Geburtstrauma beim Baby: Wenn das Baby eine schwere Geburt erlebt

Wie erlebt ein Baby seine Geburt?

Noch vor etwa 50 Jahren hätte man gesagt, dass das Kind die Geburt nicht miterlebt, da es noch keinerlei Gefühle und Empfindungen hat – oder wenn doch, würde es sich später nicht mehr daran erinnern können. Ein neugeborenes Baby wurde nur als Reflexbündel angesehen. Doch heute herrscht auf Grund neuer Forschungserkenntnisse eine gegensätzliche Meinung, denn das Bild vom Erleben und Empfinden des Babys hat sich grundlegend geändert.

Durch die Hirn- und Säuglingsforschung hat man erkannt, dass jedes Kind schon weit vor der Geburt ein voll erlebendes, empfindsames und fühlendes Menschenwesen ist.

Das Ungeborene lernt im Bauch nicht nur die Gefühlswelt der Mutter kennen und teilt mit ihr gemeinsame Erfahrungen, sondern macht bereits vor und während der Geburt seine eigenen Beobachtungen und Wahrnehmungen.

Zudem wissen wir aus der Forschung, dass die sensibelste Lebenszeit eines Menschen an seinem Lebensanfang liegt, d.h. in der Schwangerschaft, während der Geburt und in der ersten Lebenszeit. In dieser Zeit werden all unsere grundlegenden Körpergefühle, Emotionen, unser Denken und Handeln -ohne dass wir uns dessen bewusst sind –  und unsere gesamten Bindungsmuster geprägt.

 

Was ist ein Geburtstrauma?

„Trauma“ stammt eigentlich aus dem griechischen und bedeutet übersetzt „Wunde“.

Sowohl körperliche, als auch psychische und seelische Verletzungen können als Trauma bezeichnet werden. Ein Geburtstrauma ist also ein Trauma, das heißt ein körperlicher, psychischer oder seelischer Schaden (bei Mutter oder Kind), der während der Geburt entstanden ist. Weiterlesen: Geburtstrauma verarbeiten

Eine traumatische Geburt zu erleben, hängt sicherlich von dem individuellen und subjektiven Empfinden jeder einzelnen Person ab. Auch für Kinder ist dieses Empfinden subjektiv und kann nicht für jedes Kind allgemein definiert werden. Dennoch gibt es einige Situationen während der Geburt, welche mit großer Wahrscheinlichkeit als traumatisch für das Kind eingeschätzt werden.

Von einigen Ärzten und Hebammen wird das Schreien des Babys nach der Geburt häufig belächelt und sie deuten dies als Gesundheitsmerkmal und Kraftausdruck. Doch verbunden mit dem Gesichtsausdruck und dem körperlichen Zustand kann dies auch als Hilfeschrei interpretiert werden.

 

Ursachen und Auslöser, aus deinen ein Geburtstrauma entstehen kann

 

  • eine schwere Geburt, evtl. einhergehend mit Geburtskomplikationen
  • Medikamente: ein Baby kann seine Kraft und Wahrnehmungsfähigkeit sowie den Kontakt mit seiner Mutter durch den Einsatz von z.B. Wehen fördernden oder schmerzstillenden Medikamenten während der Geburt verlieren.
  • Geburt mit Zange oder Saugglocke: macht ein Baby erste Bekanntschaft mit seiner neuen Welt ausserhalb des Mutterleibes nicht mit zwei liebevollen, es unterstützenden Händen, sondern mit zwei kalten Eisen, die seinen Kopf einquetschen oder einer Saugvorrichtung, durch welche es an seinem Kopf gerissen wird, so ist es leicht vorstellbar, dass sich ein solches Kind völlig überwältigt, hilflos und ohnmächtig und in seinen Grenzen massiv verletzt fühlt.
  • Frühgeburt und damit verbunden: Trennung von der Mutter, von den Eltern
  • Kaiserschnitt: schon seit einiger Zeit gibt es den Mythos, durch einen Kaiserschnitt könnte ein Geburtstraume vermieden werden. Das Gegenteil ist der Fall. Zusätzlich wird das Gefühl des „Helden, der es geschafft hat“ dem Baby geraubt.

Die o.g. Eingriffe können den Geburtsverlauf wesentlich bestimmen und vorgeben. Die Auswahl dieser Mittel durch Ärzte und Hebammen beeinflusst die Geburt von außen und können das Ungeborene von seinem Geburtsweg abbringen. In jedem Fall wird über das Baby entschieden und es kann einen Verlust seiner Kontrolle erleben.

Manchmal sind Medikamente oder operative Eingriffe schlicht und einfach lebensrettend, sowohl für die Mutter wie für ihr Baby. Gefahrvoll ist der zu hohe Einsatz von Medikamenten, unter Umständen die Manipulierung einer Frau und schließlich die Höhe der damit verbundenen Eingriffe und Kaiserschnittraten. Diese sind auch deswegen so hoch, weil sich Hebammen und Ärzte zunehmend vor Kunstfehlerklagen fürchten müssen. In Deutschland erleben nur 8 % der gesunden Frauen eine Geburt ohne medizinische Eingriffe!

Auch lieblose Behandlung, das Absaugen, Blutentnahmen oder Untersuchungen nach Geburt können ein traumatisches Erlebnis sein. Besonders traumatisch ist vor allem auch eine sofortige Trennung des Neugeborenen von der Mutter. Diesen Kontakt zur Mutter, der seit nun mehr neun Monaten ununterbrochen bestand, direkt nach der Geburt zu unterbrechen, beängstigt und verletzt das Neugeborene.

Fühlt sich eine Frau dafür schuldig, dass sie nicht in der Lage war ihr Kind auf „normale“ Weise oder ohne medizinische Hilfe zur Welt zu bringen, kann dies ihre Gefühle und ihr Verhalten gegenüber dem Kind negativ beeinflussen. Das kann es dem Kind zusätzlich erschweren, einen guten Anfang zu erleben.

 

Symptome und Folgen von Geburtstraumata

Auf Grund der Erkenntnis, dass Babys die Geburt individuell miterleben und erfahren, und die Geburt für das Erleben eines Menschen von so großer Bedeutung ist, stellt sich die Frage: welche Nachwirkungen hat dann dieses Schlüsselerlebnis? Die Geburt ist – neben dem Tod – die größte Umwälzung und Veränderung im Leben eines Menschen.

Welches Ausdauervermögen wir besitzen und schwierige Situationen in unserem Leben meistern, wie wir Druck und Stress erleben und damit umgehen wird durch unser Geburtserleben grundlegend geprägt.

Geburtstrauma beim Neugeborenen können sich in in das Nervensystem des Kindes einprägen, welches spätere Verhaltensmuster beeinflusst und die Persönlichkeit formt.

Zwar ist das bewusste Gedächtnis der Menschen meist erst ab dem zweiten bis dritten Lebensjahr mit Beginn der Sprache entwickelt und Erinnerungen an die Kindheit erst ab diesem Zeitpunkt möglich, doch die Erinnerungen der Schwangerschaft, Geburt und ersten beiden Lebensjahre werden bereits im Unbewussten abgelegt und im Körper gespeichert.

  • Schreibaby: Für das sogenannte Schreibabysyndrom gibt es einige Theorien, welche versuchen die Ursachen zu erklären. Die pränatale Psychotherapie hat festgestellt, dass unter anderem ein Zusammenhang zwischen einem Geburtstrauma und dem heftigem Schreien eines Babys in den ersten Lebensmonaten bestehen kann. Die Babys nutzen dabei das Weinen und Schreien, um Stress, welcher beispielsweise bei einer Geburt erfahren wurde und sich in Körper und Seele eingeprägt hat, zu reduzieren und auszudrücken.
  • Ausdruck im Verhalten: die Erfahrungen von frühen Verletzungen in der Schwangerschaft, während oder in der ersten Zeit nach der Geburt, sind im Körper eines Babys gespeichert. Je nach Erfahrung wird bei entsprechender Gelegenheit das alte Erlebnismuster wieder geweckt. Je heftiger die ursprüngliche Verletzung ist, desto kleiner kann das Ereignis sein, welches das alte Frühkindliche Erleben wieder zum Vorschein bringt. sein. War das Kind z.B. während dieser Zeit mit Gefühlen wie Angst, Panik, Wut und Ohnmacht konfrontiert, wird es in bestimmten Situationen häufig schnell wieder in solche Gefühlszustände versetzt. Auch an das Gefühl es nicht alleine geschafft zu haben, kann sich das Kind in ähnlichen Situationen wiedererinnern und sich daran orientieren. Das Kind kann sich oft hilflos fühlen und ständig auf die Hilfe von Anderen angewiesen sein, da es sich nicht traut, etwas alleine zu schaffen.
  • Ängste und Empfindlichkeiten: sogenannte Kinderängste, wie zum Beispiel Dunkelangst, Angst vor dem Eingeschlossen-Sein oder Trennungsangst, können ihren Ursprung in einer traumatischen Geburtserfahrung haben. Weiterhin treten besonders Berührungsempfindlichkeiten bei Kindern mit Geburtstraumata sehr häufig auf. Zum Beispiel im Halsbereich als Folge von Nabelschnurumschlingungen die zu Atemnot und Erstickungsangst geführt hat. Oder auch durch ein stärkeres Zupacken in der Halsgegend während der Geburt.
  • Störung der Mutter-Kind Bindung: Eine Geburt kann eine enorme Stresssituation für Mutter und Kind sein. Forschungen haben ergeben, dass der Spiegel des Stresshormons Kortisol besser und schneller reguliert wird, wenn der frühe Kontakt zwischen Mutter und Kind bestehen bleibt. Unterbleibt der Kontakt, bleibt das Kortisol für längere Zeit im Körper und das Neugeborene steht quasi unter Stress. Herausgefunden hat man auch, dass Babys, welche den emotionalen Kontakt zur Mutter direkt nach der Geburt nicht erleben durften, in ihrer ersten Lebenszeit viel weniger lachten und mehr weinten. Zu den Auswirkungen einer gestörten bzw. unsicheren Mutter-Kind Bindung wird häufig auf den Zusammenhang von aggresivem, gewaltsamen Verhalten und frühen Störungen der Bindung hingewiesen.

 

Fazit:

Es kristallisiert sich heraus, dass besonders die Geburt – also der Übergang vom Leben in der Gebärmutter zum Leben ausserhalb- von großer Bedeutung ist. Diese Erfahrung prägt den Menschen, kann die psychische und emotionale Entwicklung beeinflussen und damit lebenslang wirken.  

Obwohl dieses Ereignis einen so weitreichenden Einfluss nehmen kann, ist das Wissen um dieses Trauma und dessen Folgen bisher wenig verbreitet.

Sollte die Geburt für ein Baby schwierig gewesen sein, kann das Ankommen nach der Geburt für das Baby dennoch so gestaltet werden, dass das Geburtstrauma in den Hintergrund tritt und das Baby durch positive Erfahrungen und Gefühle überwältigt wird. Besonders bedeutend ist auch, wie das Neugeborene aufgenommen wird, ob und welche Möglichkeiten dem Kind zur Verarbeitung gegeben werden und vor allem auch welche weiteren Erfahrungen das Kind in seiner frühen Kindheit macht. Wächst das Kind in einem sicheren, liebevollen und behüteten Umfeld auf, so hat es große Chancen sein Geburtstrauma schnell zu verarbeiten, ohne dass es sich langfristig auf dessen Entwicklung auswirkt.Ein Geburtstrauma allein ist sicherlich nicht der einzige Faktor, welcher die weitere psychische und emotionale Entwicklung bestimmt.

Besonders in Zeiten von sehr hohen Kaiserschnittraten und interventionsreichen Geburten sollten Mütter über mögliche Auswirkungen auf das Kind und Verarbeitungsmöglichkeiten aufgeklärt werden.

 

Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt einige Therapie und Behandlungsmöglichkeiten, falls sich das Trauma tief in das Erleben des Kindes einprägt. Möglichkeiten können sein:

  • Babytherapie
  • Familientherapie
  • Emotionelle Erste Hilfe
  • Schreibaby-Ambulanz (bei welcher die Krisenarbeit mit Eltern und Babys im Vordergrund steht)
  • Babymassage
  • Babyheilbad & Heilgespräch
  • Craniosacrale Osteopathie

Neben solchen Therapie- und Behandlungsformen ist aber wohl einer der bedeutendsten Faktoren zur Verarbeitung des Traumas eine gute Eltern-Kind-Beziehung mit Mitgefühl, Vertrauen, körperlicher Nähe und natürlich Anerkennung und Liebe.

 

 

 

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Meine Buchempfehlungen für dich

Ludwig Janus: Behandlung von Geburtstraumata bei Säuglingen und Kindern
David Chamberlain: Woran Babys sich erinnern: Über die Anfänge unseres Bewusstseins im Mutterleib

 

 

 

Quellen:

Sonja Emge: Geburtstrauma – emotionale und psychische Folgen für das Kind in der frühen Kindheit
Viresha Bloemke:  „Es war eine schwere Geburt …“. Wie traumatische Erfahrungen verarbeitet werden können
David Chamberlain: Woran Babys sich erinnern. Über die Anfänge unseres Bewusstseins im Mutterleib.
William Emerson: Das verletzliche Ungeborene 
Claudia Köhler: Prä- und perinatale Traumata bei Babys 
Franz Renggli: Erfahrung aus Schwangerschaft und Geburt als Quelle der Heilung
Hanspeter Ruch: Unsere Geschichte – unser Potential. Wie vorgeburtliche Erlebnisse und Geburt unser Leben prägen
Aletha Solter: Warum Babys weinen 

 

 

 

Kommentare

  1. Maja

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich habe mich nach langer Zeit endlich getraut mir ein paar Infos zu diesem Thema zu holen. Es war immer ein Verdacht im Raum, dass ich aufgrund meiner (eignen) schweren Geburt und den ersten Tagen danach, unter den Problemen leide die ich heute habe. Seit meiner Geburt war ich immer „auffällig“ und bekam dann ab dem 13. Lbj nicht mehr zu ignorierende, psychische Probleme. Heute bin ich 25 und bin seit 12 Jahren durchgängig in Therapie.

    Ich wusste schon sehr lang, dass die Geburt schwer gewesen war. Und zwar nicht nur für mich, sondern natürlich auch für meine Mutter. Aber es kam mir immer so „albern“ vor, die Geburt als wichtigen Auslöser meiner Probleme zu nehmen. Das ist ja so lange her, das kann nicht so wichtig gewesen sein, ich kann mich ja nicht einmal daran erinnern, das ist Erbsenzählerei, jede Geburt ist schwer, usw…

    Ich habe mich leider in fast allem was oben beschrieben ist wieder gefunden.
    Von meinen Eltern weiß ich folgendes:

    Die Geburt ging über mehrere Tage, die Wehen haben einfach nicht ausgereicht. Irgendwann wurde hin und her überlegt ob Kaiserschnitt ja oder nein. Zwischendurch hörte mein Herz auf zu schlagen. Schließlich wurde ich mit der Zange geholt. Es war aber zu viel Zeit vergangen, die Fruchtblase war leider viel früher geplatzt, sodass bereits Keime eindringen konnten. Weil in dem Krankenhaus in dem meine Mutter lag keine Intensivstation für Säuglinge war (bin mir an der Stelle nicht 100% sicher), wurde ich von meiner Mutter getrennt und in das Kinderkrankenhaus am anderen Ende der Stadt gebracht.
    Habe natürlich Medikamente bekommen über Kanülen im Kopf und Handrücken.
    Meine Mutter hatte ein so großes Hämatom durch die Zangengeburt, dass sie sich nicht rühren durfte. So war ich die ersten 10 Tage meines Lebens komplett von ihr getrennt. Das war für sie sehr schlimm, weshalb sie immer wieder davon redet.

    Soweit ich weiß, kam mein Vater so oft er konnte zu mir und fütterte mich. Er erzählt, dass die Schwestern mich zu jeder Tages und Nachtzeit geweckt hatten, um mich zu füttern. Die hatten da ihren strengen Plan, den sie einhielten. – Wird das heute noch immer so gehandhabt?

    Als wir alle dann endlich wieder vereint daheim waren, „machte ich leider Probleme“. Dh. ich war ein Schreibaby. Leider waren die „Tipps“ seitens der restlichen Familie: „Die schreit sich müde.“ – Also wurde ich schreiend allein gelassen und nicht beruhigt.
    Ich mochte es nicht von meiner Mutter gehalten zu werden, oder ins Tragetuch gewickelt zu werden. Immer wenn mich etwas einengte, war ich unzufrieden. Ich wollte nicht kuscheln – hat Mama gesagt.
    Ich fand keinen Schlaf-Wachrhythmus. – Nie. (obwohl Hebammen und Ärzte immer wieder betonten, das würde sich schon einpendeln) Auch bei langen Autofahrten schlief ich erst in den letzten 5 min ein, und war dann wieder hellwach, wenn meine Eltern mich vorsichtig ins Bett bringen wollten.
    Stillen funktionierte natürlich auch nicht (was aus heutiger Sicht ja wohl logisch ist, da ich im KH nur das Fläschchen gewohnt war).

    Es sind viele Kleinigkeiten die schief gelaufen sind. Und es kommt mir auch jetzt noch albern vor überhaupt davon zu schreiben. Aber nach dem Lesen diesen Artikels hatte ich das Bedürfnis davon zu erzählen. Ich würde mich freuen wenn mir jemand antwortet, der dazu etwas zu sagen hat.

    Kann es denn sein, dass diese Ereignisse zu Beginn meines Lebens so prägend waren, dass sich daraus immer mehr zusammen gesponnen hat?

    Liebe Grüße, und danke fürs Lesen!

    1. Olivia

      Liebe Maja,

      Das war bestimmt kein leichter Start für dich. Ob oder inwieweit sich deine heutigen Schwierigkeiten auf diese Erlebnisse zurückführen lassen, kann ich nicht sagen, aber dass es einen Zusammenhang geben kann, ist auf jeden Fall möglich.
      Es gibt Therapeuten, die sich damit gezielt befassen und das wäre eine gute Idee, sich da näher darüber zu informieren.
      Einerseits kannst du bei dir vor Ort schauen, ob es Fachpersonen in dem Bereich prä- und perinatale Psychologie gibt. Falls du da nicht fündig wirst, kannst du auch unter folgenden Adressen einen Kontakt herstellen, bzw. nach einer Empfehlung fragen:
      http://franz-renggli.ch
      http://gudrun-indlekofer.de/reise-in-die-eigene-schwangerschaft-und-geburt/
      http://www.gefuehls-und-koerperarbeit.de

      Alles Gute und Liebe

  2. klee

    Schöner Artikel.
    Es zeigt,dass immer mehr auf die kleinen eingegangen wird,nicht nur aus Mutter(Eltern)seite,sondern auch von der medizinischen Sicht her immer mehr tieferen Zugang zum Neugeborenen (ungeborenen) geschaffen wird.
    Aus eigenen Erfahrungen kann ich sagen,(bin etwas über 40,weibl.,hatte nie eine Rückführung oder ähnliches,alle erfahrungen blieben gespeichert.)
    Als kleines Neugeborenes,aber auch noch Ungeboren im Mutterleib,hast du wirklich schon alle Wahrnehmungen,denken,usw.Es findet auch eine Kommunikation mit der Mutter statt.,auf telepathischem Wege.
    Es gab Momente wo ich mich geborgen in ihrem Leib fühlte,besonders wenn sie gesungen hatte,oder musizierte.
    Oder auch einfach Ihre Hände auf den Bauch legte.
    Aber ein ungeborenes spürt Zwiespalt,Streitereien,wenn etwas nicht wohlgesinnt ist.
    Die Antennen sind recht fein eingestellt.
    Aber auch sich selbst wahrnehmen findet im Mutterleib statt.Plötzlich spürt,he da ist noch was…
    Körperteile findet und entdeckt.
    Das waren meine Erfahrungen,die leider auch eine Wende machten.
    Irgendwann spürte ich das ich störend war,nicht in den Lebensplan passte.
    Alles fand über Telepathie statt.
    Anfangs versuchte ich zu kämpfen,für mich dazustehen,auch das ich für sie,meine Mutter da sein wolle und sie beschütze…keine Last sein will.
    Irgendwann kapitulierte ich,gab auf,wusste das es besser ist.
    Es war ein Einverständnis,ein entgegen treten.
    Es wurde still,wie wenn etwas ausgeschaltet wurde.

    Bei der Geburt mag ich mich nur noch erinnern,wie es plötzlich hektisch wurde,irgendwas fand statt,konnte es nicht zuordnen.
    Plötzlich war es kalt,die angenehme Umgebung,alles war auf einen platsch weg.
    Ich stellte immer wieder Vergleiche an,wollte dieses Warme Gefühl wieder,es gab aber länger nichts Vergleichbares.
    Ich glaube,das beste Gefühl war die erste Bekanntschaft mit dem Bad.
    Es fühlte sich nicht so geborgen an,aber warm und ähnlich wie das gekannte Gefühl vom Mutterleib.

    Das schönste als Säugling war jedoch die Stille Kommunikation.
    Man konnte sich gedanklich überall,vielerorts andocken.
    Diese Fähigkeit nimmt jedoch schnell ab.
    Säugling vergisst das schnell.
    Durch irgendwelche Umstände kann es für kurz wieder reaktiviert werden.
    Mag mich erinnern wie ich in solchen Momenten versuchte dran zu klammern,festzuhalten.
    Versuchte auch zu lokalisieren im Kopf,wo es herkam,wie man es dingfest machen kann.
    Doch wie ein abnehmender Rauch war es weg.

    Aus erzählungen weiss ich das ich mit schwerer gelbsucht geboren wurde.
    Es fanden nach der geburt auch zwei blutaustausche statt.
    Beim ersten vertrug ich das blut nicht.
    Die ärzte hätten gekämpft.

    Ich denke das mit der Gelbsucht kam nicht von ungefähr.
    Irgendetwas wollte das ich es zu den lebendigen schaffe.

    Wie oben schon gesagt,das sind alles noch erinnerungen,die geblieben sind.
    Fazit: mit liebe macht ihr an euren säuglingen nichts falsch.
    Ihr könnt es nicht zu oft in den arm nehmen.
    Seid ihr traurig,und müde versteckt es nicht,die kleinen spüren es.
    Lasst es spüren das es nur vorübergehend ist und es mit dem kleinen schatz nichts zu tun hat.
    Die kleinen verstehen viel,und können auch zurückstecken.
    Aber ignoriert es nicht lasst es nicht stundenlang weinen,geht eurem mutterherz -instinkt nach.das sagt euch was zu tun ist:-)
    So,genug…in liebe klee

    1. Olivia

      Liebe Klee,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Erfahrungen – das ist sehr ergreifend.

      Alles Liebe
      Olivia

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  9. Meiner Meinung nach gehört ‚Kristellern‘ genauso dazu…. in manchen Kliniken wird diese Methode routinemäßig eingesetzt, obwohl es in anderen Ländern (in den USA, Canada, Großbritannien, Australien und Neuseeland) seltenst verwendet wird. Dies liegt daran, dass ‚Kristellern‘, oder ‚extra uterine pressure‘ genannt, mit vielen Nachteilen für Mütter und Babys verbunden ist.

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  12. Meike

    Meine Tochter hat auch ein Geburtstrauma. Sie ist 1,5 Jahre immer wieder in ihrer Geburtszeit ( 20.30 Uhr – 23.06 Uhr ) schreiend aufgewacht, ob auch alle 20 Minuten, und hat ihre Geburt immer und immer wieder durchgemacht. Durch Bodytalk habe ich erfahren, dass sie sehr große Angst unter der Geburt hatte. Ich mache mir jetzt Vorwürfe, dass ich mir noch eine PDA geben lassen habe. Mit meinem heutigen Wissen, hätte ich es nicht gemacht!
    Durch Bodytalk konnte meiner Tochter die Angst genommen werden und sie würde mit der Erde verwurzelt. Mein Mann und ich sind immer zu ihr gegangen und haben Sie getröstet, wir haben sie nie schreien lassen. Es kam ebenfalls raus, dass auch ich große Angst unter meiner Geburt hatte und nicht richtig auf der Erde angekommen bin.

    1. Olivia

      Hallo Meike,

      vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht! Das war bestimmt eine sehr anstrengende Zeit für euch! Aber das wichtigste ist doch, dass du/ihr das Geburtstrauma erkannt habt und euch damit auseinandergesetzt habt, bzw. einen Weg gefunden habt, dieses zu bearbeiten. Ich denke, du musst dir keine Vorwürfe machen, denn du hast das Beste getan, was du zum Zeitpunkt der Geburt tun konntest – ob mit oder ohne PDA, du hast deine Tochter geboren! Ihr seid immer für eure Tochter da gewesen, wenn Sie euch gebraucht hat! Das ist wunderbar!
      Bodytalk kenne ich in diesem Zusammenhang bisher noch nicht, vielleicht könntest du dazu noch kurz erläutern, wie ich mir das vorstellen kann? Das würde mich sehr interessieren.

      Liebe Grüße
      Olivia

  13. Liebe Olivia, danke für diesen tollen Artikel und aufgreifen eines Themas, das so wichtig ist…worüber aber immer noch zu wenig gesprochen wird! Ich liebe Deine Blog-Einträge 🙂

  14. manu

    Meine mutter verstarb überraschend, als ich im 8.ss monat war.
    Und mein sohn kam nach 18 stunden wehen durch notkaiserschnitt zur welt. Also alles andre als gute voraussetzungen. Nun kann ich nur hoffen, dass unsere liebe, geborgenheit und sicherheit reichen für eine bewältigung… dieser artikel beunruhigt mich

    1. Olivia

      Liebe Manu,
      Es ist keinesfalls so, dass jede Unebenheit oder auch jede größere Komplikation im Schwangerschafts- oder Geburtsverlauf zu einem Trauma führt. Das wäre evolutionsbiologisch eine große Katastrophe, und wir würden alle ein mehr oder weniger großes Trauma haben, denn Schwierigkeiten gehören zum Leben nun einmal dazu und lassen sich auch nicht für die Zeit der Schwangerschaft und Geburt ausklammern. Dazu haben wir (Erwachsene sowie auch Babys) zum Glück von Natur aus eine Reihe an Bewältigungsmechanismen mitbekommen.
      Der Artikel will deutlich machen, dass es ein Geburtstrauma geben KANN und dass dieses auch bewältigt werden kann (wenn nötig mit Hilfe und Unterstützung) und insbesondere für einen achtsamen Umgang mit Interventionen plädieren. Ein Notkaiserschnitt ist schlicht lebensrettend und wir sind alle froh, dass es diese Möglichkeiten gibt. Selbst in dieser Situation ist keinesfalls ein Geburtstrauma vorbestimmt.
      Und keine Sorge ob eure Liebe „ausreicht“, Eltern müssen und können nicht perfekt sein, sondern nur gut genug und damit seid ihr die Besten Eltern für euer Kind!
      Solltest du (unabhängig von diesem Artikel) selbst das dringende Gefühl haben, dass euch euer evtl. schwierigerer Start belastet (FALLS du es überhaupt so erlebt hast, es geht um das subjektive Empfinden) kannst du dir/euch natürlich Unterstützung zur Verarbeitung einholen.
      Ich hoffe, deine Beunruhigung damit aufgelöst zu haben und wünsche euch alles Gute!
      Olivia

  15. Toller Artikel. Ich wünschte wirklich JEDE Hebamme und jeder Arzt auf Entbindungsstationen würden diese Dinge berücksichtigen. Dann käme es weitaus weniger zu verletzenden, dramatischen Szenen und Schäden.

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