Traditionelle Geburtspositionen aus aller Welt

Aktive und aufrechte Geburtspositionen waren durch die Menschheitsgeschichte aus gutem Grund bevorzugt: sie bieten dem Baby mehr Platz im Becken, verkürzen die Geburt, nutzen die Hilfe der Schwerkraft aus und helfen der Gebärenden, die Wehen besser ertragen zu können.

Instinktive Bewegungen und eine freie Wahl der Geburtsposition fördern den normalen Geburtsverlauf und helfen dem Baby, tiefer zu rutschen und die Platzverhältnisse im Becken optimal ausnutzen zu können.

Schauen wir uns hier einige traditionelle Geburtspositionen aus verschiedenen Ländern und Kulturen an.

 

Ureinwohner Nordamerikas

Geburt im Stehen bei den Sioux. Die Gebärende hält sich an einem/ihrem Mann fest, während die Hebamme das Baby in Empfang nimmt. Zeichnung: Witkowski, 1887
Die Gebärende hält sich an einem Seil fest und lehnt sich dabei nach hinten.

 

 

Geburt im Kniestand bei den Komantschen. Die Gebärende hält sich zur Unterstützung an einem Stock fest, während eine Person von hinten die Hände auf ihren Bauch legt. Eventuell zeigt das dargestellte Bild nicht die tatsächliche Geburtsposition, sondern eine Möglichkeit, die Wehen zu verarbeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geburt der Blackfeet im Kniestand: die Gebärende hält sich an einem Stock fest. Hier sehen wir die gleiche Position wie in der Abbildung oben, nur ohne Unterstützung durch eine andere Person.  Zeichnung: Engelmann, 1882
Geburt in der tiefen Hocke bei den Tonkawas. Die tiefe Hocke bietet dem Baby 30% mehr Platz im Beckenausgang als im Vergleich zur Rückenlage.

 

 

 

 

Abgestütztes Stehen durch eine Seilschlinge und den Mann im Hintergrund.
Geburt im Stehen bei den Kiowa. Auch hier stützt sich die Gebärende an einem Stock ab und wird durch die Hebamme und eine weitere Frau unterstützt. Man sieht, wie ihr die gegenüberstehende Frau in den Mund pustet – vielleicht um sie bei der Atmung zu unterstützen.

 

 

 

Altes Ägypten

Geburtsszenen aus dem alten Ägypten zeigen den Einsatz von Gebärhockern und den Fersensitz.

Traditionelle Geburtspositionen
Geburt in der tiefen Hocke mit Unterstützung von zwei Helfern, abgebildet im Tempel Hathor.
Die Hieroglyphen für „gebären“ zeigen den Fersensitz und den Einsatz einer Art Gebärhocker.

 

 

Abbildung zweier Geburten auf dem Gebärhocker im Tempel Kom Ombo.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

traditionelle Geburtspositionen
Geburt im Fersensitz: Die Göttin Ritho gebärt Gott Ra und wird dabei von mehreren Hebammen unterstützt.
Relief einer Geburt im Fersensitz im Tempel Kom Ombo.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geburt altes Ägypten
Geburt auf einem Gebärhocker in der tiefen Hocke. Die Gebärende wird auf jeder Seite von einer Frau zum Festhalten unterstützt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zentralafrika

Geburt bei den Longo und Madi. Die Frau lehnt sich nach hinten an einen Baumstamm und hält sich an einem Ast fest.
Geburtsszene im Stehen aus dem Bongo, bei der sich die Gebärende an einem über ihr festgebundenen Ast festhält.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Holzzschnitzerei einer Beckenendlagengeburt aus Burkina Faso.
Diese Figur aus dem Kamerun zeigt die Gebärende im Fersenstand.
Geburtsszene aus dem Kongo. Instinktiv nehmen viele Gebärende in der letzten Phase der Geburt eine Haltung im Hohlkreuz an. Das wird aber oft nicht unterstützt und stattdessen die Frau dazu angeleitet, den Rücken rund zu machen – mit dem guten Vorsatz, den Geburtsweg dadurch für das Baby zu erleichtern. 
Die instinktive Einnahme eines Hohlkreuzes kann jedoch helfen, mehr Platz zwischen Steißbein und Symphyse zu schaffen und dadurch mehr Platz für das Baby im Beckenausgang.

 

Indien

 

Breite Kniebeuge: Die Göttin Kali gebärt im Stehen und hält sich an einer Art Seil fest. Holzschnitzerei Südindien, 18. Jahrhundert.
Geburt in der breiten Kniebeuge, unterstützt von zwei Frauen und einer Hebamme. Die wichtigste Person – die Gebärende – ist am größten dargestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lajja gauri Geburt tiefe Hocke
Diese Abbildung zeigt die Göttin der Fruchtbarkeit, Lajja Gauri, zur Geburt in der tiefen Hocke. Sie hält sich beidseits an zwei Seilen oder ähnlichem fest.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mexiko

Tlazolteotl Azteken Geburt
Tiefe Hocke: Steinfigur der Azteken Göttin Tlazolteotl, Göttin der Fruchtbarkeit und der Geburt. Wie überlieferte Berichte bezeugen, existierte in Altmexiko bereits eine intensive Betreuung von Schwangeren und Gebärenden durch traditionelle Hebammen. Die übliche Geburtsposition war die tiefe Hocke.
Nordmexiko 1887: Geburt im Knien/ Fersensitz, bei dem sich die Gebärende oben an einem Seil festhält. Sie wird von zwei Hebammen unterstützt – die Frau hinter ihr hat das traditionelle Tuch (Rebozo) um sie gelegt, um ihr bei der Geburt zu helfen, die andere Frau empfängt das Baby.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

traditionelle geburtsposition
Diese Keramikbemalung des Pueblo Stammes zeigt die traditionelle Geburtsposition in der tiefen Hocke.

Philippinen

Geburt tiefe Hocke
Die tiefe Hocke war die bevorzugte Geburtsposition philippinischer Mütter in früheren Zeiten. Diese Figur von Alicdang von Sagada ist ungefähr aus dem Jahre 1900.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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