Geburtseinleitung Ja oder Nein: Wie du dich bei einer geplanten Einleitung der Geburt verhalten kannst

In dem letzten Artikel ging es um die Risiken einer Geburtseinleitung und warum die Entscheidung, die Geburt künstlich einzuleiten, gut überdacht werden sollte.

Wie wir erfahren haben, werden heute ca. ein Viertel aller Geburten eingeleitet und deswegen fragst du dich vielleicht, wie du dich verhalten sollst, wenn auch dir eine Einleitung der Geburt vorgeschlagen wird.

Solange es dir und deinem Baby gut geht und kein dringender Grund für eine Einleitung vorliegt, möchtest du wahrscheinlich lieber den natürlichen Geburtsbeginn abwarten. Du möchtest deinem Baby und deinem Körper die Zeit geben, die ihr braucht, um für die Geburt bereit zu sein, unnötige Eingriffe in den normalen Geburtsverlauf möglichst von Anfang an vermeiden und das Risiko für Komplikationen minimieren.

Wenn dir eine Geburtseinleitung vorgeschlagen wird, kannst du daher folgende 5 Punkte vorher abklären und versuchen umzusetzen:

 

1. Warum soll die Geburt eingeleitet werden?

Die erste und wichtigste Frage an deinen Arzt, der dir zur Einleitung der Geburt rät, ist natürlich, aus welchem Grund die Geburt eingeleitet werden soll.
Ist es zum Beispiel „nur“ die übliche Klinikroutine, bereits ab 7 Tagen über dem errechneten Termin einzuleiten, obwohl dein Baby weiterhin gut von der Plazenta versorgt wird und du gesund bist?
Stehen vielleicht gar Feiertage bevor, sodass aus Gründen des Zeit- und Personalmangels im Krankenhaus vorsorglich früher eingeleitet wird?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät aus gutem Grund:

“Die Geburt sollte nur eingeleitet werden, wenn es einen klaren medizinischen Grund dafür gibt und die zu erwartenden Vorteile die möglichen Risiken überwiegen“.

 

Lese hier die Empfehlungen der WHO zur Geburtseinleitung nach. 

 

2. Wer entscheidet über die Geburtseinleitung?

Eine Geburtseinleitung ist keine Notfallsituation. Wenn du oder dein Baby in akuter Gefahr wären, wäre keine Zeit für eine Einleitung, die sich über mehrere Tage hinziehen kann. Deswegen besteht normalerweise
1. kein Grund zur Eile, dich von einer Geburtseinleitung überrumpeln zu lassen
2. die Option, über mögliche Alternativen nachzudenken.

Eine Geburtseinleitung kann dir aus verschiedenen Gründen empfohlen werden. In bestimmten Situationen ist eine Einleitung auch sinnvoll und wichtig, das ist ganz klar.
Deine betreuende Ärztin sollte dich daher darüber aufklären, warum eine Geburtseinleitung in deinem Fall zu empfehlen wäre. Dein aktueller gesundheitlicher Zustand und der deines Babys, der geburtshilfliche Befund, die Wahl der Einleitungsmethode, sowie deine eigene Einstellung sollten in der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.
Dein Arzt sollte dich optimalerweise darin unterstützen, die beste Entscheidung für dich und dein Baby zu finden. Die Zustimmung für die Einleitung triffst letztendlich du.

Die WHO schreibt hierzu:

„Zur Umsetzung der Empfehlungen muss der tatsächliche Zustand und die Wünsche und Einstellungen jeder einzelnen Frau berücksichtigt werden, wobei der Schwerpunkt auf dem Befund des Gebärmutterhalses, der spezifischen Methode zur Geburtseinleitung und begleitenden Bedingungen wie Parität (also das wie vielte Kind zu erwartest) und einem eventuellen Blasensprung liegt.

 

3. Welche Alternativen gibt es?

Wird dir eine Einleitung empfohlen (was sich meistens nicht nach „Wir empfehlen Ihnen eine Einleitung aus Grund x und y“ anhört, sondern nach „Sie werden ab … eingeleitet“), erkundige dich nach Optionen. Wenn kein dringender medizinischer Grund besteht (wie z.B. Blasensprung ohne einsetzende Wehen bei einem reifen Kind), gibt es eigentlich fast immer eine andere Möglichkeit.
Das kann zum Beispiel sein, noch ein paar Tage den natürlichen Geburtsbeginn abzuwarten (und die Versorgung des Kindes weiter zu kontrollieren), die natürlichen Methoden zur Geburtseinleitung vor einer medikamentösen Einleitung zu beginnen, sich eine zweite Meinung von einem anderen Arzt einzuholen oder eine andere Klinik aufzusuchen, die ein abwartendes Vorgehen unterstützt.
Manche Kliniken leiten beispielsweise bei ET+7, andere bei ET+10 ein, manche warten auch weiter ab, solange es dir und deinem Baby gut geht und du eine Einleitung möglichst vermeiden möchtest.

 

4. Natürliche Methoden zur Geburtseinleitung

Wenn dir eine medikamentöse Geburtseinleitung aus gutem Grund in den nächsten Tagen bevorsteht, kannst du versuchen, vorher die Geburt mit natürlicher Unterstützung in Gang zu bringen. Diese Methoden funktionieren nur, wenn dein Körper sowieso geburtsbereit ist und die Geburt ohnehin in der nächsten Zeit beginnen würde. Ansonsten werden die Maßnahmen ohne den gewünschten Erfolg bleiben.

Zur Verfügung stehen dir zum Beispiel die Brustwarzenstimulation, der Nelkenöltampon oder der Wehencocktail (die beiden letzteren nur in Absprache und Begleitung deiner Hebamme). Auch Akupunktur oder die Fußreflexzonenmassage können zum Einsatz kommen.

Zum Weiterlesen: Übertragung und natürliche Methoden zur Geburtseinleitung

 

5. Bleibe ruhig und lass dich nicht stressen

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Wenn eine Geburtseinleitung naht, deine Nerven von den letzten Schwangerschaftswochen und -Tagen ohnehin strapaziert sind, alle Familienmitglieder und Freunde ständig nachfragen, ob es endlich soweit ist, ist es wirklich nicht leicht, die Ruhe zu bewahren und sich trotz allem nicht stressen zu lassen.

Dennoch ist der Rat, Stress zu vermeiden, unglaublich wichtig. Einerseits natürlich fühlst du dich einfach selbst besser, wenn es dir gelingt, in dir selbst zu ruhen, andererseits geht es aber auch beim Geburtsbeginn, wie so oft während der Schwangerschaft und Geburt, wieder einmal um die hormonelle Balance. Denn in Stresssituationen schüttet unser Körper u.a. Adrenaline, also Stresshormone aus. Diese Stresshormone verhindern eine ausreichende Freisetzung Oxytocin, welches für das Ingangkommen von Geburtswehen verantwortlich ist. Oxytocin reagiert empfindlich auf Stress, Angst und Sorge. Innere und äußere Sicherheit sind notwendig, dass Oxytocin frei und ungehemmt wirken kann.

Das bedeutet, wenn du unter dem Druck einer nahenden Einleitung stehst, kann das dein Stresslevel erhöhen. Die Geburt steht möglicherweise ohnehin kurz bevor, aber durch einen hohen Spiegel von Stresshormonen kann dein Körper nicht die Hormone ausschütten, die für den Geburtsbeginn notwendig wären.

 

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