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Ungeplante Alleingeburt: Was tun, wenn dein Baby kommt, und keiner ist da

Wie kann es sein, dass es zu einer ungeplanten Alleingeburt kommt?

Die wohnortnahe Versorgung mit Hebammen und Geburtskliniken verschlechtert sich weiter. Viele Frauen finden keine Hebamme mehr, in einigen Regionen steht jede zweite Schwangere ohne Hebamme da. Immer mehr Kreißsäle und Geburtshäuser schließen und viele Frauen haben weite bis sehr weite Wege bis zum nächsten Kreißsaal. Dazu kommt die unfassbare Situation, dass manche Frauen sogar vor der Kreißsaaltür abgewiesen werden, weil einfach kein Platz mehr ist.

So kann es passieren, dass dein Baby zur Welt kommt, bevor geburtshilfliche Hilfe verfügbar wäre. Für viele Frauen ein beängstigendes Szenario. Abgesehen davon gibt es auch Frauen, die eine Alleingeburt aus den verschiedensten Gründen planen – diese bereiten sich aber in der Regel auf dieses Ereignis vor.

Die Idee zu diesem Artikel entstand eigentlich zuerst nicht ganz ernst gemeint auf rein hypothetischer Basis – aber wie wir sehen, kann es in Deutschland heute leider durchaus vorkommen, dass dein Baby ungeplant ohne eine anwesende Fachperson geboren wird. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, hier ein paar allgemeine Tipps aufzuschreiben, was zu tun und lassen wäre, wenn dein Baby bei einer ungeplanten Alleingeburt zur Welt kommt.

 

  • Rufe den Krankenwagen/ lasse den Krankenwagen rufen
  • Was soll ich tun, wenn ich merke, dass das Baby kommt?
    – Verfalle nicht in Panik. Atme. Bei Pressdrang schiebe nach deinem eigenen Gefühl mit. Über deine Geburtsposition wirst du dir wahrscheinlich weniger Gedanken machen, aber solange du Bewegungsfreiheit hast und nicht gerade auf dem Beifahrersitz im Auto unterwegs bist, wäre zum Beispiel eine kniende oder hockende Position bzw. auch halb kniend/ halb hockend (ein Bein kniet, der andere Fuß ist auf dem Boden aufgestellt) aus verschiedenen Gründen geeignet: Du kannst dein Baby selbst auffangen und vermeidest, dass es auf dem Boden aufkommt, bevor du es halten kannst.
  • Was soll ich tun, wenn mein Baby nicht sofort schreit/ atmet?
    – Nach der Geburt brauchen viele Kinder einen Moment, um anzukommen, zu atmen und richtig schön rosig zu werden. Dein Baby wird noch weiterhin über die Nabelschnur versorgt – die Nabelschnur pulsiert noch für einige Minuten. Nehme dein Kind auf deinen Bauch oder zur Brust – Haut-auf-Haut. Decke dein Baby mit einem Kleidungsstück/ Handtuch zu.
    Tut sich dein Baby weiterhin schwer und röchelt vielleicht, hat es wahrscheinlich noch Fruchtwasser im Mund. Nehme dann dein Baby, anstatt es aufrecht zu halten, in eine Seitenlage mit dem Kopf und Oberkörper etwas nach unten. So kann es besser ausspucken. Stimuliere dein Kind, indem du seinen Rücken mit einem Kleidungsstück/ Handtuch abrubbelst. Puste deinem Baby sanft übers Gesicht. Du kannst deinem Baby auch mit dem Finger/ sauberen Kleidungsstück den Mund einmal auswischen, um Fruchtwasser und Blut zu entfernen.
  • Was mache ich mit der Nabelschnur?
    – Gar nichts! Lasse die Nabelschnur an deinem Baby und schneide sie nicht durch. Warte auf die Nachgeburt.
  • Was soll ich nach der Geburt machen?
    – Versuche dein Baby an die Brust anzulegen/ zu Stillen. Das bewirkt ein besseres Zusammenziehen der Gebärmutter und eine Reduzierung des Blutverlusts. Halte dein Baby warm.
  • Was muss ich machen, wenn der Mutterkuchen/ die Plazenta geboren wird?
    – Nach der Geburt deines Babys folgt noch die Geburt des Mutterkuchens, mit dem das Baby über die Nabelschnur verbunden ist. Das kann wenige Minuten nach der Geburt sein oder auch etwas länger dauern. Ziehe nicht an der Nabelschnur.
    Wenn du erneut Kontraktionen/ Wehen spürst, ist das ein Anzeichen, dass die Plazenta geboren wird. Schiebe nochmal sanft mit. Eine kniende oder hockende Position kann dabei wieder hilfreich sein. Wenn du ein sauberes Gefäß oder eine saubere Tüte zur Verfügung hast, gebe die Plazenta dort hinein. Es ist wichtig, die Plazenta auf ihre Vollständigkeit überprüfen zu lassen um sicherzustellen, dass kein Rest in der Gebärmutter verbleibt.
    Dein Baby ist nun noch weiterhin über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden.
    Sorge dafür, dass es dein Baby weiterhin warm hat (Hautkontakt und zugedeckt) und nicht auskühlt.
  • Wie geht es dann weiter?
    – Spätestens jetzt sollte medizinische Hilfe da sein. Das übliche Vorgehen wäre, dass du nun mit entbundenem Kind ins Krankenhaus gefahren wirst. Die Plazenta wird mitgenommen und auf Vollständigkeit überprüft. Dein Kind wird abgenabelt und untersucht. Eventuelle Geburtsverletzungen von dir werden versorgt.

 

Diese Punkte sprechen nur die häufigsten Unsicherheiten an. Natürlich lässt sich das Vorgehen bei einer Geburt nicht in wenigen Stichpunkten abhandeln. Es ist ein sehr komplexer Vorgang. Die meisten Geburten verlaufen problemlos. Es kann zu Abweichungen vom oben genannten Verlauf kommen und zu Komplikationen. Der erste Punkt wäre deswegen immer, die Rettung zu rufen. Rettungssanitäter und Ärzte (bis auf Frauenärzte) sind nicht in Geburtshilfe ausgebildet. Eine Hebamme ist deswegen unersetzlich. Bis Rettungskräfte/ eine Hebamme eintreffen, kannst du dich an dem genannten Vorgehen orientieren. Du wirst den Artikel natürlich nicht während der Geburt lesen. Es ist deswegen gut, manche Informationen im Vorab zu haben.

 

Ich wünsche dir eine gute Geburt, mit einer guten geburtshilflichen Begleitung, an dem Geburtsort deiner Wahl – leider schwinden die Umstände für diese guten Wünsche zunehmends.

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