Die Geburt mit Glückshaube

Geburt mit Glückshaube

 

Wenn bei der Geburt der Kopf des Kindes mit Eihaut bedeckt ist, spricht man von einer Glückshaube. Das kommt sehr selten vor – ca. eines von 80.000 Babys wird mit einer Glückshaube geboren. Hierbei sind sowohl Glückshauben, als auch Geburten in intakter Fruchtblase eingeschlossen. (1)
Der lateinische Begriff Caput galeatum bedeutet wörtlich übersetzt „Kopf-Haube“.

 

Glückshaube und intakte Fruchtblase

In seltenen Fällen zerreißen die Eihäute bei der Geburt überhaupt nicht. Dann wird das Baby in einer intakten Fruchtblase geboren.
Eine Glückshaube wird oft mit einer intakten Fruchtblase gleichgesetzt. Es handelt sich aber eigentlich um zwei unterschiedliche Sachen:

Eine „en-caul birth“ ist die Geburt in intakter Fruchtblase, das Baby befindet sich also in der noch komplett geschlossenen Fruchtblase mit Fruchtwasser darin (siehe Bild unten).
Eine „birth caul oder caul birth“ ist die Glückshaube, bzw. die Geburt mit Glückshaube – die Eihaut liegt dabei über dem Kopf/ dem Gesicht wie eine zweite Haut und reicht teilweise auch noch bis zum Brustbereich.

Hier kommt es oft zu Missverständnissen, wegen der gleichen Wörter. Auch werden die Begriffe Glückshaube und Geburt in intakter Fruchtblase nicht klar genug voneinander getrennt.
Das Buch „Hebammenkunde (Geist, Harder u Stiefel, 4. akutal. Auflage, 2007), führt zur Glückshaube auf:
„Bei manchen Geburten zerreißen die Eihäute überhaupt nicht. Entweder sind sie sehr derb oder es befindet sich ganz wenig bis kein Fruchtwasser in der Vorblase, so dass die Eihäute eng am kindlichen Kopf anliegen.“
Im ersten Satz geht es also um die Geburt in intakter Fruchtblase. Im zweiten jedoch vielleicht wieder um die Glückshaube. Das ist etwas irritierend. Die Begriffe sollten meiner Meinung nach deutlicher unterschieden werden.

Aber zurück zu Geburten in intakter Fruchtblase: Diese sind eher wahrscheinlich, wenn es sich um eine Frühgeburt handelt.
Aber auch bei einer Wassergeburt ist in Kombination mit einer aufrechten Gebärposition eine intakte Fruchtblase häufiger möglich, da das Wasser den Pressdrang minimiert und zu einer besseren Dehnbarkeit des knöchernen Beckens beiträgt. Der Vorteil der Geburt in intakter Fruchtblase (auch wenn die Fruchtblase „nur“ lange erhalten bleibt) ist, dass das Kind vor einem hohen Stresshormonlevel geschützt wird. (2)

Sowohl die Glückshaube als auch die Geburt in intakter Fruchtblase sind, wie oben erläutert, von Natur aus schon sehr rar. Hinzu kommt, dass die wenigsten Geburten heute komplett ohne äußere Eingriffe verlaufen, und wenn die Fruchtblase nicht von selbst im Geburtsverlauf springt, diese manuell geöffnet wird (Amniotomie).
Ist der Blasensprung aber nicht unten (Richtung Muttermund), sondern seitlich (hoher Blasensprung) und die Vorblase bleibt dadurch erhalten, so ist die Wahrscheinlichkeit gewiss höher, dass das Kind mit einer Glückshaube geboren wird.

 

Arten von Glückshauben und wie diese aussehen können

– Die am häufigsten vorkommende Glückshaube ist ein Stück dünne, transparente und gefäßlose Haut vom Amnion (die innenliegende Eihaut), die abreißt und während der Geburt eng ans Köpfchen angedrückt wird. Diese Haube liegt typischerweise über Kopf und Gesicht, kann aber auch bis zum Oberkörper wie eine Art Hemd reichen.

– Eine seltenere Art von Glückshaube haftet eng wie eine zweite Haut an Kopf und Gesicht und ist so hinter den Ohren verschlungen, dass diese wie eine Art Befestigungspunkt wirken, was die Entfernung der Haube schwieriger gestaltet. (Die Eihaut soll hier fester als Amnion sein und wird als „unbekannt“ bezeichnet, ich gehe mal davon aus, dass es sich um Amnion und Chorion handelt, was meint ihr?)

– In extrem seltenen Fällen bedeckt eine dicke Eihaut (wahrscheinlich wieder Amnion und Chorion?) den ganzen Körper des Kindes, wie eine Art Kokon. Nicht zu verwechseln mit einer intakten Fruchtblase.
Lese hier die verschieden Arten nach.  Wenn jemand unter euch ist, der etwas Aufklärungsarbeit über die verschiedenen Arten von Glückshauben leisten kann, würde ich mich total freuen! Bitte melden 🙂

 

Die Entfernung der Glückshaube

Wird das Kind mit einer Glückshaube (birth caul) geboren, so muss diese zum Freimachen der Atemwege rasch vom Gesicht entfernt werden. Besteht die Glückshaube nur aus Amnion, lässt sich diese einfach abziehen. Das Entfernen der dickeren Eihaut (Amnion mit Chorion?) gestaltet sich schwieriger. Dazu werden 2 kleine Löcher für die Nase und/oder eines für den Mund gemacht und die Eihaut vorsichtig, um keine Verletzungen zu verursachen, vom Gesicht abgezogen.

 

Die Glückshaube als Glücksbringer

Kinder, die mit Glückshaube geboren wurden, galten durch viele Zeiten und Kulturen schon immer als etwas Außergewöhnliches, als Glückskinder oder Unbesiegbare. Ihnen wurden besondere Gaben und Fähigkeiten zugeschrieben. Das ist natürlich auch darauf zurückzuführen, dass diese Geburten sehr selten sind. Im dänischen sagt man zu Kindern mit Glückshaube übrigens „die im Siegerhemd geborenen“.

Um die Glückshaube als Glücksbringer zu erhalten, wurde sie nach der Geburt auf einem Papier ausgebreitet und getrocknet und anschließend an einem sicheren und trockenen Platz von der Mutter aufbewahrt. Oder das Kind trug sie in irgendeiner Form als Amulett.

Hebammen versuchten früher auch Müttern die Glückshaube abzukaufen, um sie weiterverkaufen: an Anwälte, die daran glaubten, dass sie durch die Glückshaube ihren Fall gewinnen würden.
Glückshauben wurden zu hohen Summen auch an Seeleute verkauft, die dadurch Schutz vor dem Ertrinken haben sollten. Charles Dickens bezeugt in „David Copperfiled“ den Glauben, dass der Besitzer einer Glückshaube nicht ertrinken könne, weshalb sie gerade unter Seeleuten begehrt war.

 

Deine Erfahrungen?

Kennst du jemanden, der mit einer Glückshaube oder in einer intakten Fruchtblase geboren wurde?
Bist du vielleicht selbst so ein „Glückskind“ oder hast eines zur Welt gebracht?
Ich freue mich von deinen Erfahrungen und Geschichten zu lesen – schreibe gerne einen Kommentar!

 

 

Glückshaube Glückshaube

Geburt mit Glückshaube
Foto: dfsbirthphotographer, Whitni Parkter Photography

 

 

Geburt in intakter Fruchtblase

Geburt in intakter Fruchtblase
Foto: Leilani Rogers Birthphotography

 

 

 

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(1): Caul, or Face Veil, Occasionally Present at Birth. Archived from the original at Medical College of Wisconsin on 21 April 2008. Retrieved 22 August 2015
(2): Cornelia Enning: Erlebnis Wassergeburt
Thomas Forbes: The social history of the caul
caulbearer.org

 

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