Nabelschnurblut

Nabelschnurblut: spenden, einlagern oder für dein Baby nutzen?

Nabelschnurblut ist wertvoll und begehrt – und das zurecht: es enthält reichlich wertvolle Stammzellen. Viele Eltern machen sich deswegen Gedanken darüber, Nabelschnurblut nach der Geburt ihres Kindes zu spenden oder einlagern zu lassen. Doch bei dieser Überlegung darf der wichtigste Punkt nicht vergessen werden: Das wertvolle Nabelschnurblut mit all seinen Stammzellen dem eigenen Kind direkt zukommen zu lassen – durch das Auspulsieren lassen der Nabelschnur – für einen guten Start ins Leben.

 

Kommerzielle Nabelschnurblutbanken werben im Sinne einer „Gesundheitsvorsorge“ um die Einlagerung von Nabelschnurblut. Die Versprechungen erwecken den Eindruck, dass eine Therapie mit dem eigenen Nabelschnurblut mit hoher Gewissheit dazu geeignet ist, spätere Krankheiten im Leben des Kindes zu heilen oder zu lindern. Das ist irreführend. „Es mag durchaus sein, dass bei der Behandlung mit Stammzellen aus Nabelschnurblut im einen oder anderen Fall therapeutische Erfolge erzielt wurden, keinesfalls aber lässt sich daraus auch nur ansatzweise fundiert auf einen gesicherten therapeutischen Nutzen schließen.” – urteilt das Oberlandesgericht Dresden gegen die private Nabelschnurblutbank Vita34, denen die kostenpflichtige Einlagerung von Nabelschnurblut jährlich viele Millionen einbringt.

Die Auswirkungen des sofortigen Abnabelns auf das Neugeborene, um das Blut der Nabelschnur entnehmen zu können, werden verschwiegen und Nabelschnurblut ignorant als „Abfall“ des Kindes bezeichnet. Das ist sicher nicht im Sinne einer umfassenden Gesundheitsvorsorge.

Neben der Einlagerung von Nabelschnurblut bei einer privaten Nabelschnurblutbank, gibt es auch die Möglichkeit, Nabelschnurblut einer öffentlichen Nabelschnurblutbank zu spenden – zu Forschungszwecken und für den Einsatz für kranke Menschen.

 

Was sind Stammzellen?

„Eine Stammzelle ist eine Art Ursprungszelle, die sich unbegrenzt vermehren und alle Zelltypen des Körpers bilden kann (zum Beispiel Muskelzelle, Nervenzelle, Blutzelle). Stammzellen finden sich in Embryonen, Föten und wurden bislang auch in 20 Organen des menschlichen Körpers nachgewiesen (zum Beispiel im Knochenmark).“  Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG

Man unterscheidet embryonale, fetale und adulte Stammzellen.

  • Embryonale Stammzellen (von diesen verspricht man sich den höchsten therapeutischen Nutzen) werden gewonnen aus:
    – Embryonen nach einer künstlichen Befruchtung, die aber nicht mehr für eine Schwangerschaft benötigt werden („überzählige Embryonen“) —> in Deutschland verboten.
    – abgetriebenen Föten —> unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.
    – „therapeutischem Klonen“ —> in Deutschland verboten.
  • Adulte Stammzellen sind lebenslang in Knochenmark, Blut, Gehirn und anderen Organen des Körpers vorhanden. Auch Stammzellen aus dem Nabelschnurblut zählen zu den adulten Stammzellen.

Sie haben die Aufgabe, die unterschiedlichsten Arten von Ersatzzellen zu bilden, das bedeutet sie dienen den körpereigenen Reparaturzwecken und können sich selbst vermehren.

Stammzellen aus Nabelschnurblut haben einige Vorteile gegenüber den „mitgealterten“ Stammzellen aus dem Knochenmark: Sie sind teilungsfreudiger, meist infektionsfrei und in der Regel frei von Krebszellen. Von fremden Empfängern werden sie durch eine geringere Abstoßungsreaktion besser vertragen und bei der Eigennutzung gibt es keine Abstoßungsreaktion. Auch Geschwister können von Stammzellen mit verwandten Eigenschaften durch ein geringeres Abstoßungsrisiko profitieren.

 

Wie funktioniert die Nabelschnurblutspende?

Grundlage für die Gewinnung, Lagerung und Übertragung von Stammzellen aus Nabelschnurblut sind die „Richtlinien zur Transplantation von Stammzellen aus Nabelschnurblut (CB=Cord Blood)“, von der Bundeskammer des Deutschen Ärztetages.
Die Eltern schließen mit einem kommerziellen oder öffentlichen Anbieter während der Schwangerschaft einen verbindlichen Vertrag und erhalten daraufhin ein Entnahmepaket für das Nabelschnurblut, welches sie zur Geburt mit in die Klinik bringen.
Nach der Geburt wird das Kind sofort abgenabelt, um die erforderliche Menge an Blut aus der Nabelschnur zu entnehmen.

Das Nabelschnurblut wird eingesandt und eingelagert um bei Bedarf zur Verfügung zu stehen. Die Lagerfähigkeit ist durch eine Kryokonservierung bei -190°C zeitlich praktisch unbegrenzt. Qualitätseinbußen entstehen eher durch das Einfrieren und Auftauen.

 

Was ist Nabelschnurblut?

Nabelschnurblut ist Blut vom Baby, das sich unmittelbar nach der Geburt noch in der Nabelschnur und der Plazenta befindet. Zum Zeitpunkt der Geburt befinden sich außergewöhnlich viele Stammzellen im kindlichen Blut und dadurch auch im Nabelschnurblut.
Wichtig ist zu wissen, dass Nabelschnurblut kein Blut ist, das in die Nabelschnur gehört, wie es der Name vermuten lassen würde. Es wird argumentiert, dass das Nabelschnurblut oder Plazentarestblut nach der Geburt ein „Abfall“ vom Kind ist, der nicht mehr benötigt wird. Das ist ein großer Irrtum mit weitreichenden Folgen!

Das Blut wird nur durch die Nabelschnur transportiert, um dahin zu gelangen, wo es eigentlich hingehört: zum Baby. Da wo es gebraucht wird.

Nach der Geburt pulsiert die Nabelschnur noch mehrere Minuten weiter, bis das Blut von der Plazenta beim Baby angekommen ist. Nabelschnurblut ist kein Abfall! Es ist das Blut deines Babys.

 

Was bedeutet eine Entnahme von Nabelschnurblut für das eigene Baby?

Alle Eltern entscheiden selbst, ob sie Nabelschnurblut einlagern oder spenden wollen. Das Problem ist, dass ihnen oft wichtige Informationen fehlen, um diese Entscheidung wirklich treffen zu können.

Die Vorteile, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen, anstatt sie früh zu durchtrennen, sind hinreichend bekannt und belegt. Eltern, die Nabelschnurblut spenden oder einlagern lassen wollen, müssen sich darüber im Klaren sein, dass dies ein frühes Durchtrennen der Nabelschnur bedeutet. An einer auspulsierten Nabelschnur lässt sich kein Nabelschnurblut gewinnen. Denn das Blut ist dann an seinem Bestimmungsort angekommen: beim Baby.

Um eine ausreichende Stammzellenmenge zu gewinnen, muss sofort abgenabelt werden. Das heißt, das Auspulsieren der Nabelschnur kann in diesem Fall nicht abgewartet werden.
Das bedeutet ein Blutvolumenmangel und eine Stammzellenreduzierung für das neugeborene Baby!

Durch das frühe Abnabeln wird deinem Baby ein signifikanter Anteil seines Blutvolumens fehlen. Es werden für die Abnahme zwischen 60 ml und 200 ml Blut entnommen. Ein Neugeborenes mit 3 kg Körpergewicht hat ein Blutvolumen von ca. 260 ml.
Das bedeutet, dass deinem Baby ca. ein Drittel seines Blutvolumes abgenommen wird.

 

Fazit:

Nabelschnurblut ist kein überflüssiger Rest und kein Abfall. Nabelschnurblut ist wichtig für dein Baby und eine wertvolle Starthilfe in sein Leben.
Nabelschnurblutbanken können eine Option sein. Aber um eine informierte Entscheidung treffen können, sollten Eltern im Vorfeld alle dafür notwendigen Informationen erhalten. Die Vorteile, die Nabelschnur nach der Geburt auspulsieren zu lassen und damit das gesamte Blutvolumen und die gesamte Stammzellenmenge für das Neugeborene nach der Geburt zu erhalten, müssen gegen die eventuell möglichen Behandlungen in der Zukunft abgewogen werden.

Eigenblut eignet sich nicht für das häufigste Anwendungsgebiet der Stammzellen, die Leukämie.

Die Nabelschnurblutspende für ein bereits erkranktes Geschwisterkind scheint zur Zeit die effektivste Form der Nabelschnurblutspende zu sein.

 

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