Geburtsbericht Hypnobirthing

Geburtsbericht: Geburt mit Hypnobirthing

Geburtsbericht: Jennifer hat sich mit Hypnobirthing auf die Geburt ihrer Tochter vorbereitet. Die Geburt erlebte sie als Kraftquelle, an die sie noch heute mit Dankbarkeit und Liebe zurückdenkt. 

 

Huch, da war doch schon wieder dieses Kribbeln im Bauch. Es fühlt sich an, wie ein Kitzeln und ich muss lächeln. Oh ja…., ich bin schwanger!

Mir wird ganz warm ums Herz und ich könnte platzen vor Freude. Und dann überkommt mich auf einmal ein ganz anderes Gefühl. Oh Nein, die Geburt…”Ok”, dachte ich, “entweder hast du Glück und es ist einfach, oder du musst da halt irgendwie durch”. Mit diesen Gedanken fand ich mich zu Beginn der Schwangerschaft ab und ich hatte ja noch Zeit bis zu meiner Geburt. Und irgendwie war da eine ganz leise Stimme in mir, die immer wieder sagte: “es macht doch so überhaupt keinen Sinn, dass das der schmerzhafteste Tag meines Lebens werden soll”. Naja egal.

Nach den ersten Wochen, in denen mein Umfeld erfuhr, dass ich schwanger bin, wurden die Horrorgeschichten von Geburten und die “Schwanger sein, ist doch nur anstrengend und blöde” Kommentare mehr und ich war sichtlich genervt davon.

Ich hatte mich gefragt: ”Kann ich mich nicht auch entspannt auf die Geburt vorbereiten und meine Schwangerschaft genießen?!”

Ich bin grundsätzlich ein positiv gestimmter Mensch und versuche immer das Gute zu sehen. Auf diese Eigenschaft konnte ich mich auch in der Schwangerschaft verlassen und ich erinnerte mich vage an das Gespräch, als mir von Hypnobirthing erzählt wurde: “Hypno….WAS?!”, sagte ich “Was ist das denn für ein Sche***!” Ja gut, so verlief meine erste Berührung mit Hypnobirthing (an dieser Stelle: Es tut mir echt leid und ich bin nun selber Kursleiterin). Nun wurde ich doch neugierig und hatte ja diese Stimme in mir. Also machte ich mich auf die Suche nach einer positiven Geburtsvorbereitung und nach Hypnobirthing. Ich habe direkt einen Kurs in der Nähe gefunden und uns angemeldet. Mein Mann war dem gegenüber sehr aufgeschlossen und wir waren von Anbeginn sehr begeistert. Ich habe mich so abgeholt gefühlt. Endlich jemand, der mir sagt und mich bestätigt, dass Geburt etwas ganz natürliches und normales ist, nicht der schlimmste Tag in meinem Leben wird und ich aus eigener Kraft mein Kind zur Welt bringen kann. Wow, mein Vertrauen in mich, meinen Körper und mein Kind wurde von Stunde zu Stunde immer mehr und meine Zweifel und Ängste immer kleiner. Mir wurde sehr bewusst, dass ich meine Geburt sehr wohl beeinflussen kann und dem nicht hilflos ausgeliefert sein werde. Was für eine Erleichterung. Mein Mann und ich wurden das “Geburtsteam”. Wir konnten uns perfekt aufeinander abstimmen und er wusste, was seine Aufgabe als Begleitung ist. Ich konnte meine Schwangerschaft dadurch auch noch mal auf eine ganz andere Art und Weise genießen. Ich habe mich so sicher gefühlt und so verbunden mit meiner kleinen Maus. Mir hat es so die Augen geöffnet.

Ich hatte immer das Gefühl, dass dieses riesige Wort GEBURT über mir schwebt und mich die ganze Zeit begleitet, mich erdrückt, mich lähmt, mich meine Schwangerschaft nicht genießen lässt. Ich hatte Angst, dieses Wort würde über mir zusammenfallen und mich erschlagen. Mir waren meine Ängste erst im Kurs so richtig klar und bewusst geworden. “Das wird schon!” Sagte ich. Innerlich sah es in mir ganz anders aus. Mich überkam manchmal eine Panik “Oh mein Gott, ich schaffe das nicht!”, die ich schnell wieder weg drückte und erst im Kurs konnte ich meine Zweifel erst einmal überhaupt erkennen und anschauen.

Dieses riesige Wort Geburt wurde immer kleiner, bis es so klein war, dass es in meine Hand gepasst hat und ich es mit Respekt und ohne Angst von allen Seiten anschauen konnte. Ich konnte dieses Wort in meinem Herzen aufnehmen und mich überkam eine riesige Vorfreude und der Glaube in meine Kraft als werdende Mama.

Diese Sicherheit, dieses Vertrauen UND diese Vorfreude wünsche ich jeder werdenden Mama von ganzem Herzen. Nimm deine Geburt selber in die Hand. Übernimm hier 100% Verantwortung für dich und deine Geburt. Du wirst es schaffen. Ich bin davon überzeugt, dass jede werdende Mama eine wunderschöne Geburt erleben kann.

 

 

Nun, wie war die Geburt? Es war der schönste Tag in meinem Leben.

Rückblickend fing die Geburt am Samstagnachmittag an. Ich habe allerdings erst am Sonntagmorgen um 6:30 verstanden, dass Mia zur Welt kommen möchte, als die Fruchtblase sich im Auto geöffnet hatte. Mia erblickte das Licht der Welt 3,5 Stunden später. Aber erstmal wieder alles auf Anfang:

Am Samstag Nachmittag löste sich das Muttersiegel und ich hatte am Abend leichtes Ziehen im unteren Rücken. Ich dachte: “OK, sie senkt sich bestimmt einfach ein wenig”. Ich weiß noch, dass ich an dem Abend früh ins Bett bin und wachte um 0:00 Uhr wieder auf und spürte wieder das leichte Ziehen im unteren Rücken. Ich schlief weiter. 2 Stunden später wurde ich wieder von dem Ziehen wach und legte mir eine wärmende Kompresse auf die Stelle. Wärme hat mir immer geholfen, mich zu entspannen. Ich habe mir dabei immer noch nichts gedacht und schlief weiter. 1 Stunde später wurde ich wieder wach und mir wurde schlecht und ich musste auf Toilette. So langsam war ich genervt, dass ich von meinem Schlaf abgehalten wurde. Mein Schlaf ist mir sehr wichtig und ich legte mich wieder ins Bett. “Hach dieses Ziehen könnte jetzt mal langsam aufhören, ich kann so nicht schlafen. Die muss sich doch langsam mal genug gesenkt haben!”, dachte ich. Um vier Uhr morgens ließ ich mir ein Bad ein, damit diese Übungswellen jetzt mal Pause machen und ich in Ruhe weiterschlafen kann. So mein Plan. Es ist auf jeden Fall von großem Vorteil, wenn ein rational denkender Mensch mit dabei ist.
Mein Mann kam ins Bad und fragte: “Was machst Du da?!” “Siehst du doch! Ich bade, das Ziehen nervt und ich kann nicht schlafen!” Sagte ich. “Es ist 4:30 Uhr?!”, erwiderte er, “Meinst du nicht, wir sollten die Hebamme mal anrufen?”, “Nein, die schläft!”, sagte ich. “Schatz, sie ist eine Hebamme”.
Nachdem das Ziehen nach einer Stunde nicht nachließ, konnte sich mein Mann durchsetzen und rief die Hebamme an. Die Hinfahrt war für mich das unangenehmste an der Geburt…Ja, ich weiß, das kann man bzw. frau kaum glauben. Ich konnte mich während der Wellen nicht bewegen und war immer noch der Meinung, dass wir wieder nach Hause fahren werden. Bis sich dann die Fruchtblase öffnete.

Mit weit geöffneten Augen sagte ich zu meinem Mann: “Ich glaube sie kommt doch heute zur Welt”. Mein Mann lachte und ich war überwältigt und dachte: “Ok, Jenny, jetzt wird es ernst. Du bist bereit, du schaffst das.”

Die Hebamme erwartete uns schon und wir machten ein CTG (das war übrigens das einzige, während der Geburt). Sie fragte mich, ob sie schauen darf, wie weit mein Muttermund geöffnet ist. “Wow, Jenny, du hast gute Vorarbeit geleistet. Du bist schon bei 9 cm.” “Ich habe doch gar nichts gemacht”, sagte ich unglaubwürdig zu ihr. Ich hatte wirklich das Gefühl, nichts gemacht zu haben. Ich habe nur geatmet. “Das soll’s schon gewesen sein? Krass.”
Ich wollte unbedingt in die Wanne. Nur da gab es ein kleines Problem…die kleine Dame in meinem Bauch schlief. “Wie bitte?! Hallo, die soll zur Welt kommen, wie kann die da schlafen?!” Ich war wirklich etwas empört. Ihr scheint der Schlaf auch sehr wichtig zu sein, wie ihrer Mama. Als Mia wach war, konnte ich in die Wanne steigen.
Ich konnte die Wellen sehr gut veratmen und sank tiefer in meine Geburt. Ich hatte die Wellen nur im unteren Rücken als intensives Ziehen wahrgenommen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich es nicht mehr beeinflussen könnte. Das hat mir das Gefühl von “Kontrolle” bzw. Sicherheit gegeben.

Ich habe alles um mich herum vergessen und es war alles so unwichtig. Es gab nur mich, mein Kind und mein Körper. Ab und an hörte ich meine Umgebung und driftete wieder ab. Ich dachte nichts. Ich war an einem anderen Ort. Dann spürte ich den Drang mit zu machen und nach unten zu atmen.

Plötzlich lief vor meinem inneren Auge ein Film ab. Angst und Panik überkamen mich. Ich dachte:

“HALT, STOPP! Ich kann noch keine Mama werden. Ich schaffe das nicht. Ich will das nicht. Wir brechen hier jetzt ab und ich gehe. Mir wird das zu viel.” Das war echt heftig, alle meine Ängste kamen noch einmal hoch und wurden mir gezeigt.

Viele Frauen kommen bei der Geburt an diesen Punkt. Manche nennen es das Niemalsland. Für mich war es der Übergang zum Mama sein. Im Hintergrund lief eine CD mit einer sehr netten Dame, die mich mit schönen Sätzen, wie “Du schaffst das! Atme dein Kind entspannt aus.” durch die Geburt begleitete. Ich hörte sie auf einmal wieder und da war wieder mein Vertrauen und meine Sicherheit. “Tschakka ich schaff das. Endspurt.” Ich ging durch diese Tür mit Ungewissheit, was mich dahinter erwarten wird und machte weiter. Mit jeder Geburtswelle atmete und schob ich mit. Ganz so, wie es mein Körper gebraucht hat. Ich hatte wirklich das Gefühl, mein Kind auszuatmen. Es ging sehr leicht und ich habe keine Schmerzen, sondern nur Druck empfunden. Als der Kopf geboren wurde, spürte ich ein leichtes Brennen und da war sie. Mein Kind, Meine Mia.

Sie kam im Wasser zur Welt und dieses Gefühl ist nicht in Worte zu schaffen. Diese Liebe, dieses Eins-sein, diese Dankbarkeit. Dieser erste Blick in ihre Augen. Bitte, noch eine Geburt!

Meine Geburt ist heute meine “Kraftquelle”, wenn ich Aufmunterung brauche, wenn es mir nicht gut geht. Wenn ich als Mama oder als Partnerin an meine Grenzen komme. Jedes Mal, wenn ich an meine Geburt denke, bekomme ich wieder das Gefühl, dass mir keiner etwas anhaben kann. Ich fühle mich so unglaublich stark und sicher. Diese Gedanken richten mich auf und erfüllen mich mit Liebe, Dankbarkeit, Vertrauen und Sicherheit. Das Leben meint es gut mit mir. Es ist für mich wirklich unglaublich, wie sehr mir heute noch meine Geburt hilft. Das hätte ich so nicht erwartet. Es ist nicht nur einfach eine Geburt meines Kindes gewesen, sondern irgendwie war es auch meine Geburt als Mama, als eigenständige Frau und die Geburt als Familie. Das ist wirklich ein großartiges Gefühl. Diese Kraft spüren zu dürfen, mein Kind zur Welt gebracht zu haben.

 

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