Magische Zeit: Die 6 Vorteile von ungestörtem Hautkontakt in der ersten Stunde nach der Geburt

Die Macht des ersten Eindrucks ist wohlbekannt. Doch keiner mag bedeutsamer sein, als die ersten Erfahrungen eines Babys, das frisch auf die Welt gekommen ist. Unsere ersten Eindrücke vom Leben außerhalb des Mutterleibes, ob wir uns willkommen, warm und sicher, oder kalt, verlassen und ängstlich fühlen, haben das Potential, im Unterbewusstsein unsere Wahrnehmung vom Leben zu beeinflussen.

Nach 9 Monaten geduldigen Wartens wirst du nach der Geburt endlich deinen kleinen Schatz im Arm halten können. Die erste Stunde im Leben außerhalb des Mutterleibes ist auch für dein Baby eine ganz besondere und einmalige Zeit. Dieser sensible Lebensabschnitt kann für dich und dein Baby sowohl kurz- als auch langfristige Auswirkungen haben und ihm sollte daher größtmöglich Bedeutung zugemessen werden. Alles was dein Baby jetzt braucht ist (sofern keine medizinische Notwendigkeit vorliegt),  in ungestörtem Hautkontakt mit dir zu kuscheln und deine Wärme zu spüren. Dieser Moment verdient es aus guten Gründen, geehrt und geschützt zu werden.

 

Hautkontakt leicht gemacht:

Dein Baby ist nackt und wird -ohne eingewickelt zu sein- mit dem Bauch auf deinen ebenfalls entkleideten Oberkörper gelegt. Ihr werdet mit einer Decke zugedeckt, wobei der Kopf des Babys frei bleibt. In diesem Hautkontakt verbringt ihr die ersten ein bis zwei Stunden nach der Geburt (und auch darüberhinaus so viel wie möglich). Es ist die Zeit, ein neues Familienmitglied zu begrüßen und liebevoll in die Arme zu schließen. Euer Baby stellt sich nun auf das Leben außerhalb der Gebärmutter ein.
Tätigkeiten, die nicht für die Gesundheit von Mutter oder Kind von Dringlichkeit sind, wie z.B. waschen, wiegen oder messen, sollten erst später durchgeführt werden, um nicht diese wichtige erste Phase zu unterbrechen. Die Krankenhaus-Routine sollte dies berücksichtigen.

 

Erfahre hier die 6 wichtigsten Gründe, warum es so wichtig für dich und dein Baby ist, die erste Stunde nach der Geburt ungestört zu genießen:

 

1. Fördert die Mutter-Kind-Bindung

Sobald dein Baby geboren ist, erkennt es dich an deinem Geruch, deiner Berührung und deiner Stimme. Im Hautkontakt mit dir werden seine instinktiven Bedürfnisse nach Sicherheit, Wärme und Geborgenheit gestillt. Bei dir reduziert dieser innige Hautkontakt die Ausschüttung von Adrenalin und fördert die Produktion von Oxytocin und Prolaktin (die sogenannten Liebes- und Stillhormone)

 

2. Unterstützt die körperliche Stabilität

Im Hautkontakt mit der Mutter stabilisiert sich die kindliche Atmung und Sauerstoffversorgung. Der Blutzuckerspiegel wird gesteigert, wodurch das Risiko einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) vermindert wird. Der Blutdruck stabilisiert sich, Stresshormone werden reduziert und dadurch kommt es zu weniger Weinen und einem Zustand ruhiger Aufmerksamkeit.

 

3. Unterstützt die Regulation der Körpertemperatur

Neugeborene können noch nicht ihre Körpertemperatur zuverlässig regulieren und kühlen schnell aus. Im Hautkontakt mit der Mutter oder einer anderen Bezugsperson genießen sie ein ganz natürliches Wärmebett mit optimaler Temperatur.

 

4. Fördert die Milchbildung und das erfolgreiche Stillen

Babys, die direkt nach der Geburt im ungestörten Hautkontakt mit Ihrer Mutter verbleiben, werden instinktiv zur Brust robben und ihre erste Stillmahlzeit quasi selbstständig einnehmen. (Wenn sie nicht durch Medikamente während der Geburt beeinflusst wurden). Dieses wunderbare Phänomen ist bekannt als „breast crawl“.
Durch den Stillbeginn innerhalb der ersten 1-2 Stunden nach der Geburt wird die Hormonproduktion zur Milchbildung angeregt, der Saugreflex ist in dieser Zeit besonders intensiv. Saugschwierigkeiten können dadurch vermindert und der Stillerfolg sowie die Stilldauer langfristig positiv beeinflusst werden.
Das Neugeborene erhält das erste Kolostrum, ein wahres Wundermittel, das sehr hohe Anteile an Immunfaktoren und Zellanteilen enthält, und u.a. vor Allergien schützt.

 

5. Stärkt das Immunsystem

In der Gebärmutter lebt das Baby in einer fast sterilen Welt. Sein Körper ist noch nicht in Kontakt gekommen mit der Vielzahl der Mikroorgansimen (guten sowie schlechten) unserer Umgebung. Welche Bakterien zuerst den kleinen Körper des Babys besiedeln, werden die Herrschaft über dieses Gebiet übernehmen. Im Hautkontakt wird das Immunsystem durch den Kontakt mit den normalen Bakterien unserer Hautflora ganz natürlich gestärkt. Dieser Kick für´s Immunsystem macht es möglich, dass der Körper des Babys zwischen guten und schlechten Bakterien zu unterscheiden lernt, Infektionen abwehrt und das Baby sogar in der Zukunft vor Krankheiten schützen kann.

Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Besiedlung von Bakterien über den Geburtsweg und das Stillen.
(Wenn du mehr über das Mikrobiom erfahren willst, klicke hier).

 

6. Beugt verstärkten Blutungen nach der Geburt vor

Verstärkte Blutungen der Mutter nach der Geburt (engl. primary postpartum haemorrhage, PPH) zählen mit einer Häufigkeit von 0,5 bis 5,0% zu einem der häufigsten Notfälle in der Geburtshilfe.
Frühes Stillen und Hautkontakt zum Baby in den ersten 30 Minuten nach der Geburt senkt die Häufigkeiten einer PPH um 45 %. Dieser Effekt wird durch die beim Stillen und Hautkontakt natürlich eintretende Oxytocinausschüttung bei der Mutter erklärt. Oxytocin wird auch zur Behandlung verstärkter Nachblutungen intravenös injiziert.

(Saxton A, Fahy K, Rolfe M, Skinner V, Hastie C. Does skin-to-skin contact and breast feeding at birth affect the rate of primary postpartum haemorrhage)

 

 

 

Kommentare

  1. Pingback: 6 Gründe, die für den direkten Hautkontakt nach der Geburt sprechen

  2. Cerstin

    Ich freue mich auch, dass es hier wieder einen neuen Eintrag gibt <3 <3 Echt schön, Olivia ! Darf ich fragen, warum es eine längere Pause gegeben hat? Liebe Grüße.

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