Wochenbett

Das Wochenbett: Praktische Tipps für einen zauberhaften Anfang

Während den letzten Wochen der Schwangerschaft erträumst du dir wahrscheinlich nichts sehnlicher, als den Moment, wenn du dein Baby endlich in den Armen halten kannst. Die Strapazen der Schwangerschaft und der Geburt liegen hinter dir und du freust dich, dass du das endlich alles geschafft hast.

Die Gedanken in der Schwangerschaft planen meist das Wochenbett nicht so richtig mit ein, vor dir steht der „Berg“ der Geburt und danach kannst du dir wahrscheinlich nicht so recht vorstellen, wie es dann weitergeht und bist sehr zuversichtlich, es einfach mal auf dich zukommen zu lassen. Im Prinzip eine sehr schöne Einstellung! Aber wenn du nicht gerade in einem wunderbaren Netz von einer dich versorgender Großfamilie eingebettet bist, versinkt das Wochenbett statt in Genießen, Staunen und sich Erholen eher in Chaos, Frustration und einem dich viel zu schnell einholenden Alltag.

Du bist mehr oder weniger pausenlos und rund um die Uhr mit der Versorgung eures Babys beschäftigt, vielleicht kann es nur bei dir im Arm schlafen oder will sehr häufig gestillt werden. Dann melden sich natürlich auch noch deine eigenen Bedürfnisse und du findest einfach, was dir früher unvorstellbar schien, keine Zeit dafür, ein Essen zuzubereiten und zu essen, dich zu duschen oder umzuziehen. Um dich herum entsteht langsam ein Chaos aus Unordnung, benutztem Geschirr, immer größer werdenden Wäschebergen und einem leeren Kühlschrank und deine Frustration wächst. Du kannst dein Baby nicht mehr genießen, du kannst keine Entspannung und Ruhe finden, fühlst dich ausgelaugt und kraftlos und zu allem Übel kommt vielleicht noch ein Milchstau hinzu oder du spürst deinen Beckenboden wie eine zu lose gespannte Hängematte.

Diesen Moment möchte ich für dich vermeiden, denn das ist nicht schön. Deswegen findest du hier meine besten Tipps, wie du dein Wochenbett planen kannst, um schöne Flitterwochen mit deinem Baby zu verbringen. Dann kannst du diese besondere und unvergessliche Zeit genießen, den Zauber eines Neuanfangs wahrnehmen und so viel Kraft für eure gemeinsame Zukunft daraus ziehen.

Ja es ist richtig, man könnte meinen du bekommst doch „nur“ ein Baby und brauchst dazu keine besondere Planung oder Organisation. So sollte es auch sein, aber es ist nun mal so, dass wir nicht dazu ausgelegt sind, weitestgehend alleine auf uns selbst nach der Geburt oder im Leben mit Kind allgemein gestellt zu sein. Ja du kannst es trotzdem schaffen, dich um dein Baby und dich, sowie weitestgehend im Groben um den Haushalt zu kümmern – aber es geht dabei soviel Schönes verloren und du wirst weder dir selbst noch deinem Baby gerecht. Und deswegen brauchst du Unterstützung.

 

Praktische Unterstützungsmöglichkeiten im Wochenbett

  • Deine Hebamme: Deine Hebamme kommt zu den Wochenbettbesuchen zu dir nach Hause und hat deine Rückbildung und Heilung von eventuellen Geburtsverletzungen im Blick, unterstützt dich beim Stillen oder berät dich zum Fläschchen-Füttern, kontrolliert die Gewichtszunahme und gesunde Entwicklung deines Babys, hilft dir über anfängliche Unsicherheiten im Alltag mit deinem Neugeborenen hinweg und steht dir bei allen anfallenden Fragen rund ums Wochenbett zur Seite.

 

  • Eine gute Fee: Die Rolle der guten Fee kann eine Freundin, deine eigene (Schwieger-)Mutter (je nach Verhältnis), oder eine Person auf angestellter Basis sein. Wichtig ist, dass diese recht unscheinbar im Hintergrund die Arbeit erledigt und ansonsten eure Intimität respektiert und schützt. Die zu erledigenden Aufgaben der guten Fee(en) beinhalten:
    – Essen kochen
    – Zwischenmahlzeiten ans Bett servieren
    – Die Wohnung schön und aufgeräumt zu halten
    – Zu einer positiven Atmosphäre beizutragen

 

  • Eine Haushaltshilfe: Wenn dein Partner keinen Urlaub haben kann und nach der Geburt weiter zur Arbeit geht, übernehmen unter gewissen Voraussetzungen die Krankenkassen für eine begrenzte Zeit eine Haushaltshilfe.
    Es reicht also nicht, dass du alleine zu Hause sein wirst, sondern es braucht eine medizinische Indikation (z.B. Rückbildungsstörungen, wiederkehrende Brustentzündungen…).
    Du benötigst dazu eine Bescheinigung über die Notwendigkeit einer Haushaltshilfe von deinem Arzt oder deiner Hebamme und fügst diese dem von dir ausgefüllten Antrag der Krankenkasse bei (das Formular steht meistens im Internet zu download bereit).
    Wie lange und für wie viele Stunden pro Tag die Haushaltshilfe beantragt/ genehmigt wird, wird vom Ermessen deines Arztes/ deiner Hebamme und dann je nach Entscheidung der Krankenkasse abhängen.
    Die Haushaltshilfe kann entweder eine von dir bekannte und organisierte Person sein (nicht jedoch nahe Verwandte wie zum Beispiel deine Mutter), die dann von der Krankenkasse für ihre Dienste bezahlt wird, oder eine zur Verfügung gestellte „fremde“ Person.
    Wenn du die Voraussetzungen für eine von der Krankenkasse bewilligten Haushaltshilfe nicht erfüllst, kannst du dir bei entsprechenden finanziellen Mitteln eine Haushaltshilfe jederzeit privat engagieren.
  • In manchen Gegenden gibt es so genannte Mütterpflegerinnen, die neben dem Haushalt auch besonders dein persönliches Wohl im Auge haben und dich „bemuttern“, damit du ohne Stress in deine eigene Mutterrolle finden kannst.
    Auch hier kann unter gegebenen Voraussetzungen die Krankenkasse einen Anteil der Kosten übernehmen.
    Wenn es das Angebot einer Mütterpflegerin in deiner Nähe gibt, erkundige dich am besten dort direkt über die (Finanzierungs-)Möglichkeiten.

 

  • Wellcome – Unterstützung durch Ehrenamtliche: Wellcome ist eine Art organisierte Nachbarschaftshilfe durch ehrenamtliche Mitarbeiter deutschlandweit. Diese kommen an ein bis zwei Tagen in der Woche für einige Stunden nach Hause und entlasten ganz praktisch im Alltag: Sie kümmern sich zum Beispiel um dein Baby während du dich ausruhst, spielen mit Geschwisterkindern oder unterstützen dich im Alltag.
    Die Betreuung kostet allgemein 5 Euro pro Stunde. Wenn du wenig Geld zur Verfügung hast, wird aber auch nach einer individuellen Lösung gesucht.

 

 

Das kannst du vor der Geburt für ein entspanntes Wochenbett erledigen

  • Lege dir noch vor der Geburt einen Essensvorrat an und fülle die Speisekammer/ Tiefkühltruhe.
  • Überlege dir: Wer kann deinen/ euren Haushalt für mindestens die ersten 2 Wochen nach der Geburt übernehmen?– Hat dein Partner Urlaub und ist eher der engagierte Typ, der auch etwas von Haushalt versteht? Habt ihr ungefähr die gleichen Vorstellungen was Ordnung betrifft? Würde er die anfallende Arbeit sehen und du müsstest ihn nicht erst mehrmals bitten, bis er aktiv wird?Super, dann kann das absolut ausreichen- Wer könnte die Rolle der guten Fee übernehme- Habt ihr die finanziellen Möglichkeiten, eine Person vorübergehend für den Haushalt zu engagieren- Wen kannst du im Bedarfsfall anrufen, wenn mal Not am Mann ist?- Wenn du niemanden hast, der regelmäßig für dich kocht oder einkauft, magst du dein Mittagessen vielleicht vorübergehend bei Eismann o.ä. bestellen oder dir eine Gemüsekiste liefern lassen?

 

  • Falls dies nicht euer erstes Baby ist:
    Wie werdet ihr den Geschwisterkindern gerecht, wenn eure Aufmerksamkeit sich zusätzlich um ein anderes Kind dreht? Das soll/ muss nicht unbedingt ein toller Ausflug sein, obwohl der zwischendurch bestimmt gerne willkommen ist, sondern besonders die Frage: Wie könnt ihr auf die älteren Kinder im Alltag eingehen und sie wahrnehmen, dass sie nicht das Gefühl des Ausgeschlossenseins überkommt?

 

  • Erledige anfallenden Schriftkram so weit wie möglich bereits vor der Geburt.
    Dann musst du nach der Geburt nur noch die fehlenden Daten eintragen und den ausgefüllten Antrag mit der Geburtsurkunde abschicken. Beispiele:
    – Mutterschaftsgeld bei der Krankenkasse
    – Antrag auf Elterngeld
    – Die Vaterschaftsanerkennung bei nicht-verheirateten Paaren (meist beim Jugendamt).
    – Der Antrag auf Familienversicherung bei der Krankenkasse.
    – Für Alleinerziehende, die keinen Unterhalt vom Vater erhalten: Antrag auf Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt.

 

 

Tipps für einen zauberhaften Anfang im Wochenbett

 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Hermann Hesse

 

  • Nichts tun und Baby genießen!
    In der Schwangerschaft bist du mit deinem Kind eine untrennbare Einheit. Diese Symbiose bleibt noch eine ganze Weile weiter bestehen, auch wenn ihr jetzt körperlich getrennt voneinander seid. Vielleicht verliebst du dich auf den ersten Blick in dein Baby. Vielleicht braucht es auch einfach noch ein wenig Zeit und die Liebe wächst nach und nach.
    Die Zeit des Wochenbetts ist dafür da, um dich in dein Baby zu verlieben. Zum Staunen und Kennenlernen. Zum Kuscheln, dein Baby Haut auf Haut zu fühlen und seinen Duft zu riechen.
    Und mit der Zeit wirst du die Signale deines Babys kennenlernen und verstehen. Du wirst verstehen was es durch seine Sprache mit Mimik, Gestik und Geräuschen ausdrücken will. Und du wirst bemerken, dass auch du nicht nur Wörter für die Kommunikation zur Verfügung hast, sondern dein Baby besonders auf deine Körpersprache und deine Gefühle reagiert.
    So beginnt ihr das Knüpfen eines lebenslangen Liebesbandes zwischen euch.

 

  • Liegen!
    In der ersten Woche nach der Geburt sollte deine bevorzugte Position die Waagrechte sein. Das Wochenbett heißt nicht umsonst Wochen-Bett und nicht Tages-Stuhl, wie ein Sprichwort besagt. Für die Rückbildung, die Schonung des Beckenbodens und das Heilen eventueller Geburtsverletzungen brauchst du diese Zeit im Liegen. Nicht im Sinne einer strengen Bettruhe, aber zum Ausruhen. Und natürlich geht auch Punkt 1 – das Nichtstun und Baby genießen – im Bett oder auf dem Sofa viel besser als am Tisch oder irgendwo unterwegs.

 

  • Kein Baby-Tourismus im Wochenbett
  • Zum Thema Besuch: Du musst nicht Besuch grundsätzlich ablehnen, aber stelle dir folgende Fragen:
    – Tut mir dieser Besuch zu dieser Zeit tatsächlich gut? Fühle ich mich damit besser?
    Wenn ja super, wenn nein, Besuch ohne schlechtes Gewissen verschieben.
    – Jeder Besuch sollte etwas mitbringen (Mittagessen, kleine Snacks…) und sich bald wieder zurückziehen.
    – Notfallmaßnahme für unvorhergesehenen und unwillkommenen Besuch: Haare zerzausen, Bademantel überziehen, Türe öffnen und sagen, dass es leider grade total unpassend ist.
    – Ich empfehle keinen Besuch am dritten Tag wegen der hormonellen Umstellungen und darüber hinaus, solange du keinen wünschst.

 

  • Fühlst du dich gestört durch ständig eingehende Telefonanrufe? Dann bespreche den AB, dass ihr in Babyflitterwochen seid und euch meldet, wenn es passt. Und dann melde dich wirklich erst, wenn es passt.

 

  • Was tut dir wirklich gut? Und was würdest du eigentlich brauchen, um dich jetzt gut/besser fühlen zu können?
    Die Frage, die du dir nicht nur zum Thema Besuch, sondern immer wieder stellen solltest, um deine Bilder im Kopf zu hinterfragen.
    Tust du vielleicht etwas nur, um den Erwartungen deiner Umwelt zu entsprechen?
    Hattest du eine Vorstellung über dich selbst, wie du sein würdest, aber jetzt ist es halt doch nicht so?
    Hattest du etwas Bestimmtes vor und merkst jetzt, dass es dir noch zu anstrengend ist, du dafür keine Energie hast oder es dich einfach nicht mehr interessiert?
    Mache dir bewusst, dass du keine Ansprüche, die dir von deiner Umgebung auferlegt wurden, oder die du dir unbewusst selbst gestellt hast, erfüllen musst. Das ist unglaublich erleichternd.
    Sei ehrlich zu dir selbst! Und dann lerne dich bewusst für das zu entscheiden, was sich für dich wirklich gut anfühlt.

 

  • Stillen macht durstig und braucht Energie:
    Stelle Snacks und Trinken bereit (bzw. lasse sie bereitstellen!) an den Orten, wo du am häufigsten stillst: Also neben das Bett und neben das Sofa. Zum Beispiel eine Schale Studentenfutter und eine Flasche Wasser.

 

  • Fülle eine zuvor gekochte Wochenbettsuppe in eine Thermoskanne, so bleibt diese schön warm. Du kannst immer wieder bei Bedarf eine Tasse der guten Brühe trinken. Das wird dir helfen, dich wieder kräftiger zu fühlen.

 

  • Lasse dich regelmäßig durch eine Bauchmassage verwöhnen. Die Bauchmassage im Wochenbett fördert die Rückbildung der Gebärmutter. Außerdem wirkt sie entspannend, stärkt das Bindegewebe und freundet dich mit deinem nun wieder leeren Bauch an.
    Die Bauchmassage kann zum Beispiel deine Hebamme oder nach Anleitung auch dein Partner übernehmen.

 

  • Insbesondere nach schwerer Geburt oder Kaiserschnitt ist das Bondingbad/ Babyheilbad ein wunderbares Ritual, die liebevolle Bindung zu deinem Baby zu intensivieren und dich mit deiner Geburt zu versöhnen.

 

 

 

Deine Erfahrungen?

Wie hast du dein Wochenbett erlebt und wie ging es dir dabei?
Welche Tipps haben dir weitergeholfen und was würdest du beim nächsten Mal lieber anders machen?
Ich freue mich, von deinen Erfahrungen zu lesen.

 

 

 

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Kommentare

  1. Dorina

    Hallo Olivia,
    Ich bin heut den 12. Tag im Wochenbett und habe das Riesenglück dass mein Mann Alles für mich macht. Ich bekomme Essen und Trinken ans Bett er putzt die Wohnung von alleine und hat jetzt jeden Tag alle Mahlzeiten zubereitet und gekocht. Und er kümmert sich noch liebevoll um unsere 4-Jährige. Das ist so super angenehm und ich kann dadurch so entspannt sein und unser Baby ist dadurch auch entspannt. Er hat das Baby auch die ersten Tage gewickelt wo ich nicht aufstehn konnte. Also nach einer tollen Geburt im Geburtenhaus und mit intakter Fruchtblase nun noch ein tolles Wochenbett:) Liebe Grüße Dorina

    1. Olivia

      Hallo Dorina, wow – so ein traumhaftes Wochenbett nach einer so tollen Geburt <3 Das freut mich riesig für euch und ich wünsche dir und deiner Familie weiterhin eine wunderschöne Zeit zusammen!

      1. Dorina

        Vielen herzlichen Dank. Ich freu mich sehr dass ich deine Seite gefunden habe. Ich habe fast alle Artikel schon gelesen und finde sie sehr schön und hilfreich! Super dass es Hebammen wie dich gibt, die Frauen Mut machen. Mach weiter so! Übrigens unsere Kleine wird jetzt bald 4 Wochen alt und alles klappt so super 🙂 liebe Grüße und alles Gute dir und allen Leserinnen

        1. Olivia

          Liebe Dorina, vielen Dank – das freut mich sehr, dass dir die Seite gefällt!
          Ich wünsche dir und deiner kleinen Familie alles Gute und eine wunderbare Zeit zusammen!

  2. Franziska

    So schöne Anregungen – vielen Dank 🙂 Unser Wochenbett startet .. in den nächsten Stunden.. Tagen .. schauen wir, wann Baby sich entscheidet zu kommen und wir freuen uns schon so so sehr auf sie und auf die Flitterwochen mit ihr 😍 Einen Toptipp bzgl. Besuch: natürlich nur, in wessen Gegenwart ich mich wohlfühle, und trotzdem besser im Schlafzimmer empfangen, denn da fühlen sich Besucher nicht so wohl wie zB in der Küche/Wohnzimmer und gehen von selbst bald wieder ☺️

    1. Olivia

      Liebe Franziska,

      vielen Dank – es freut mich sehr, wenn der Artikel dir ein paar schöne Anregungen geben konnte.
      Ich wünsche euch von ganzem Herzen ein schönes Wochenbett und entspannte Babyflitterwochen!

      Liebe Grüße
      Olivia

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