Stuhlgang während der Geburt: peinlich oder ganz normal?

Stuhlgang während der Geburt

 

Viele Gedanken werdender Mamas drehen sich, wenn sie an die bevorstehende Geburt denken, unter anderem besorgt um die Frage:

werde ich wirklich Stuhlgang während der Geburt haben?“

Dieses Thema ist für viele anfangs vielleicht etwas peinlich, aber das muss nicht sein. Hier erkläre ich euch, warum Stuhlgang unter der Geburt etwas ganz Normales ist, zum Geburtsvorgang häufig einfach dazugehört und darüber hinaus – du kannst es kaum glauben – sogar ein gutes Zeichen sein kann!

 

1. Stuhlgang während der Geburt ist ganz normal

Auch wenn sich viele Frauen anfangs davor fürchten: den meisten wird es passieren. Und es ist ganz normal. Auch und gerade für deine Hebamme, die bei der Geburt dabei ist. Sie wird kein großes Aufsehen darum machen, sich nicht ekeln, und schon gar nichts unangenehmes über dich denken. Bevor du überhaupt bemerkt hast, was gerade geschah, wird sie das Geschäft mit einem routinierten Wisch schnell und diskret mit einer Vorlage entsorgen.

 

2. Stuhlgang während der Geburt ist sinnvoll – anatomisch gesehen

Während der letzten Phase der Geburt, der Pressperiode, sind u.a. die gleichen Muskeln des Beckenbodens wie beim Stuhlgang beteiligt. Um geboren zu werden, rutscht dein Baby immer weiter nach unten und alles, was dabei im Weg ist, muss Platz machen. Da der Enddarm der direkte Nachbar des Geburtskanals ist, ist es sehr sinnvoll, wenn dieser allen unnötigen Inhalt entleert, um deinem Baby die Bahn freizumachen. Der unglückliche Versuch, eventuellen Stuhlgang zurückhalten zu wollen, hält also auch dein Baby zurück und ist damit sehr kontraproduktiv.

Anatomie Stuhlgang Geburt

 

3. Stuhlgang während der Geburt ist ein gutes Zeichen

Kommt es während der letzten Phase der Geburt zum unwillkürlichen Stuhlgang, ist dies ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass dein Baby bald geboren wird. Denn wenn das Köpfchen auf den Enddarm drückt, ist der Weg nach draußen nicht mehr weit. Dazu ist es ein Zeichen, dass du alles richtig machst und effektiv mitschiebst.

 

 

4. Stuhlgang während der Geburt bleibt nicht in Erinnerung

Wenn du später an deine Geburt zurückdenkst, wirst du dich besonders an die schönen Momente erinnern. Stuhlgang ist nichts, woran man weiter seine Gedanken verschwenden sollte, bei einem so besonderen Ereignis wie der Geburt. Auch deine Hebamme wird nicht an deinen Stuhlgang zurückdenken.

 

5. Kann man Stuhlgang während der Geburt vermeiden?

Bei Geburtsbeginn kommst es oft natürlicherweise zur Darmentleerung und du hast in aller Ruhe Zeit für dein Geschäft auf dem stillen Örtchen. Der Körper entledigt sich also von selbst von unnötigem Ballast. Ähnlich wie bei einer Zahnpastatube kann jedoch durch großen Druck (wie durch den Druck des Köpfchens bei der Geburt)  immernoch ein kleiner Rest rausgepresst werden.

Wurde früher zu Geburtsbeginn routinemäßig ein Einlauf gemacht, kommt es zu dieser Praktik heute nur noch bei Bedarf. Zum Beispiel zum Anregen der Wehentätigkeit, oder wenn du unter Verstopfung leidest und keine natürliche Stuhlentleerung vor der Geburt hattest. Auch ein Einlauf zu Geburtsbeginn ist keine Garantie, keinen Stuhlgang während der Geburt zu haben. Das Geschäft ist dann einfach nur flüssiger.

Es gibt also keine Möglichkeit, Stuhlgang während der Geburt sicher zu vermeiden. Und das ist völlig in Ordnung!

 

6. Mein Tipp zum Abschluss

Wie du siehst gibt es keinen Grund, dir weiter Sorgen um dieses Thema zu machen. Als abschließenden Tipp für dich möchte ich dir raten, während der Geburt trotzdem einige Zeit auf der Toilette zur verbringen:

– es ist eine wunderbare Position, um das Tieferrutschen deines Babys zu unterstützen

– herrlich zum Entspannen: Füße fest auf den Boden aufstellen (mindestens Schulterbreit) und Oberkörper vornübergeneigt abstützen: vielleicht gibt es ein Waschbecken zum Festhalten oder du stützt dich auf deinen Oberschenkeln ab. Du könntest dich auch falsch rum auf die Toilette setzen.

– ob Stuhlgang oder Pipi: einfach alles rauslassen

– mehr Intimsphäre: hier gibt es keine Zuschauer oder unnötige Untersuchungen

 

 

Ob mit oder ohne Stuhlgang: ich wünsche dir eine schöne Geburt!

 

 

 

 

 

 

This entry was posted in Geburt.

3 comments

  1. Sabeth says:

    Ich hatte auch während der Geburt Stuhlgang (trotz ausgiebiger Toilettengänge während der Eröffnungsphase) und muss sogar sagen, dass es mich im Nachhinein fast empowert hat. Ich habe in der Presswehe deutlich gemerkt, dass das jetzt passieren wird und ich es nicht ändern kann, und noch schnell gesagt: „Ich muss groß, kann nichts machen, sorry!“, und meine Hebamme sagte nur „kein Problem, macht nichts“, und es war so schnell vorbei. Jetzt denke ich: Wenn ich es in einer solchen Extremsituation geschafft habe, mit etwas eigentlich so Hemmendem souverän umzugehen, dann kann mir der Rest auch nix 🙂

    Lustigerweise bekam ich 2 Tage später von meiner Hebamme die Spritze zur Anti-D-Prophylaxe in den Po und sagte dabei: „Oh nein, jetzt siehst du meine Dehnungsstreifen am Hintern!“, bevor mir wieder einfiel, dass es praktisch nichts bei mir gab, das meine Hebamme noch NICHT gesehen hatte 😉 Das hatte ich irgendwie völlig ausgeblendet…

    Allgemein empfinde ich soviel Stolz beim Gedanken an die Geburt, dass ich so hardcore war und alles geschafft habe, und die Tatsache, dass ich ohne mit der Wimper zu zucken einer anderen Person vor die Füße gekackt habe, um danach mein Kind zur Welt zu bringen, ist irgendwie ein Teil davon.

    • Olivia says:

      Liebe Sabeth,
      vielen Dank für’s Teilen – das hast du sehr ermutigend geschrieben! Und natürlich herzlichen Glückwunsch zu dieser wunderbaren Geburt! ❤️

  2. C. says:

    Für mich war es einer der traumatischen Teile bei der Geburt meiner ersten Tochter, da ich überhaupt nicht vorgewarnt war. Ja, ich hatte gehört, dass „ein wenig“ Kot zusammen mit dem Köpfchen kommen kann. Aber von wegen, es hörte gar nicht auf und ich hatte das Gefühl die Hebamme war nur am wegwischen. Hätte ich etwas mehr darüber gewusst, und insgesamt mehr zur Geburt und den weniger schönen Aspekten, wäre ich tatsächlich vorher länger auf Toilette gegangen und hätte mich auf andere Dinge konzentrieren können. Ich hoffe, bei der zweiten Geburt von meiner Erfahrung profitieren zu können. Ich finde es wenig hilfreich, wenn bei Geburtsvorbereitungkursen und auf Aufklärungsseiten die Geburt so schön geredet wird. Das schöne kommt ja von selbst, erst recht wenn man von dem weniger schönen nicht überrumpelt wird sondern Bescheid weiß… Liebe Grüße und danke für den Artikel!

Schreibe einen Kommentar