 

„Trau dich! Los! Du machst das toll!“

Nach 2-3 weiteren Presswehen hatte ich endlich den Schneid und presste was das Zeug hielt (ich schreibe pressen, da ich ihn gefühlt nicht anderes herausbekommen hätte). Die Hebamme deckte mal alles mit Unterlagen um uns rum ein.
Grund: Meine Fruchtblase war ja noch ganz und duschen wollte sie nicht unbedingt. :)))
Dann griff sie einmal ein, denn als der Kopf langsam kam, stellte sie fest, dass Thore den Arm vorm Kopf hatte. In der Position musste sie eingreifen und seinen Ellenbogen „anlegen“ (der war durch seine Lage nämlich abgespreitzt), damit alles noch so passt. Ich drückte und rief nur „das brennt“ (Ring-of-fire), dann war der Kopf mit Arm raus und „peng“ platzte die Blase dann auch (Glückshäubchen – so stehts schön in den Unterlagen).
War das erleichternd, als der Kopf draußen war. Die Hebamme sagte noch, als ich zum Kind griff: „Du kannst gerne pausieren. Ich entgegnete dann fix, dass die Wehe aber noch anhält.

 

Ich griff nach Thore und holte ihn dann komplett aus mir heraus (Kopf mit Körper in einer Wehe).

Und da war er dann, am 15.02.2015 um 1:42 Uhr geboren und alles was ich nur sagen konnte war ein:

„Hi, hi, Babymann, hi!“

Mein Mann kämpfte derweil mit den Tränen. :)))
Es war so unglaublich…in allen Punkten. Ich habe meine absolute Traumgeburt bekommen, so „schmerzhaft“ sie auch war…ich würde es immer wieder so machen!
Blessuren: Ein Millimeter kleiner Riss an der großen Schamlippe. Dieser heilte von selbst ab.
Wir wurden dann erstmal kuschelnd allein gelassen. Keine 10 Minuten später merkte ich, dass die Nachgeburt raus will. Ich sollte mich dann in den Vierfüßlerstand begeben.

 

Dann packte ich die Nabelschnur, schob ein wenig mit und platsch…die Nachgeburt war da.

Alles war vollständig, alles war schick. Später bin ich dann duschen gegangen und gegen 5:15 Uhr sind wir dann wieder nach Hause gefahren.

Zusammenfassend: 19:20 Uhr ging es richtig los; 23:30 Uhr im Geburtshaus; 1.42 Uhr Thore ist da.

Der größte Dank galt meinem Mann, ohne den ich das gewiss nicht so gemeistert hätte. Intuitiv hat er immer genau das Richtige getan. Und zur großen Überraschung hat er absolut alles mit angesehen (er hat zu Beginn der Schwangerschaft so Angst gehabt) und meinte dann danach:

„Jo, das kann ich jetzt auch selbst!“

 

 

 

 

Kommentare

  1. Maxi

    Es ist wirklich interessant due Berichte zu lesen. Leider handelt es sich meist um Hausgeburten ider Erlebnisse im Geburtshaus. In meiner Stadt gibt es kein Geburtshaus und leider auch keine Hebammen die Hausgeburten betreuen. Da ich auf eine Klinikgeburt nehmen werden (muss), interessiert mich die ambulante Geburt.

    1. Olivia

      Liebe Maxi, ich weiß nicht, warum mir bisher nur Haus – oder Geburtshausberichte zugesandt wurden 🙂 Ich würde mich auch mal über Berichte aus dem Krankenhaus freuen! Das ist wirklich eine Schande, dass du keine Wahl für den Geburtsorts mehr hast – leider ist das die heutige Entwicklung. Ich wünsche dir aber das Beste für deine Klinikgeburt (auch da kann man schöne, selbstbestimmte Geburten haben!) und würde mich freuen, demnächst deinen Geburtsbericht hier zu lesen! 🙂

      Liebe Grüße
      Olivia

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