Schwanger nach Fehlgeburt: Zwischen Hoffen und Bangen

Wann ist der beste Zeitpunkt nach einer Fehlgeburt wieder schwanger zu werden?

Nach einer Fehlgeburt wurde früher den Frauen oft empfohlen, 3 oder gar 6 Monate bis zu einer erneuten Schwangerschaft abzuwarten. Diese Annahme ist jedoch veraltet und aus dieser generellen Empfehlung können keine Vorteile gezogen werden.
Ebenso kein Anlass besteht aber darin, nun zu empfehlen „möglichst schnell“ wieder schwanger zu werden.
Du als betroffene Frau wirst am besten spüren, wann du wieder bereit bist für eine neue Schwangerschaft. Körperlich und seelisch. Wenn es sich gut anfühlt, ist es dann auch der individuell richtige Zeitpunkt, es wieder zu versuchen.
Es kann sowohl nach einer natürlichen Fehlgeburt sowie einer Ausschabung einige Zeit dauern, bis sich wieder ein regelmäßiger Zyklus einstellt. Ebenso kommt es vor, dass Eisprung und Periode schon zum gewohnten Zeitpunkt wieder eintreten.
Eine Ausnahme für die Empfehlung einer „Wartefrist“ können Komplikationen sein, wenn zum Beispiel die Gebärmutter bei einer Ausschabung verletzt wurde.

 

Wie sieht es aus mit dem Risiko einer erneuten Fehlgeburt?

Nach so einer traurigen Erfahrung wie einer Fehlgeburt ist es ganz klar, dass du dieses Erlebnis nicht wiederholen möchtest. Du fragst dich deshalb, wie hoch nun dein Risiko einer erneuten Fehlgeburt ist.
Eine Fehlgeburt ist ein relativ häufiges Ereignis, dessen Gründe uns meistens unbekannt bleiben.
Jede (Früh-)Schwangerschaft ist auch von einer gewissen Unsicherheit geprägt. Die Kinderwunschseite der Uni Bonn gibt an, dass das Fehlgeburtsrisiko nach einer vorangegangenen Fehlgeburt um 3-8% erhöht ist. Im Prinzip bietet dir dieses Wissen auch nicht mehr Sicherheit, da ein statistisches Risiko für deinen individuellen Fall keine Aussagekraft liefern kann. Es lässt sich nicht vorhersehen oder beeinflussen, wie die erneute Schwangerschaft ausgehen wird. Diese Unsicherheit ist nicht leicht auszuhalten. Wie du es trotzdem schaffst besser damit umzugehen, erfährst du weiter unten.
Wenn du bereits mehrere Fehlgeburten in Folge erleben musstest, liegen manchmal bestimmte körperliche Ursachen vor. Dazu kannst du dich näher von deinem Frauenarzt oder einem Kinderwunschzentrum beraten und untersuchen lassen.

 

4 Möglichkeiten, mit den Ängsten vor einer erneuten Fehlgeburt umzugehen

Bist du nach einer Fehlgeburt erneut schwanger, wird die Freude über die Schwangerschaft oft von Ängsten und Sorgen über den weiteren Verlauf überschattet. Durch den vorausgegangenen Verlust ist dir schmerzlich bewusst, dass es keine Garantie für eine intakte Schwangerschaft geben kann und wir weniger beeinflussen können, wie wir es gerne hätten.

  1. Versuche dir bewusst zu machen, dass dies eine neue Schwangerschaft ist. Mit einem neuen Baby, und zu einer neuen Zeit. Und es keinen Zusammenhang zu dem vorherigen Verlauf gibt.
  2. Versuche Tag für Tag Vertrauen wachsen zu lassen, in diese neue Schwangerschaft. Auch wenn dein erster Impuls vielleicht eher darin besteht, so wenig Kontakt wie möglich mit deinem Baby aufzubauen, um vor einer eventuellen erneuten Enttäuschung besser geschützt zu sein. Finde heraus was dir gut tut und was dich in deiner Kraft unterstützt.
  3. Alles was dir dabei hilft, in Kontakt mit deinem Inneren und deinem Baby zu sein, ist gut.  Das kann zum Beispiel in Form von Spaziergängen in der Natur, Meditation, kreativer Betätigung (Malen, Tanzen, Musizieren, Schreiben…), Körpereinreibungen mit deinem Lieblings-Öl oder auch etwas ganz anderes sein.
  4. Auch der offene Austausch mit anderen betroffenen Frauen kann helfen, diese herausfordernde Phase zu meistern. Allein das Wissen, dass man in dieser Situation nicht alleine ist, kann eine Erleichterung sein.

 

Ängste und Sorgen dürfen da sein, aber letztenendes geht es darum, dass sie nicht übermächtig werden und dich lähmen.
Vergiss nicht, dass dich auch von Anfang an eine Hebamme begleiten kann!

 

 

Was hat dir geholfen, in der Folgeschwangerschaft mit deinen Ängsten umzugehen und diese Zeit gut durchzustehen? Hattest du ein Ritual oder eine Kraftquelle für dich entdeckt?
Teile deine Erfahrungen gerne mit anderen Frauen in der Kommentarfunktion.

 

 

 

Kommentare

  1. Jenny

    Hallo,

    ich habe vor ein paar Tagen einen Abgang in der 7. Woche erlebt, der Schmerz sitzt noch sehr tief… es gibt immer wieder Momente in denen ich einfach in Tränen ausbrechen und dann andere in denen ich positiv in die Zukunft schaue.
    Unser Karlchen war ein absolutes Wunschkind – wir hatten uns schon so gefreut und dann ist er einfach gegangen. Die Gefühle fahren Achterbahn von Trauer, Wut, Verzweiflung- auf einmal soll alles wieder so weitergehen… diese Leere im Bauch ist einfach unerträglich und schnürt mir den Hals zu.

    Ich habe mir überlegt alle Erinnerunhen in eine Kiste zu legen und dazu eine Kerze zu kaufen und diese immer an zu zünden, wenn wir alle zusammen am Tisch sitzen. (Ich habe bereits eine Tochter aus erster Ehe). Ich möchte Karlchen nicht vergessen, aber schon Platz für ein weiteres Kind in unsrem Leben machen.

    Ist der Abort eigentlich als Periode anzusehen und beginnt der Zyklus gerade neu oder muss ich hier auf die nächste Blutung warten?

    1. Karin

      Liebe Jenny!
      Ich kann deine Gefühle sehr gut nachempfinden. Obwohl ich nach meinem Abgang gleich wieder schwanger wurde (siehe nennen Post ihnen), denke ich noch immer ab und zu an mein erstes Baby.
      Mir sind nach einer Woche auch immer wieder die Tränen gekommen wenn ich daran dachte.

      Ich weiß nicht genau wie der Abgang medizinisch gesehen wird, aber bei mir ging der Zyklus nach dem Abgang normal weiter. Ich hatte keine Regelblutung mehr danach, weil ich eben gleich wieder schwanger wurde 🙂
      Ich wünsche dir alles Gute!
      LG Karin

    2. Olivia

      Liebe Jenny,

      dein Verlust tut mir sehr leid. Euer Karlchen wird immer in Liebe mit euren Herzen verbunden sein.
      Die Erinnerungskiste ist eine sehr schöne Idee!

      Zu deiner Frage mit dem neuen Zyklus: die Blutung beim Abort ist keine Periode. Frau kann aber vor der ersten Periode nach Fehlgeburt wieder schwanger werden, weil der Eisprung ja vor der Blutung stattfindet (wie in dem Fall von Karin).

      Liebe Grüße
      Olivia

      1. Jenny

        Danke für eure Antworten und eure Anteilnahme. Diese Nacht konnte ich zum ersten Mal wieder durchschlafen und bin mit mehr Optimismus aufgewacht. Ich gönne mir noch zwei Tage Auszeit und werde dann versuchen wieder arbeiten zu gehen. Irgendwie muss es ja weitergehen, ihr macht mir Mut dass ich irgendwann, wenn es sein soll, ein weiteres Kind in meinen Armen halten werde.

        Gestern hatte ich auch eine Sitzung bei meinem Therapeuten, das hat auch geholfen – er sagte ich soll dir Trauer und die Wut nicht unterdrücken sondern durchleben und in das Gefühl hineingehen damit es sich lösen kann.

        Die Kerze und die Kiste habe ich auch besorgt… Karlchen bleibt immer in unseren Herzen ♥️

  2. Karin

    Hallo!
    Ich hatte eine Fehlgeburt ohne Ausschabung in der 5./6. SSW. Meine Ärztin sagte mir ich soll 3 Monate warten, damit sich meine Gebärmutter erholen kann. Nachdem ich eine Woche getrauert habe, habe ich beschlossen wieder positiv in die Zukunft zu schauen und es ein zweites Mal zu versuchen. Ich wurde sofort wieder schwanger. Bei der zweite Schwangerschaft hatte ich von Anfang an ein positives Gefühl und ich wusste intuitiv, dass diesmal alles gut gehen wird. Jetzt bin ich in der 39. SSW und warte schon auf unsere Maus 🙂
    Alles Liebe
    Karin

    1. Olivia

      Liebe Karin,
      Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht!
      Wie schön, dass du ganz nach deinem eigenen Gefühl gehen konntest – wie man sieht, war genau das das Richtige für dich/ euch.
      Meinen herzlichen Glückwunsch zu eurer Maus und alles Gute für die Geburt!
      Alles Liebe
      Olivia

  3. Nora

    Wir hatten eine gesunde Tochter nach unkomplizierter Schwangerschaft und wollten ein zweites Kind. Als sie 3 Jahre war wurde ich schwanger. In der 10. SSW verloren wir das Kind. Beim Ultraschall war kein Herzschlag mehr zu sehen. Heute haben wir drei Sternenkinder. Schwanger wurde ich immer schnell. In 18 Monaten drei Mal Hormonumstellungen und psychische Achterbahnfahrt. Die erste Schwangerschaft nach der FG war wunderschön. Ich spürte schon vor dem Test, dass es geklappt hat und war gleich in engem Kontakt mit dem Baby, redete ihm gut zu. Dann die Erleichterung beim ersten US, ein Herz das schlägt. Diesmal traf mich das Ende wie ein Schlag, 13. Woche und da waren Füße und Hände zu sehen, aber kein Lebenszeichen mehr. Ich rutschte in eine Depression, die nächsten drei Monate lebte ich wie hinter einem Schleier. Ich war so sicher dass so etwas nicht ein zweites Mal passieren würde und dann… Meiner inzwischen vierjährigen Tochter gegenüber hatte ich ein schlechtes Gewissen. Kindgerecht hatten wir ihr auch erklären müssen, dass sie doch kein Geschwisterchen bekommt.
    Die nächste Schwangerschaft versuchte ich emotional nicht an mich rankommen zu lassen. Kaum jemand wusste davon, ich wollte keine guten Wünsche mehr und keine gutgemeinten Daumendrücker. Als es vorbei war, weigerte ich mich zu meiner dritten Ausschabung zu gehen. Die natürliche FG, bei der ich trotzdem ins Krankenhaus ging wegen der Blutungsstärke hat mir geholfen zu verarbeiten was geschehen war. Es hatte etwas Reiningendes und wir fanden einen Abschluss zu dem Thema darin. Zwei Tage danach war ich wieder arbeiten ohne dass jemand etwas gemerkt hätte. Das ist für mich ein trauriger Aspekt, darauf bin ich nicht stolz, aber geholfen hat es mir damals trotzdem.
    Während ich das schreibe halte ich meine zwete Tochter im Arm. Sie ist 9 Monate alt und das größte Geschenk meines Lebens. Eigentlich hatte ich eine Psychotherapie machen wollen, um mit meinem Kinderwunsch ins Reine zu kommen. Dann, nach einer 18-monatigen „Pause“, die mein Mann und ich wählten, um uns anderen Seiten des Lebens zuzuwenden und zu genießen, was wir hatten, statt dem nachzutrauern was wir nicht haben konnten, wurde ich überraschend schwanger. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt eine Beratung und Diagnostik in der Sprechstunde für Paare mit mehrfachen Fehlgeburten hinter uns und obwohl nichts konkretes gefunden wurde und wir sehr gute Befunde erhielten, hatte ich mich vorsorglich für die Optimierung meines Vitaminhaushalts, Herabsetzen des T-Wertes unter 1 (Schilddrüse) und die Einnahme von utrogest entschieden. Bei Feststellen der Schwangerschaft auch noch für Heparin. Wir waren sicher, dass dies der letzte Versuch sein sollte und so ließ ich nichts unversucht. Psychotherapie und Bindungsanalyse halfen mir, die Ängste in gesunden Bahnen zu halten und eine positive Beziehung zu meinem Baby aufzubauen. Mein Frauenarzt war auch toll und schlug vor, Ultraschalluntersuchungen wegzulassen, da sie mich schon zwei Tage vor dem Termin in Panik versetzten und auch vor Ort der reinste Alptraum waren. Nachdem in der 14. SSW alles gut war legte er mir ein Beschäftigungsverbot ans Herz. Ich nahm es an und nutzte die freie Zeit für lange Spaziergänge, Bäder und Gespräche mit dem Ungeborenen. Bei einer wunderschönen Hausgeburt kam sie dann zu uns. Könnte mir jemand versprechen, dass alles nochmal so wäre wie bei ihr, würde ich noch ein drittes Kind bekommen. Aber ich will mein Glück nicht herausfordern und zur Zeit ist alles perfekt:-)

    Eine Empfehlung noch, die mir sehr wichtig ist: Bei uns gibt es zweimal im Jahr eine Trauerfeier mit Beisetzung der „Überreste“ früh verstorbener Babys (aus Kliniken), die noch kein Recht auf Bestattung haben. Jede Frau oder jedes Paar, das so einen Verlust erlitten hat, völlig egal in welchem Zusammenhang, ist dort willkommen. Die Teilnahme kann anonym bleiben, es besteht aber auch die Möglichkeit, einen Namen anzugeben oder einen Wunsch zu hinterlassen. Ich ging nach der zweiten FG alleine dorthin und durfte einen Holzstern mit Kerze zur Bestattungsstätte tragen und dort Abschied nehmen. Es war unglaublich schmerzhaft, aber auch unendlich heilsam. Wer dieses Angebot hat, sollte es ausprobieren, auch die weniger spirituell eingestellten Menschen können dort etwas Ruhe finden und vielleicht Frieden schließen mit dem Geschehenen.

    Ich beantworte gerne Fragen.
    Danke, dass du meine Geschichte gelesen hast!

    1. Olivia

      Liebe Nora, vielen Dank für das Teilen deiner Geschichte.
      Das war ein unglaublich schwerer Weg, den ihr da hattet und das tut mir sehr leid für euch. Aber
      wie wunderbar zu hören, dass ihr nun neben den drei Sternenkindern auch zwei Kinder an der Hand habt und du die letzte Schwangerschaft trotz allem so bewusst und positiv gestaltet hast und letztenendes eine so kraftvolle Geburt hattest! Hut ab!

      Vielen Dank auch für den Hinweis mit der Trauerfeier.

      Mit den besten Wünschen für dich und deine Familie ❤️
      Olivia

    2. Anja

      Danke für deine Worte. Es macht mir Mut, nach vorn zu schauen und es wieder zu versuchen.

      1. Nora

        Danke, das freut mich sehr und genau das ist der Grund warum ich mich getraut habe hier so offen zu teilen wie es mir ergangen ist. Bei meiner Suche damals waren Erfahrungsberichte für mich immer sehr wertvoll und wichtig, auch wenn keine Geschichte der anderen gleicht.
        Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft für alles was das Leben für Dich und Deine Familie noch bereit hält, am meisten aber, dass ein Kind den Weg zu euch findet.

  4. Hallo…
    Auch wir haben 2 Fehlgeburten erlebt, eine frphe in der 10.SSW eine in der 18 SSW. Meine Frauenärztin liess dann nach der 2. Gott sei Dank schnell Ursachenforschung betreiben.Doch noch bevor ich das Ergebnis einer vorliegenden Gerinnungsstörung erhielt wurden wir ungeplant und völlig überraschend im 1.Zyklus nach der späten Fehlgeburt wieder schwanger. Ich musste mir dann die ganze Schwangerschaft über Blutverdünner spritzen aber die Angst das etwas mit unserer Tochter nicht stimmen würde konnte mir bis zum Tag der Geburt Niemand nehmen.Viel Kraft haben mir aber Familie, Freunde und Kollegen gegeben da sie von meinen 2 Fehlgeburten wussten.Ich erfuhr viel Unterstützung und auch unser Pflegehund lenkte mich oft von Sorgen und Ängsten ab.
    Unsere Tochter ist nun knapp 5 Monate alt und unser ganzer Stolz und Sonnenschein.
    Ich kann euch nur raten über das erlebte zu reden…trauert um Eure verlorenen Kinder und lasst euch von niemanden sagen das alles seinen Grund hat.

    Alles Liebe
    Mary

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